Wieder blutiger Anschlag nahe schiitischem Schrein im Irak: Mindestens 40 Todesopfer

Terror in Najaf: Dutzende Verletzte in der Pilgerstadt PLUS: Schreckliche Bilanz - Alleine im Juli 1.800 Tote

Terroristen haben am Donnerstag in der irakischen Pilgerstadt Najaf ein Blutbad angerichtet. Nach Angaben von Krankenhausärzten starben 41 Menschen, als ein Sprengsatz auf einem Markt vor der Imam-Ali-Moschee explodierte. Der Leiter der Gesundheitsbehörde der Stadt, Munthir al-Ithari, sprach von mehr als 35 Toten und 122 Verletzten. Unter den Opfern sind zahlreiche schiitische Pilger.

Augenzeugen berichteten, ein Selbstmordattentäter habe einen Sprengstoffgürtel und einen Sprengsatz gezündet, den er in einem Sack versteckt hatte, während Polizisten ihn nach Waffen abtasteten. Die Explosion ereignete sich etwa 200 Meter vom Schrein des Imam Ali entfernt. Dieser ist einer der wichtigsten Pilgerorte der Schiiten weltweit. Ali war der Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Bereits seit Jahrhunderten ist der Ort Ziel von Pilgern und wird von den weltweit 120 Millionen Schiiten verehrt.

Der Marktplatz war zum Zeitpunkt des Anschlags voller Menschen. Unter den Toten sind laut Ithari auch fünf Polizisten und eine Frau aus dem Iran. "Plötzlich flogen mein Karren, Dosen und Menschen durch die Luft", sagte ein Augenzeuge. Mediziner riefen die Menschen zu Blutspenden für die Opfer auf, als sich das Ausmaß der Tat abzeichnete. Fernsehbilder zeigten eine Kinderleiche, die vor einem Krankenhaus neben andere Tote gelegt wurde.

Die bisher kaum bekannte Gruppe "Jamaat Jund al-Sahaba" (Soldaten der Gefährten des Propheten) bekannte sich auf einer Internetseite zu dem Anschlag, der Schiiten gegolten habe. Die Echtheit der Erklärung ließ sich nicht feststellen.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte die Tat scharf und beschuldigte Anhänger des ehemaligen Machthabers Saddam Hussein als Drahtzieher. Ihr Ziel sei es, die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Land weiter zu verstärken. Auch die schiitische Organisation Hawsa warf sunnitischen Anhängern von Saddam Hussein vor, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

Najaf und die nahe gelegene Stadt Kut, in der sich ebenfalls bedeutende schiitische Heiligtümer befinden, wurden schon wiederholt zum Ziel von Anschlägen. Erst am 18. Juli sprengte sich ein Selbstmordattentäter gegenüber einer Moschee in Kut mit seinem Fahrzeug in die Luft und riss mehr als 50 Menschen mit in den Tod.

Eine zweite Bombe detonierte nach Angaben der Polizei in einem anderen Teil Najafs. Der Anschlag dort habe sich gegen einen US-Militärkonvoi gerichtet. Bei der Explosion wurde den Angaben zufolge niemand verletzt. Auch in anderen irakischen Städten kam es erneut zu Gewalttaten. In einem Restaurant im Süden Bagdads wurden nach Angaben des Innenministeriums durch eine Bombenexplosion sechs Menschen getötet. In Falluja wurde ein Polizist erschossen, in Mossul ein Zivilist. In Hawija südwestlich von Kirkuk kamen zwei Polizisten durch einen Sprengsatz an einer Straße ums Leben.

Extremisten haben am Donnerstag im Westirak acht irakische Soldaten getötet. Ein Mitarbeiter des Zivilschutzes in der Stadt Haditha erklärte, neben einem Konvoi der Armee seien westlich von Haditha zwei Sprengsätze detoniert. Fünf weitere Soldaten seien bei dem Anschlag zum Teil schwer verletzt worden.

Bei Razzien in Bagdad und östlich von Mossul nahmen US-Soldaten nach Armeeangaben vom Donnerstag zwei mutmaßliche lokale Al-Kaida-Anführer fest. Einer von ihnen soll eine Gruppe geleitet haben, die eine Explosion auf einem Markt vorbereitet habe, hieß es. Zuvor hatte das US-Militärkommando im Irak erklärt, US-amerikanische Soldaten hätten vier Männer gefangen genommen, die an der Entführung der Journalistin Jill Carroll beteiligt gewesen seien. Die US-Journalistin war am 7. Jänner in Bagdad entführt und nach 82 Tagen freigelassen worden.

(apa)