Wien sieht sich als "Insel der Seeligen" - Präventivarbeit gegen Gewalt an Schulen

"Wien ist nicht Berlin": keine gravierenden Probleme Fremdsprachige Beratung für Migrantenkinder startet

Im Gegensatz zum europäischen Ausland stellt sich in Wien die Thematik der Gewalt an Schulen als nicht gravierend dar, zumindest nicht für die regierende SPÖ: Im Vergleich etwa zu Frankreich sei Wien "eine Insel der Seligen", unterstrich Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Natürlich gebe es da und dort ein Problem mit der Disziplin und mit Gewalt. Dagegen setze man aber auf präventive Konzepte.

In Wien hatte es im vergangenen September eine Diskussion über Schul-Gewalt gegeben, nachdem in der Polytechnischen Schule Währing ein 14-Jähriger von einem Mitschüler erstochen worden war. Bei einem Runden Tisch zur Gewaltprävention an den Wiener Schulen waren damals vorbeugende Maßnahmen beschlossen worden.

Fremdsprachige Beratung für Migrantenkinder
Dazu gehört die Einrichtung von flächendeckenden Schulpsychologen-Sprechstunden und regelmäßige Treffen zwischen Polizei-Repräsentanten und den Schulen. Mit fremdsprachiger Beratung soll speziell auf die Herkunft von Schülern eingegangen werden, besonders in der Bundeshauptstadt gibt es dafür Bedarf. Insgesamt hat ein Drittel aller Wiener Schüler eine andere Muttersprache als Deutsch, die Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund ist im Steigen begriffen. Bundesweit besuchen rund 157.000 Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache die Schule.

Auch Lehrerfortbildung verstärkt
Weiters wurde die Lehrerfortbildung in dieser Frage verstärkt und eine Anti-Gewalt-Charta seitens der Schüler verabschiedet. Zusätzlich wurde eine Beratungsbroschüre aufgelegt und die geschlechtssensible Arbeit verstärkt.

Bund will nicht zahlen
Mit Ausnahme des Schulpsychologen-Projekts liefen alle Maßnahmen reibungslos, so Brandsteidl. In diesem Falle zahle der Bund aber keinen einzigen Schulpsychologen zusätzlich, was die Idee scheitern zu lassen drohe. "Problemschulen" wie die jetzt prominent gewordene Berliner Hauptschule gebe es in Wien aber nicht. Auch sei ein wie dort getroffener Beschluss des Lehrerkollegiums undenkbar.

"Wien ist nicht wie Berlin"
Wiens Bildungsstadträtin Grete Laska (SPÖ) stellte klar: "Wien ist nicht wie Berlin." Habe man sich vor 25 Jahren noch wegen der Konzepte zur Freizeit und Bildungspädagogik an der deutschen Hauptstadt orientiert, so hinke Berlin heute hinterher. Wegen der dortigen höheren Jugendarbeitslosigkeit und beträchtlicher Finanzprobleme sei die Situation der beiden Städte aber nicht vergleichbar. Auch Laska sprach sich für eine Schule der 6- bis 15-Jährigen aus: "Hauptschule und AHS in der Langform haben beide keine Zukunft." (APA/red)