Wien wird Düsseldorf: Heinz Sichrovsky zur
Innenstadt-Zerstörung

Das österreichische Bundesdenkmalamt hat mich schon mehrfach in öffentliche Begeisterung versetzt. Ihm ist es zu danken, dass im Volkstheater ein originalgetreu wiederhergestelltes Hitler-Zimmer besichtigt werden kann, nachdem dieses Stück gelebten Weltkulturerbes schon entsorgt worden war. Auch das Hotel Europa beim Salzburger Hauptbahnhof, das sich mit dem adlergleichen Schwung eines Plattenbauhochhauses über die berüchtigt unansehnliche Skyline der Stadt erhebt, wurde mit Behördenmacht vor dem Abriss gerettet. Jetzt aber wäre es Zeit für ernsthafte Aktivitäten: In der Wiener Innenstadt verschwindet ein Kulturdenkmal nach dem anderen. Soeben wurde die Konditorei Lehmann geschlossen, so wie längst das benachbarte Kleiderhaus Braun.

Der Schreibwarenladen Huber & Lerner wurde zur Swarovski-Filiale, die Opern-Confiserie zur Esoterik-Greißlerei. Hier verschwinden Standards der Alltagskultur meist, weil Verträge auslaufen und die adaptierten Wuchermieten nur noch von internationalen Ketten aufzubringen sind. Solchen Zinsgeiern sollte das Denkmalamt die Flügel stutzen, gegebenenfalls im Sinne einer Gesetzesinitiative, die nicht nur Räume, sondern auch deren Nutzung unter Schutz stellt. Diese Immobilien unvermietbar zu machen ist der einzige Weg, der Düsseldorfisierung Einhalt zu gebieten.