Wien Hauptbahnhof von

Erste Züge fahren

Schnellbahnlinien halten - Eröffnung der gesamten Station erfolgt im Dezember 2014

Der Hauptbahnhof Wien hat seinen Teilbetrieb aufgenommen. © Bild: APA/ÖBB/ZENGER

Endlich ist es soweit: Der Wiener Hauptbahnhof hat seinen Betrieb aufgenommen - zumindest teilweise. Ab Sonntag fahren die ersten Züge in der neuen zentralen Station - am Areal des ehemaligen Süd- und Ostbahnhofs - ein und halten.

Die Teileröffnung hat aber nur Auswirkungen auf den Nahverkehr, da vorerst nur Schnellbahnen bzw. Regionalzüge halten. Die Inbetriebnahme sei "ohne Probleme" verlaufen, berichtete ein ÖBB-Sprecher: "Es hat alles geklappt." Als erster Zug ließ um 0.35 Uhr eine Garnitur der Schnellbahnlinie 80 Fahrgäste am Hauptbahnhof aussteigen. Bis auch Fernzüge halten, dauert es noch: Im Dezember 2014 wird die gesamte Verkehrsstation eröffnet.

Knapp drei Jahre ist es her, dass am ehemaligen Südbahnhof die letzten Züge eingefahren sind. Dann wurde dieser, ebenso wie der dazugehörige Ostbahnhof, abgerissen. Letzterer erhielt einen provisorischen Bau und wurde weiterhin angefahren. Die Rolle des Südbahnhofs übernahm der Bahnhof Meidling.

Bahnsteige neun bis zwölf eröffnet

Der neue Hauptbahnhof ist ein markantes Gebäude mit einem rautenförmigen Dach - wenn es einmal fertig ist. Denn viel ist davon noch nicht zu sehen. Das Areal ist zum größten Teil noch Baustelle. Am Sonntag wurden nur die Bahnsteige neun bis zwölf sowie ein Durchfahrtsgleis in Betrieb genommen. Diese sind über zwei Eingänge erreichbar - bei der Karl-Popper-Straße und über den Vorplatz Süd bei der Sonnwendgasse. Die Eingangsbereiche sind mit dunkelgrauem Stein am Boden ausgestattet. Beim Vorplatz Süd gibt es einen Bäcker, eine Trafik und ein ÖBB-Reisecenter.

Die ÖBB haben die Inbetriebnahme des Verkehrsknotenpunktes dazu genutzt, das S-Bahn-System neu zu organisieren. So wird die S80 von Hirschstetten über den Hauptbahnhof und die Pottendorfer Linie bis Wiener Neustadt durchfahren. Die S60 verkehrt nun von Bruck an der Leitha ebenfalls direkt via Hauptbahnhof nach Hütteldorf und weiter. Diese Linien endeten bisher am provisorischen Ostbahnhof. Auch die Regionalexpresszüge von Bratislava nach Deutschkreutz machen nun am Hauptbahnhof Halt.

Suche nach Haltestellen

Schwierigkeiten hatte so manch ein Reisender, die Haltestellen der U-Bahnlinie U1 und der Straßenbahnlinie D zu finden, wie die ÖBB mitteilt. Um zur Bim zu gelangen, muss der ostseitige Eingang des Bahnhofs bei der Karl-Popper-Straße verwendet werden. Die Linie D wurde um eine Station verlängert und fährt ab heute direkt dorthin. Die U1-Station "Südtiroler Platz" ist bis 2014 nur oberirdisch vom Vorplatz Süd aus erreichbar. Laut ÖBB beträgt der Fußweg drei Minuten.

Auch für die Benutzer der im Bahnhofsbereich unterirdisch verlaufenden sogenannten Schnellbahn-Stammstrecke ändert sich einiges. Die Station Südbahnhof blieb prinzipiell erhalten. Da dem dazugehörenden Bahnhof dieses Schicksal aber nicht beschieden war, heißt sie nun "Quartier Belvedere". Die nächste Station, einst "Südtiroler Platz", nennt sich nun "Hauptbahnhof".

Halle und sechs weitere Bahnsteige entstehen

Parallel dazu gehen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof weiter: In den kommenden zwei Jahren werden die nördliche Halle und weitere sechs Bahnsteige in Richtung Südtiroler Platz bzw. Gürtel errichtet. Auch das Einkaufszentrum wird in diesem Zeitraum fertiggestellt. Bereits im September 2014, drei Monate vor der Eröffnung der gesamten Verkehrsstation, sollen die rund 100 Shops auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern ihre Pforten öffnen.

Im darauffolgenden Dezember werden dann auch Fernzüge in der zentralen Station halten. Ein Jahr später, 2015, sollen die Arbeiten am gesamten Bahn-Infrastrukturprojekt beendet sein. Züge werden dann in allen Richtungen abfahren bzw. aus allen Richtungen ankommen.

Der Wiener Hauptbahnhof gilt als Prestigebauprojekt der ÖBB und ist ein Durchzugsbahnhof. Die Verkehrsstation samt Einkaufszentrum wird auch als "BahnhofCity" bezeichnet. Rund um das Areal entsteht zudem ein neues Stadtviertel mit Büro- und Wohnkomplexen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund vier Mrd. Euro. Dabei fallen für den Bahnbau ungefähr 987 Mio. Euro an. Der Rest teilt sich größtenteils auf private Investitionen für Wohnungen und Büros auf. Die Stadt Wien investiert rund 500 Mio. Euro.

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