Wieder Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Boot sank zwischen Libyen und Malta

27 Überlebende: Auf Käfige für Tunfischzucht gerettet Malta und Libyen verweigerten Eingreifen, Italien half

Dramatische Rettungsaktion auf dem Mittelmeer: Ein Schiff der italienischen Marine hat 27 Afrikaner an Bord genommen, die sich nach dem Untergang ihres Flüchtlingsbootes zunächst auf Käfige zur Tunfischzucht gerettet hatten. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, hatten sich die Afrikaner über 24 Stunden lang an die Käfige geklammert.

Die Rettung rund 60 Seemeilen vor der libyschen Küste habe sich zunächst fast über einen Tag hinausgezögert, weil sich Libyen und Malta über die Zuständigkeit gestritten hätten. Ungeklärt blieb allerdings, wie viele Menschen an Bord des untergegangen Flüchtlingsbootes waren und ob es Tote gab.

"Die Käfige zur Tunfischzucht wurden zur Rettung für die Schiffbrüchigen", wurden Rettungskräfte in den italienischen Medien zitiert. "Man könnte fast an ein Wunder denken". Die 27 Überlebenden seien alle Männer, stammten aus mehreren westafrikanischen Staaten und seien bei vergleichsweise guter Gesundheit, hieß es. Ihr Boot sei vor mehreren Tagen an der libyschen Küste gestartet, später habe es Probleme gegeben und das Boot sei voll Wasser gelaufen.

Bei den Käfigen handele es sich um große Behälter, die von einem Schlepper ständig durchs Meer gezogen werden. Die Mannschaft des Schleppers habe die Afrikaner entdeckt und Alarm gegeben. Sie habe die Schiffbrüchigen jedoch nicht aufnehmen wollen, hieß es. Erst nach einem stundenlangen, fruchtlosen diplomatischen Tauziehen zwischen Malta und Libyen habe sich die italienische Marine zum Einsatz entschlossen. Die Afrikaner seien in ein Auffanglager auf der süditalienischen Insel Lampedusa gebracht worden.

In Griechenland hat die Küstenwache vor der Ostägäisinsel Chios 44 illegale Einwanderer festgenommen. Sie waren an Bord eines Fischerbootes von der gegenüberliegenden türkischen Küste nahe der Hafenstadt Cesme gekommen. Als die Zuwanderer ein Patrouillenboot der griechischen Küstenwache sahen, versenkten sie ihr eigenes Boot, um die Beamten zu zwingen, sie aufzunehmen. Die Besatzung brachte sie in ein Aufnahmelager der Insel.

(apa/red)