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Gratis-Nachhilfe

Neues Programm mit 400 zusätzlichen Lehrern startet im Herbst

Volksschulkinder studieren ein Mathematik-Buch © Bild: APA/DPA/Jens Büttner

Die am gestrigen Donnerstag angekündigte Gratis-Nachhilfe für alle Wiener Pflichtschüler wird an exakt 367 Standorten angeboten werden. Die 400 zusätzlichen Lehrer teilen sich somit auf 210 Volksschulen, 93 Neue Mittelschulen und 64 AHS auf, präzisierte Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch am Freitag bei der Klubtagung der Wiener SPÖ in Rust.

Geplant sind durchschnittlich zwei zusätzliche Wochenstunden pro Schüler. Organisiert wird die Nachhilfe in Kleingruppen mit rund zehn Teilnehmern. Auf jeden der 400 neuen Lehrer kommen so 22 Wochenstunden. An den Volksschulen wird die Nachhilfe direkt am Schulstandort angeboten, bei den Unterstufenschülern wird man mit den Volkshochschulen kooperieren. Gestartet wird im Herbst, nach vier Jahren wird evaluiert, kündigte Oxonitsch an.

Fokus auf Spracherwerb

Das österreichische Bildungssystem habe viele Schwächen, "weil die ÖVP seit Jahrzehnten den Reformbedarf nicht anerkennt und jede Veränderung blockiert", kritisierte der Wiener Ressortchef die Bundes-Schwarzen. Deshalb versuche die Stadt die Rahmenbedingungen so gut wie möglich auszuschöpfen und Fördermaßnahmen zu setzen. Ein Fokus soll auf dem Spracherwerb liegen - sowohl auf Deutsch als auch auf Fremdsprachen. Denn jedes Wiener Kind soll künftig zwei Sprachen beherrschen, so das Ziel der Bundeshauptstadt.

Opposition skeptisch

Die Ankündigung hat bei der Opposition alles andere als Beifallsstürme ausgelöst. FPÖ und ÖVP orteten einen Beleg für das Eingeständnis des Scheiterns der roten Bildungspolitik. Der Pflichtschul-Elternverband freute sich am Freitag indes über die Maßnahme.

Der kostenlose Zusatzunterricht sei "ein Eingeständnis für das völlige Scheitern der roten Bildungspolitik", so die Interpretation von Wiens blauem Klubchef Johann Gudenus. Denn "sozialistische Bildungsexperimente" à la Gesamtschule hätten zu einem Niveauverlust und damit auch zu einem massiven Bildungsrückgang geführt. Mit der Gratis-Nachhilfe betreibe man Symptombekämpfung statt Ursachenbeseitigung.

"Vorsichtig optimistisch" zeigte sich die Wiener ÖVP-Bildungssprecherin Isabella Leeb: "Uns ist jedes Mittel Recht, das hilft, die teils katastrophalen Bildungskarrieren der Wiener Schüler zu verbessern." Man werde die Frage der Finanzierung aber genau beobachten: "Sicher ist, dass die Kosten für die jahrzehntelangen Versäumnisse der SPÖ im Bildungsbereich von den Steuerzahlern selbst zu tragen sein werden", kritisierte Leeb.

Nachhilfe "kein Ersatz für vernünftigen Schulunterricht"

Das Team Stronach ortete ebenfalls ein Eingeständnis der SPÖ, dass die rote Bildungspolitik gescheitert sei. Nachhilfe ersetze keinen vernünftigen Schulunterricht.

Freude hingegen herrscht beim Wiener Pflichtschul-Elternverband. "Die Initiative der Stadtregierung ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer Schule die sich an den Bedürfnissen der Schüler orientiert und sich bemüht, unterschiedliche soziale Voraussetzungen auszugleichen", so Verbandsvorsitzender Martin Spitzl. Man wolle an der Detailplanung mitwirken, hofft er auf eine entsprechende Einladung der Stadt.

Bildungsforscher: "Nur Oberflächenreparatur"

Für Bildungsforscher Stefan Hopmann (Uni Wien) ist die Gratis-Nachhilfe "ein bisschen wie eine Autowerkstatt, die eine Nachreparatur anbietet". Das Angebot der Stadt sei besser, als für Lernschwache nichts zu tun, bleibe aber "nur Oberflächenreparatur". Eigentlich nötig wären mehr Ressourcen für differenzierten Unterricht und den Schulalltag.

Hopmann sieht im Gespräch mit der APA die Gefahr, dass das geplante Modell durch den Gießkannen-Effekt nur zu einer wachsenden Kluft zwischen sozial starken und schwachen Schülern führt. "Würden wir dort Ganztagsschulen mit dem richtigen Personal machen, wäre das viel besser. So entlasten wir nur einige Mittelschichtfamilien von Nachhilfekosten." Hopmann plädiert für gezielte Interventionsprogramme für Schüler, die aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen mehr Hilfe brauchen, und zwar am besten in enger Koordination mit der Schule.

"Schule versagt"

Die Tatsache, dass Schüler Nachhilfe benötigen, ist laut dem Bildungsforscher per se noch kein Beleg dafür, dass die Schule versagt. Dafür habe diese viel zu wenig Einfluss auf die Leistung. Die Nachhilfe zeige vielmehr, dass jene Eltern, die dies können, in bessere Bildung ihrer Kinder investieren.

Den Bedarf nach dieser Maßnahme darauf zurückzuführen, dass es in Österreich keine Gesamt- bzw. Ganztagsschule gibt, nannte er im APA-Gespräch "dummes Zeug": Auch in Ländern mit solchen Schulsystemen existiere "Shadow Education", teilweise gebe es in Gesamtschulländern sogar mehr Nachhilfe als in Österreich. Man könne nicht verhindern, dass manche Schüler Nachhilfe brauchen. Man solle aber die öffentlichen Gelder auf jene konzentrieren, die von der Familie nicht gefördert werden können.

Kommentare

Ihr Koffer hier jammert immer, dass nichts gemacht wird, und wenn mal was sinnvolles gemacht wird, dann jammert ihr wieder.

super, wieder etwas, was den eltern hinten reingeschoben wird, nur dass sie ja bei den roten das kreuzchen machen. ich musste das alles (kindergarten, nachhilfe, etc.) noch aus eigener tasche zahlen. ich bekam keinen cent retour und heute können viele eltern gar nicht mehr sitzen, soviel wird ihnen hinten reingeschoben.

Seekuh44
Seekuh44 melden

Bevor man die eigene Muttersprache nicht beherrscht, kann man auch keine Fremdsprache erlernen! Da liegt auch der Hund begraben.

christian95 melden

Das sind jene Gruppen der der SPÖ neue Wähler bringen nachdem immer mehr ehemalige Wähler aus dem Gemeindebau weg sterben. Stappelweise bringen ihnen "Vertrauenspersonen" (oder Religionsführer) Wahlkarten die sie im Kreis der Familie "richtig" ausfüllen. "Beherrschung der Muttersprache" ist dafür nicht erforderlich.

Seekuh44

Scheinbar trifft wieder mal die "bildungsfernen" Mitbürger. Die, die an Bildung interessiert sind, und vielleicht trotzdem, Hilfe bräuchten, fallen eh wieder unter den Tisch.

Das sind die Förderstunden, die vor 15 Jahren gestrichen wurden. Obs an der richtigen Stelle ankommt, ist fraglich.

christian95 melden

SPÖ+ÖVP haben sich den gesamten Staat untereinander im Proporz aufgeteilt!
In Wien bekommen Kinder gratis Nachhilfe in allen anderen 8 Bundesländern nicht! So etwas nennt man dann "Bildungsreform".
Seit 1920 haben wir neben dem Parlament auch noch weitere 9 Gesetzgeber in den Ländern.

eintiroler melden

ja da is er ja unser an ÖVP und SPÖ Verfolgungswahn leidender blauer christian95.
Wo sind denn immer ihre geistreichen Posting, wenn es um ihren blauen Hetzerhaufen geht? Da kann man von ihnen nie was lesen!
Beim Haider seinen Bärental vorgestern haben sie auch keinen Senf abgegeben, komisch!

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