Wieder Selbstmordanschlag in Kunduz:
Zwei Zivilisten wurden bei Attentat getötet

UNO mahnt Schutz von Zivilisten in Afghanistan ein Tote bei Ausschreitungen bei Protestkundgebung

Wieder Selbstmordanschlag in Kunduz:
Zwei Zivilisten wurden bei Attentat getötet

In der nordafghanischen Stadt Kunduz hat sich erneut ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Der Attentäter und zwei afghanische Zivilisten seien bei der Explosion nahe des Krankenhauses der Stadt ums Leben gekommen, sagte der Polizeichef der Provinz Kunduz, Ayoub Salangi. Zwei weitere Zivilisten wurden verletzt. Anschlagziel war ein Geländewagen einer amerikanischen Sicherheitsfirma, die Polizisten ausbildet. Die Mitarbeiteer in dem Jeep blieben unverletzt. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat.

In Kunduz hat die Gewalt in den vergangenen Monaten zugenommen. Am 19. Mai wurden dort bei einem Selbstmordanschlag drei deutsche Bundeswehrsoldaten der NATO-Truppe ISAF sowie sieben Afghanen getötet. Ein Sprecher der ISAF betonte, am Montag seien keine Soldaten betroffen gewesen.

Die Vereinten Nationen haben sowohl die ausländischen Truppen in Afghanistan als auch die Taliban eindringlich aufgefordert, keine Zivilisten zu töten. "Das internationale humanitäre Recht ist eindeutig: Der Schutz und die Sicherheit von Zivilisten müssen vorgehen", sagte am Montag der ranghöchste Menschenrechtler der UNO in Afghanistan, Richard Bennett. "Dieses Prinzip muss von allen Konfliktparteien beachtet werden." Allein in den ersten vier Monaten des Jahres seien 320 bis 380 afghanische Zivilisten getötet worden. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte wegen der steigenden Zahl getöteter Zivilisten bei Einsätzen der ausländischen Truppen protestiert. Wegen der Tötungen kam es zu Protesten gegen Karzai und die ausländischen Soldaten.

Tote bei Zusammenstößen mit Polizei
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei in Nordafghanistan kamen Augenzeugen zufolge etwa 13 Menschen ums Leben. 35 weitere Menschen seien bei den Auseinandersetzungen am Montag verletzt worden. Die Polizei habe das Feuer eröffnet, um die mit Steinen bewaffnete Menge an der Erstürmung von Regierungsgebäuden in Shiberghan, der Hauptstadt der Provinz Jowzjan, zu hindern. Rund 1.000 Unterstützer des Kriegsfürsten Abdul Rashid Dostum demonstrierten den Angaben nach für eine Ablösung des Gouverneurs Juma Khan Hamdard. Aus den Reihen der Demonstranten sei eine Rakete abgefeuert worden, die die Gouverneursresidenz beschädigt habe, hieß es.

Die US-geführten Koalitionstruppen (Operation Enduring Freedom/OEF) teilten mit, am Sonntag seien in der südafghanischen Provinz Helmand rund zwei Dutzend Taliban-Kämpfer getötet worden. Die Rebellen hätten einen Konvoi mit 24 Lastwagen angegriffen und einen afghanischen Fahrer getötet sowie drei US-Soldaten verletzt. Anschließend sei es zu zehnstündigen Gefechten gekommen. In der Nacht zu Samstag wurden in Helmand nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London ein britischer Soldat getötet und vier weitere verletzt. Erst am Freitag war ein kanadischer ISAF-Soldat bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet worden.

Vor dem Angriff auf den Konvoi hatten die Taliban eine neue Offensive gegen die Regierungstruppen sowie alle ausländischen Soldaten angekündigt. Die Operation "Kamin" (Hinterhalt) werde mit sofortiger Wirkung im ganzen Land beginnen, erklärte Taliban-Sprecher Kari Yussef Ahmadi. Es werde Selbstmordanschläge, Attacken mit ferngezündeten Bomben und Überraschungsangriffe geben.

Mehrere Tote bei Anschlägen
Sechs Polizisten wurden in der südöstlichen Provinz Paktika getötet. Zunächst zündeten Taliban-Kämpfer bei der Vorbeifahrt von zwei Polizeifahrzeugen mehrere Bomben, anschließend beschossen sie den Konvoi, wie ein Sprecher des Provinzgouverneurs mitteilte. Bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes im Osten des Landes kamen drei afghanische Sicherheitsbeamte ums Leben. Am Samstag waren bereits zwei Polizisten in Kandahar getötet worden. Fünf Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren wurden beim Fund eines Sprengsatzes in den Tod gerissen.

Afghanische Grenzpolizisten nahmen zusammen mit Soldaten der OEF einen Kommandanten der Taliban und zwei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, wie ein Militärsprecher mitteilte. Sayed Gulab sei für etliche Bombenanschläge in der Provinz Nangarhar verantwortlich gewesen, hieß es.

Drei afghanische Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Terre d'Enfance wurden unterdessen nach fast zwei Monaten Geiselhaft bei den Taliban wieder auf freiem Fuß gesetzt. Ein Sprecher der Islamisten-Gruppe teilte am Sonntag mit, man habe einer Bitte von Stammesführern in der Provinz Nimroz entsprochen. Die drei Männer waren am 3. April gemeinsam mit zwei Franzosen verschleppt worden. Letztere wurden bereits am 28. April bzw. am 11. Mai freigelassen.

(apa/red)