Wien von

Holocaust-Gedenken am Heldenplatz

Akademikerball wirkte nach - Mailath-Pokorny gegen Abhaltung in der Hofburg

Der 27. Jänner ist internationaler Holocaust-Gedenktag. © Bild: APA/dpa/Leszek Szymanski

Hunderte Menschen versammelten sich am Montagabend bei Minusgraden am Wiener Heldenplatz, um anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocausts zu gedenken. In den Reden von Zeitzeugen und Politikern wirkten dabei vor allem die Geschehnisse rund um den am Freitag veranstalteten Akademikerball und die Proteste gegen den Ball nach.

"Erinnern tut weh, ist jedoch unverzichtbar. Es ist unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und den nächsten Generationen", erklärte der Präsident der Israelischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch. Gerade im Angesicht des zunehmenden Antisemitismus in Europa sei die Erinnerung und Wachsamkeit umso wichtiger. "Auch in Österreich werden ständig Grenzen sanktionslos überschritten", so Deutsch.

Er forderte deshalb die Einrichtung des 27. Jänners – derzeit internationaler Holocaust-Gedenktag – als offiziellen Gedenktag in Österreich. Begleitet wurde die Gedenkzeremonie – zu der auch ein von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg gesprochenes traditionelles Totengebet und eine Kranzniederlegung gehörte – von Liedern des Jüdischen Chors.

Wien trägt "hohes Maß an Verantwortung"

Weil von diesem Platz Unrecht ausgegangen sei, trage Wien ein hohes Maß an Verantwortung, gab Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zu bedenken, eine besondere Verantwortung in der Wortwahl, im Umgang mit Freiheitsrechten und Minderheiten. Und auch die Verantwortung, "dass eine Veranstaltung, die den Appell von Überlebenden negiert, nichts in der Hofburg zu suchen hat", wie er unter lautem Applaus betonte.

"Es geht nicht immer nur um Recht, sondern auch um Moral", so Mailath-Pokorny. Eine Gruppierung, die sich nicht ausreichend von rechtsextremem Gedankengut distanziere, müsse auch damit leben, "dass man ihnen repräsentative Orte nicht anbietet". Der Kulturstadtrat kritisierte wie viele Redner neben ihm auch den Umgang mit den Protesten gegen den Akademikerball: "Die Versammlungsfreiheit wurde eingeschränkt, die öffentliche Sicherheit aber nicht gewonnen. Das darf nächstes Mal nicht mehr passieren."

Demokratie muss erarbeitet werden

"Demokratie ist kein Geschenk, wir müssen uns sie jeden Tag erarbeiten", so David Ellensohn, Klubobmann der Wiener Grünen. Die Aufgabe beschränke sich nicht nur auf das Gedenken, sondern auch auf klare Abgrenzung gegenüber rechtsextremen Tendenzen. Auch Manfred Juraczka, Obmann der Wiener ÖVP, hob das "selbstverständliche, aber so wichtigere Bekenntnis" zu Erinnern und Gedenken hervor. "Wir müssen für ein Österreich arbeiten, das aus der Geschichte gelernt hat."

"Ich stehe heute hier, nur wenige Tage nach dem Akademikerball, um Zeugnis abzulegen", erzählte Zeitzeugin Miriam Auerbach, die als Jugendliche gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde und dort zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in der sogenannten Zwillingsbaracke vom Lagerarzt Josef Mengele gequält und diversen Experimenten unterworfen wurde. Den "Todesmarsch" in den Westen überlebten sie und ihre Schwester nur knapp. "Diejenigen, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern, sind gezwungen, sie zu wiederholen", so Auerbachs abschließender Appell.

Israel gedenkt in Auschwitz

Auch vor Ort, in Auschwitz-Birkenau, wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Mehr als 60 Abgeordnete der israelischen Knesset kamen zusammen, um der sechs Millionen Opfer des Holocaust zu gedenken. Auf ihrer Reise wurden die 61 Parlamentarier von mehr als 20 hochbetagten Holocaust-Überlebenden und Mitgliedern des israelischen Militärs begleitet.

Gemeinsam besuchten sie das Stammlager Auschwitz, wo unter anderem in den Sammlungen der Gedenkstätte Schuhe, Koffer und Haare der Ermordeten aufbewahrt werden. In der im vergangenen Juni eröffneten Holocaust-Ausstellung sahen sie auch das "Buch der Erinnerung", in dem die Namen von rund 4,3 Millionen ermordeten Juden aufgelistet sind.

Die Gedenkfeier am 69. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ist mit mehr als der Hälfte der israelischen Parlamentsabgeordneten die größte Versammlung der Parlamentarier außerhalb Israels. Soldaten der Roten Armee hatten das Lager am 27. Jänner 1945 befreit.

Über eine Million Menschen ermordet

Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Todeslager, in dem mindesten 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge ermordet wurden. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden aus ganz Europa um. In Israel leben heute noch rund 193.000 Holocaust-Überlebende. Am Abend wollten die Knesset-Abgeordneten im südpolnischen Krakau (Krakow) mit Parlamentariern aus anderen Ländern, darunter auch Vertretern des deutschen Bundestags, über die Lehren aus Auschwitz und die Herausforderungen durch Antisemitismus in der Gegenwart beraten.

Kommentare

Ignaz-Kutschnberger

Wann gedenkt man endlich auch mal jener jüdischen Mitbürger, die im 1. Weltkrieg für Österreich ihr Leben gelassen haben??

franzl11 melden

Wieso kann man nicht auch der Hunderttausenden Ermordeten deutschen und österreichischen Zivilisten bei und nach Kriegsende gedenken?

RobOtter
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Wieviel österreichische Zivilisten wurden deiner Meinung nach nach Kriegsende ermordet? UND in welchem Verhältnis steht das zum Holocaust?

RobOtter
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Ich kanns Dir aber vorwegnehmen: IM Verlauf des 2. Weltkrieges sind 40.000 österreichische Zivilisten gestorben. Sollen es also nach dem Krieg 4.000 gewesen sein. Beim Holocaust wurden 13.500.000 Menschen getötet.

franzl11 melden

Es wurden 6 Millionen Juden getötet und nicht 13,5. Die Rede war von Deutschen und Österreichern, bitte genau lesen. Sind diese Ermordeten weniger wert? Das Verhältnis ist zwar anders aber ein großer Teil wwurde auch systematisch ermordet!

franzl11 melden

Lieber RobOtter, wenn wir schon per Du sind: Ich empfehle dir Geschichte zu lernen und lege dir auch das Buch - die Holocaust Industrie- ans Herz, übrigens geschrieben von einem Juden, um zu erkennen wie sehr mit dem Leid der Menschen Geschäfte gemacht werden und manipuliert wird. Und vorweg, ich bin kein Nazi (eher das Gegenteil), kein Rassist und meine Frau ist eine Ausländerin.

brauser49
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Nicht werden - Sondern WURDEN

Ignaz-Kutschnberger
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Lieber @franzl...wenn der geschäftstüchtige Herr kein Buch für Leute wie SIE geschrieben hätte, würde er vielleicht heute noch ein tristes Dasein fristen und nicht wissen, wovon er nächsten Monat seine Miete zahlen soll! Danke, dass Sie ihn durch einen Buchkauf unterstützt haben :))

RobOtter
RobOtter melden

@franzl11:Sorry die Zahl der Holocastopfer waren tatsächlich "nur" 6mio. 13mio war die Zahl der Opfer der deutschen Massenverbrechen im Verlauf des 2. Weltkrieges. Das macht die ganze Sache natürlich viel besser.
*sarkassmus off*

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