Wieder Deutsche in Afghanistan entführt: Frau in Kabul von Bewaffneten verschleppt

Büroleiterin von Hilfsorganisation gekidnappt

In Afghanistan ist eine deutsche Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation entführt worden. Sie wurde nach Angaben des afghanischen Innenministeriums aus einem Schnellrestaurant in Kabul von Bewaffneten verschleppt. Ihr Mann musste die Entführung mit ansehen, wie ein Sprecher der Hilfsorganisation Ora International mitteilte. Demnach handelt es sich bei der Entführten um die 31-jährige Büroleiterin dieser Organisation in Kabul. Ein Taliban-Sprecher erklärte, die radikal- islamische Organisation habe die Deutsche nicht in ihrer Gewalt.

Die Frau sei sorgfältig auf ihren Einsatz vorbereitet worden und spreche die Landessprache Dari fließend, erklärte Ora-Sprecher Ulf Baumann in Lübeck. Sie stamme aus Süddeutschland und sei seit September 2006 in der afghanischen Hauptstadt. Ora International beschäftigt in Kabul nach eigenen Angaben ein Team von 20 Mitarbeitern, die sich vor allem um Gesundheitserziehung kümmern. Die Organisation betreibt weltweit in 30 Ländern Hilfsprojekte.

Baumann sagte, die 31-Jährige sei mit einem Deutschen verheiratet, der ebenfalls für die Organisation arbeite und bei der Entführung anwesend gewesen sei. Ein afghanischer Augenzeuge berichtete, der Mann habe aufgeregt "Polizei, Polizei" geschrien und dabei mit seinem Handy telefoniert.

Ein afghanischer Geheimdienstmitarbeiter erklärte, die Bewaffneten hätten vor dem Schnellrestaurant angehalten, ein Mann sei ausgestiegen und habe im Lokal eine Pizza bestellt. Zwei weitere Männer hätten vor dem Lokal gewartet, ein vierter sei in dem geparkten Wagen sitzen geblieben. Dann habe der Bewaffnete in dem Lokal eine Pistole gezogen, sei zu dem Tisch mit der Frau gegangen und habe sie mitgenommen.

Polizisten, die wegen der Entführung alarmiert worden waren, entdeckten das schnell fahrende Fluchtfahrzeug und eröffneten das Feuer. Sie verfehlten den dunkelgrauen Toyota aber und trafen stattdessen ein Taxi, dessen Fahrer getötet wurde.

Seit dem 18. Juli befindet sich bereits der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt in der Provinz Wardek in der Gewalt der Taliban. Sein gemeinsam mit ihm verschleppter Kollege Rüdiger Diedrich wurde von den Entführern erschossen.

(apa/red)