Wie Gletscherspalten entstehen: Bei gestörtem Fluss reißt Eis bis 30 Meter tief auf

"Bei frischem Schnee sieht man die Spalten nicht"

Oft geht das Abenteuer Berg für Menschen schlecht aus - etwa wenn Wanderer und Bergsteiger in Gletscherspalten stürzen. Diese Öffnungen entstehen dort, wo das Eis in seinem Fluss gestört ist: "Es reißt auf, wo die Zerrspannung größer ist als die Möglichkeit des Eises, sich zu deformieren", erklärt der Grazer Experte Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geografie der Universität Graz im APA-Gespräch.

Gründe für einen gestörten Fluss können z.B. Felserhebungen unter dem Eis sein, das Gefälle des Untergrunds oder die Fließgeschwindigkeiten im Gletscher. Gletscherspalten können Tiefen bis zu 20 bis 30 Meter erreichen, so Kellerer-Pirklbauer. Vor allem im Sommer, aber auch in milden und niederschlagsarmen Wintern wie dem vergangenen stellen sie eine Gefahrenquelle dar: "Bei frischem Schnee sieht man die Spalten nicht, weil dieser die gefährlichen Bereiche verdeckt."

Ein bekanntes Beispiel für eine Gletscherspalte sei der Hufeisenbruch im Nationalpark Hohe Tauern, der nach seiner Form benannt wurde: "Weil er visuell sehr heraus sticht und somit für die Touristen ziemlich offensichtlich ist", erklärte der Grazer. Neben diesen Zugformen wie dem Hufeisenbruch gibt es am Gletscherende auch sogenannte Eiszerfallsformen wie z.B. auf der Pasterze.

"Man braucht keine Angst vor dem Gletscher zu haben", betonte Kellerer-Pirklbauer. "Aber man muss versuchen, seine Prinzipien zu verstehen. Es soll ja ein Erlebnis sein - aber am Gletscher anseilen und mit Steiger und Pickel ausgerüstet zu sein, ist immer eine gute Idee." (APA/red)