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Wie gut ist das iPhone X?

Wir haben uns das neue Spitzenmodell von Apple in der Praxis angesehen

Smartphones - Wie gut ist das iPhone X? © Bild: Getty Images

Der Andrang ist hoch, das iPhone X derzeit nur schwer erhältlich. Zur Freude von Apple ändert daran auch der hohe Preis nichts. Nach der großen Euphorie der Fans über den nächsten großen Schritt des Kult-Smartphones tauchen aber schon erste Probleme auf. Wie gut ist das iPhone X denn wirklich? Lohnt sich ein Kauf überhaupt? Wir haben uns das Gerät in der Praxis angesehen.

Es hat nicht lange gedauert, schon hagelt es Schelte für das iPhone X. Erste Nutzer klagen über Fehler des Displays, andere wiederum bemängeln, dass der Bildschirm unter einer gewissen Temperatur nicht mehr auf Eingaben reagiert oder die Lautsprecher knistern. Und sogar Stiftung Warentest kommt neben Kritik am Akku zu dem Urteil, dass es sich beim neuen Modell um "das zerbrechlichste iPhone aller Zeiten" handelt. Wir haben uns das iPhone X angesehen und beantworten die wichtigsten Fragen.

Was sind die Highlights des iPhone X?

Das neue Spitzenmodell von Apple sticht in erster Linie mit einem (nahezu) rahmenlosen Display aus der Masse hervor.

Nicht generell, aber für Apple neu ist auch die Gesichtserkennung, um den Zugang zum Gerät zu sichern. Wofür bislang Zahlen, Wischgesten und seit geraumer Zeit Fingerabdrücke notwendig waren, dafür soll jetzt ein Lächeln in die Kamera reichen.

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Auf unverändert hohem Referenzniveau bewegen sich die Kamerafunktionen des Geräts. Sie sind identisch mit jenen des iPhone 8 Plus und lassen die Konkurrenz - wie schon seit Jahren - ziemlich alt aussehen.

Wie unterscheidet sich das iPhone X von anderen iPhones?

Der neue Bildschirm ist das größte Unterscheidungsmerkmal von allen anderen Geräten. Von den Abmessungen und dem Gewicht her positioniert sich das iPhone X genau zwischen den älteren iPhone- und iPhone-Plus-Modellen. Gleichzeitig verfügt es aber über das größte Display aller iPhones (5,8 Zoll).

Da der (fast) rahmenlose Bildschirm die komplette Gerätefront einnimmt, ist die traditionelle Home-Taste und somit auch der Fingerabdrucksensor an der Unterseite weggefallen. In der Bedienung wird die Home-Taste durch Wischgesten ersetzt.

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Das Innenleben wurde freilich auch auf den aktuellsten Stand gebracht und ist leistungsstark genug, um das Highend-Display adäquat bespielen zu können. Die Inhalte werden auch in der Praxis flüssig und störungsfrei wiedergegeben. Technisch unterscheidet sich das iPhone X bis auf den Bildschirm nur vom iPhone 8 Plus nicht, selbst die Kamera ist die gleiche.

Beim iPhone 8 müssen dann Abstriche bei der Kamera in Kauf genommen werden. Je weiter man in der Hierarchie hinabsteigt, umso mehr Kompromisse muss man in Kauf nehmen

Welche Vorteile bringt der neue Bildschirm mit sich?

Die OLED-Technologie ermöglicht deutlich bessere Kontrastwerte, die Bilder und Videos in Kombination mit hoher Auflösung deutlich plastischer und somit realer erscheinen lassen.

Das (nahezu) rahmenlose Display hat einen weiteren Vorteil: Obwohl das Gerät hinsichtlich seiner Abmessungen genau zwischen herkömmlichem iPhone und iPhone Plus angesiedelt ist, hat es mit Abstand den größten Bildschirm aller iPhones.

Wie klingt das iPhone X?

Ein verborgenes Highlight sind die Lautsprecher des iPhone. An der Ober- und Unterseite verbaut haben sie deutlich mehr Power als Vorgängermodelle und knicken lediglich bei ganz hoher Lautstärke ein. Ein Knistern war im Test keines zu vernehmen, wie vereinzelt im Vorfeld berichtet worden war.

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Wer sich Inhalte über Kopfhörer anhören möchte, braucht im Idealfall kabellose Exemplare. Der klassische Klinkenanschluss musste der Bluetooth-Verbindung und nicht zuletzt der schmalen Bauweise des iPhone X weichen. Alternativ gibt es Lightning-Adapter mit Kopfhöreranschluss.

Wie lange hält der Akku?

Die Akkuleistung des iPhone X bietet keine großen Überraschungen verhält sich für ein Gerät dieser Bildschirmgröße und Auflösung normal. Das ist aber weit entfernt von beeindruckend, viele Geräte der Konkurrenz halten bei ähnlichen technischen Voraussetzungen länger durch, um mit dem Samsung Galaxy S8 nur ein prominentes Beispiel zu nennen.

Was heißt das in der Praxis? Bei minimaler Nutzung wird man in der Regel zwei Tage lang auskommen, ohne das iPhone an die Steckdose zu hängen. Bei moderater bis häufiger Nutzung ist allerdings von einem täglichen Boxenstopp am Abend auszugehen.

Erstmals lässt sich ein iPhone (X und 8) übrigens auch kabellos aufladen. Das erforderliche Zubehör ist hingegen nicht inkludiert und muss separat erworben werden.

Was fehlt dem iPhone X?

Zwei Bereiche stechen im Alltag sofort ins Auge, wenn es um Feature-Armut geht. Und beides findet unter der Berücksichtigung statt, dass Interessenten mindestens 1.149 Euro für ein iPhone abgeknöpft werden.

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Zum einen ist Apples Politik des verbauten Festspeichers auch nach einem Jahrzehnt noch ärgerlich. Die 64-GB-Version ist knapp bemessen, die 256-GB-Variante kostet nochmal 170 Euro mehr. Unverständlich, weshalb sich Apple immer noch gegen einen Slot für austauschbare Speicherkarten sträubt.

Zum anderen ist das iPhone X ein schickes Gerät, aber kein Zauberwerk. Und bei einer derart derben Preispolitik fehlt es dem iPhone X an Zubehör. Nämlich Zubehör, das beim Kaufpreis bereits inkludiert ist und dem Premium-Anspruch gerecht wird. Kabellose Kopfhörer zählen genauso dazu wie das Ladedock, mit dem sich das iPhone X kabellos aufladen lässt.

Gibt es Alternativen zum iPhone X?

Ja, und welche! Nachdem das iPhone X preislich aus dem Vollen schöpft, ist es nicht schwer Konkurrenten auf Augenhöhe zu finden. Und, Überraschung: Sie sind allesamt günstiger, obwohl die verbaute Technologie sehr ähnlich ist.

Fangen wir bei der hauseigenen Konkurrenz an: Das iPhone 8 Plus bietet bis auf den OLED-Bildschirm alle Features des iPhone X und ist mit einem Straßenpreis ab rund 750 Euro ganze 400 Euro billiger. Da gehen sich kabellose Kopfhörer und das Ladedock auch noch locker aus.

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Wer kein Problem mit Googles Betriebssystem Android hat, wird mit noch mehr Auswahl belohnt. Gleich fünf Modelle stehen dabei zur Auswahl, alle mit einem OLED-Bildschirm und ähnlich hoher Leistungsfähigkeit. Das Google Pixel 2 XL kommt preislich mit 1.049 Euro noch am nächsten, während Samsung mit dem Galaxy Note 8 und dem S8+ gleich zwei Smartphones im Portfolio hat. Das S8+ ist mit rund 650 Euro Straßenpreis der günstigste Konkurrent.

Ebenfalls in dieser Liga mitmischen kann das Huawei Mate 10 Pro sowie das LG V30. Beide Geräte sind zwischen 800 und 900 Euro im Handel erhältlich.

Für wen lohnt sich das iPhone X?

Einen vernünftigen Grund für das iPhone X gibt es nicht. Es gibt aber zwei andere Gründe: Man ist bedingungsloser Fan und hat sich über die Jahre gedanklich an die Eigentümlichkeiten und Produkte von Apple geschweißt. Und/Oder Geld spielt keine Rolle bei einem unverhältnismäßig hohen Kaufpreis für einen Luxusgegenstand. Der zwar gut ist, aber nicht überragend.

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Ist der Preis für das iPhone X gerechtfertigt?

Nein, absolut nicht. Wir haben an anderer Stelle mit Augenzwinkern bereits erörtert, was man sich statt des iPhone X alles leisten könnte. Darum geht es natürlich nicht. Aber Fakt ist: Mit einem Kaufpreis von mindestens 1.149 Euro ist das iPhone X - selbst oder gerade für das, was es kann - zu teuer.