Wieder Mord an Journalisten in Russland? Itar-Tass-Wirtschaftschef offenbar getötet

Mit mehreren Messerstichen nieder gestreckt Neue Spuren in Mordfällen Koslow & Politkowskaja

Zehn Tage nach dem Mord an der prominenten Journalistin Anna Politkowskaja ist in Moskau erneut ein Medienvertreter ermordet worden. Ein hochrangiger Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Itar-Tass sei mit mehreren Stichverletzungen tot in seiner Moskauer Wohnung gefunden worden, meldete die russische Nachrichtenagentur unter Berufung auf Kreise der Generalstaatsanwaltschaft. Anatoli Woronin war der Vermögensverwalter von Itar-Tass.

Nach einem Urlaub sei der 55-jährige Anatoli Woronin in der Früh nicht zum Dienst erschienen. Sein Fahrer habe ihn daraufhin in der völlig verwüsteten Wohnung gefunden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus der Tass. Woronin arbeitete demnach seit 23 Jahren für die Nachrichtenagentur. "Das ist ein großer Verlust für Tass", sagte eine Redakteurin. Woronin habe sich immer dafür eingesetzt, dass die Journalisten ihre Arbeit hätten machen können.

Der stellvertretende Moskauer Staatsanwalt Alexei Grigorew geht nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti nicht davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit Woronins Arbeit bei Itar-Tass steht. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf persönliche Motive, sagte Grigorew.

Gut vier Wochen nach dem Mord am Vizechef der russischen Zentralbank nahmen die Ermittler unterdessen am Montag nach eigenen Angaben drei Personen fest. Weitere Angaben wollte eine Gerichtssprecherin mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, die Hintermänner der Tat seien identifiziert.

Der 41-jährige Andrej Koslow war am 13. September nach dem Besuch eines Fußballspiels angeschossen worden und wenig später seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei sprach bereits unmittelbar nach der Tat von einem Auftragsmord. Koslow war zuständig für die Reform der undurchsichtigen russischen Bankenbranche und hatte zuletzt zahlreiche kleine Institute schließen lassen, denen Geldwäsche vorgeworfen wird.

Die russische Wirtschaftszeitung "Kommersant" berichtete, drei Männer aus der Ukraine seien von einem bisher unbekannten Mittelsmann engagiert worden, um Koslow zu beschatten. Dann hätten sie ohne große Vorlaufzeit den Befehl erhalten, den Zentralbank-Vize und seinen Fahrer zu erschießen. Mindestens einer der Ukrainer habe sich jetzt aus Angst, selbst von den Hintermännern liquidiert zu werden, der Polizei gestellt, berichtete die Zeitung weiter. Es sei aber unklar, wer die Tat in Auftrag gegeben habe.

Zuvor war in Moskau der Manager einer Privatbank erschossen worden. Auch in diesem Fall geht die Staatsanwaltschaft von Auftragsmord aus. Darauf vergangener Woche war die prominente Journalistin Politkowskaja in ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Sie hatte unter anderem über Korruption in Russland sowie über Menschenrechtsverstöße in Tschetschenien berichtet und den russischen Präsidenten Wladimir Putin offen kritisiert. Ihre Ermordung löste in vielen Ländern Anteilnahme und Entsetzen aus.

(apa/red)