Wieder neue Massen-Entführung im Irak: Mitarbeiter von Rotem Halbmond gekidnappt

25 bis 30 Männer aus Büro in Bagdad verschleppt PLUS: Überraschender Kurzbesuch Blairs im Irak

Bewaffnete in Militäruniformen haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad bis zu dreißig Mitarbeiter des Roten Halbmonds und Sicherheitsmänner entführt. Die Entführer seien gewaltsam in ein Büro der Hilfsorganisation eingedrungen und hätten zunächst Frauen und Männer getrennt, sagte ein Sprecher des Roten Halbmonds. Dann hätten die Kidnapper zwischen 25 und 30 Männer in Autos mit zivilen Kennzeichen verschleppt.

Der Rote Halbmond arbeitet im Irak mit rund 1000 Angestellten und 200.000 Freiwilligen. Erst am Donnerstag waren dreißig Iraker in Bagdad verschleppt worden. In den vergangenen Wochen und Monaten war es immer wieder zu derartigen Massenentführungen gekommen. Unter den Verschleppten befindet sich der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Ex-General Ahmed al-Hijiya.

Bei einem Angriff auf eine US-Militärpatrouille sind nördlich von Bagdad drei amerikanische Soldaten getötet worden. Das teilten die US-Streitkräfte im Irak am Sonntag mit. In der Nähe ihres Fahrzeugs sei ein an der Straße versteckt gewesener Sprengsatz gezündet worden, der drei Soldaten getötet und einen weiteren verwundet habe. Die Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten stieg in diesem Monat damit auf 57. Seit der Invasion im März 2003 sind im Irak rund dreitausend US-amerikanische Militärangehörige ums Leben gekommen.

Am Samstag hatte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor einer "nationalen Versöhnungskonferenz" in Bagdad angekündigt, dass seine Regierung beim Aufbau der Armee auch auf frühere Offiziere des gestürzten Baath-Regimes von Ex-Diktator Saddam Hussein zurückgreifen wolle. Nach der US-Invasion hatte der amerikanische Verwalter Paul Bremer die von Sunniten befehligte irakische Armee kurzerhand aufgelöst. Die USA haben den Vorstoß zur Wiedereingliederung ehemaliger Militärangehöriger in die irakische Armee begrüßt. Washington sei "ermutigt" von Malikis Rede, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon Johndroe.

Der britische Premierminister Tony Blair ist bei einem überraschend Besuch in Bagdad mit Ministerpräsident Maliki zusammengetroffen. Mit seiner Reise will Blair nach Angaben eines Regierungssprechers in erster Linie seine Unterstützung in der "sehr schwierigen" Situation im Irak deutlich machen. Blair erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Maliki, Pläne zum Abzug britischer Soldaten seien voll mit der irakischen Regierung abgestimmt.

(apa/red)