Billig-Abtreibungen in Wien

Sieben Frauen beklagen massive Verletzungen. Dunkelziffer vermutlich weit höher.

Die Ordination einer Wiener Allgemeinmedizinerin - seit vielen Jahren immer wieder in Medienberichten über die dort durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche und damit verbundene Affären genannt - hat am Donnerstag über die Patientenanwältin Sigrid Pilz zu einer Ärzte-Qualitätsdebatte geführt. Die Patientenanwältin hatte von sieben Frauen berichtet, die massive Verletzungen erlitten hätten. Die Ärztekammer verwies darauf, dass ein Verfahren zur Aberkennung der Berufsbefugnis bereits laufe. Ein schnelles temporäres Berufsverbot könnte die Wiener Magistratsabteilung 40 verhängen. Dafür aber fehlt es offenbar sowohl an einer Strafanzeige als auch an der Einleitung eines Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft, wie sich Donnerstabend herausstellte.´

von Frau beim Frauenarzt © Bild: Thinkstock/Photodisc

Laut Sigrid Pilz sind in den vergangenen vier Jahren 16 Mal Frauen von der Ordination wegen Komplikationen mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht worden. Die Patientenanwältin gegenüber ORF-Radio Ö1: "Die Gebärmutter wurde durchstoßen. Die Patientinnen haben schwere Blutungen erlitten. Manchen mussten innere Organe entnommen werden und sie sind in der Folge für ihr Leben gezeichnet."

Die Ärztin ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Affären in die Öffentlichkeit gelangt. Sie hätte viel geleistet, doch, so ein Wiener Gynäkologe gegenüber der APA: "Fachlich ist das eine Katastrophe." Der Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, Thomas Holzgruber, zu dem Fall: "Wir waren mehrfach gemeinsam mit der Magistratsabteilung 40 in der Ordination. Die Praxis wurde auch mehrfach geschlossen. Die Ärztin hat die erteilten Auflagen wegen hygienischer Mängel erfüllt.

Praxis wieder aufgesperrt
Daraufhin wurde wieder aufgesperrt. Die Ärztin selbst führt die Abtreibungen nicht durch. Sie macht die Narkosen. Es läuft gegen sie ein Verfahren wegen Aberkennung der Berufsberechtigung. Einer der Gynäkologen hat seine Berufsberechtigung zurückgelegt." Beim Patientenanwalt der Wiener Ärztekammer, Franz Bittner, lägen zwei Beschwerden, die gerade begutachtet würden. Man nehme die Angelegenheit sehr ernst.

Freilich, zu einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und zu allfälligen weiteren Schritten durch die Justiz ist es offenbar bisher noch nicht gekommen. "Wir haben noch kein Verfahren. Eine Anzeige ist noch nicht eingelangt", erklärte Nina Bussek, Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, Donnerstagabend gegenüber der APA. Daran, so hatte man zuvor bei der für ein eventuelles temporäres Berufsverbot zuständigen Magistratsabteilung 40 erklärt, hängt aber genau diese Maßnahme. "Wenn eine Anzeige einlangt, wird sie eingetragen. Wir haben offenbar noch keine", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Kniffliges Berufsverbot
Laut Magistratsabteilung 40 gibt es zwar die Möglichkeit, ein temporäres Berufsverbot für einen Arzt oder eine Ärztin auszusprechen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die zuständige Staatsanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet hat und dies der Behörde mitteilt.

Das Berufsverbot gilt dann auch nur für die Dauer des Strafverfahrens und muss danach wieder aufgehoben werden, egal wie das Verfahren ausgegangen ist. Ein permanentes Berufsverbot könnte demnach nur die Österreichische Ärztekammer aussprechen. Allerdings, die MA 40 – so die Auskunft am Donnerstag – würde im Falle der Wiener Ärztin nach Einleitung eines Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft sehr rasch ein temporäres Berufsverbot prüfen.

Aus der Angelegenheit wurde schließlich eine allgemeine Qualitätsdebatte der ärztlichen Versorgung. Hier gibt es seit langem Kritik, wonach die standeseigenen Qualitätskontrollen nicht ausreichen und eine von der Österreichischen Ärztekammer unabhängige Stelle dafür einzurichten sei. "Wenn die Qualitätssicherung, wie sie jetzt geschieht, nicht funktioniert, kann ich mir vorstellen, dass man bei den kommenden Regierungsverhandlungen dafür eintritt, dass es eine unabhängige Stelle gibt", so Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Das sei aber auf jeden Fall mit dafür notwendigen gesetzlichen Änderungen verbunden. Im Gesundheitsministerium sieht man das aber unabhängig von dem aus Wien bekannten Einzelfall.

Kommentare

Sollte nicht bei Körperverletzung eine automatische Anzeige durch die Spitäler und jene Ärzte erfolgen, die den Pfusch und die Folgen solcher unprofessioneller Abtreibungen nachbehandeln müssen ? Oder hackt da wieder mal eine Krähe der anderen kein Auge aus und die Ärztekammer legt den Mantel des Schweigens darüber ? Wo bleibt die Staatsanwaltschaft die das untersucht und alle Verwortlichen vor den Kadi bringt ?

Laserstrahl

Wie viele Menschen werden jedes Jahr verpfuscht? www.aerztepfusch.at Info: 0681/20560760

marijaaa5 melden

Ich dürfte wahrscheinlich keine Namen nennen, aber ich habe vor 3Jahren mal abgetrieben, bei der Michaela Radauer im 7.ten Bezirk. Ist das nicht vielleicht diese Ärztin? Da das damals auch etwas billiger war als bei anderen, und ganz modern war es dort nicht... Bitte um Rückmeldung... Obwohl ich Nachuntersuchungen gehabt habe, nach diesem Bericht habe ich etwas Angst..:-/

Lg

PrinzessinMononoke
PrinzessinMononoke melden

@Marijaaa5
Ich war mit meiner besten Freundin auch bei der Tante ..sehr seriös dort! Würde mich auch sehr Interessieren ob es sich um diese Frau handelt!!-könnte ich mir sehr gut vorstellen.. bitte um Rückmeldung!!!!

hilfdu melden

Es soll sich um eine Allgemeinmedizinerin handeln und laut Ärztesuche ist diese Ärztin eine Allgemeinmedizinerin http://www.arztverzeichnis.at/suche/?cmd=showPage&page=1&plz=1070&geschlecht=f&county=9&mainfield=1 bin total verunsichert den laut ihrer Homepage http://www.drradauer.at/angebot/leistungen.php sieht das aus als wenn sie Gynäkologin wäre :-O

hilfdu melden

Ich glaub das nicht! Man sollte sagen wer das sein soll, den so sind das nur Spekulationen.

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Ich kann Sie beruhigen... wenn es nicht innerhalb von 14 Tagen nach Schwangerschaftsabbruch zu merklichen Komplikationen gekommen sind... sind Sie, wie man so schön sagt, übern Berg ;-)

AllesSchallUndRauch melden

@Marijaaa5; ja es ist diese Ärztin die du meinst!

marijaaa5 melden

Bist du dir da sicher? Aber, jetzt nach mehr als 3 Jahren, fast 4Jahren, wird glaube ich nichts sein, da ich Nachuntersuchungen hatte..
Echt schlimm :-/

bbggbb melden

im ORF Bericht ist eine Aussenaufnahme des Gebäudes der betroffenen Ärztin zu sehen. Es handelt sich tatsächlich um diese Person!!!
http://wien.orf.at/news/stories/2592525/

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