"Wettlauf zum Südpol"-Kandidat gelandet: Nach Erfrierungen ist Serdjukov zurück

Gut gelaunt, bärtig und mit etwas wirrem Haar Lob für Team: "Der Hermann Maier war sensationell"

Gut gelaunt, bärtig, mit etwas wirrem Haar sowie fast wieder hergestellten Fingern nach den Erfrierungen präsentierte sich der vierte österreichische Teilnehmer des ORF-"Wettlauf zum Südpol", Alex Serdjukov, im ORF Landesstudio Steiermark der Presse. Zwei der ersten Taten nach dem Begrüßen der Familie: das Vertilgen eines ganzen Backhendls mit Salat und Kernöl und ein Besuch bei seinen Schlittenhunden. "Da sind 16 Wuffln auf mir herumgehupft." Für seine Teamkollegen hatte Serdjukov nur Lob und gegen Ende des Pressegesprächs dachte der Steirer bereits wieder über ein polares Abenteuer nach.

Serdjukov berichtete von unglaublichen Strapazen und wie es zu den Erfrierungen an seinen Fingern kam, die letztendlich sein Ausscheiden erzwangen: "Passiert ist es beim Schneeschmelzen. Mit dem Messer habe ich Blöcke herausgeschnitten, sie dann mit dem Kocher geschmolzen, zwölf Liter in zwei Stunden. Dabei bin ich mit einem Handschuh in den Wasserdampf gekommen. Warum ich den dann nicht gewechselt habe, weiß ich selbst nicht". Vor dem Abmarsch wurde dann über die zwei Paar Handschuhe noch ein großer Überhandschuh gezogen, doch die Feuchtigkeit darunter sorgte für die Erfrierungen. Er habe dann nach kurzer Zeit gesagt: "Hermann, stopp, ich muss Handschuhe wechseln." Nach 35 Kilometern habe er im Zelt seiner Kollegin Sabrina Grillitsch seine Hände gezeigt, dann sei er zum Teamarzt.

"Sich eingestehen, dass man ausscheiden muss, war das Schwierigste, denn es bedeutete, das Team im Stich zu lassen. Sechs Hände müssen halt mehr arbeiten als acht." Das Team habe ihn aber super bei der Entscheidung, auszuscheiden, unterstützt: "Hör zu, das ist kein Spiel. Deine Finger sind wichtiger." Und irgendwann sei der Bub dann erwachsen geworden, schmunzelte Serdjukov.

Seinen Kollegen beim Wettlauf zum Südpol streute Serdjukov Eisblumen: "Der Hermann Maier war sensationell, ein unglaublich feinfühliger Mensch, wenn es z. B. darum ging, unsere Leistungsfähigkeit und Verfassung zu erspüren." Grillitsch habe wegen ihrer im Vergleich kürzeren Beine mehr gehen müssen, habe sich aber auf Skiern am schönsten und am schonendsten von allen bewegt. Und "Mikromann" Tom Walek sei ein guter Closer (der am Schluss Marschierende, Anm.) gewesen.

Er hat neun Kilo abgenommen
Abgenommen hätten alle, er selbst von 75 auf 66 Kilo. Aber: "Ich habe jetzt schon wieder vier Kilogramm zugelegt", lachte Serdjukov. Er sei auch froh, dass er mit einem Arctic truck zum Pol gekommen sei, um dort das Eintreffen der Teams zu erleben: "Das wäre sonst eine offene Rechnung mit dem Südpol gewesen." Ob er wieder arktische oder antarktische Pläne habe? "Dort unten haben wir uns gesagt, nie wieder", so Serdjukov. Allerdings, mit dem Abstand, kommt offenbar wieder so etwas wie Sehnsucht nach der eisigen Landschaft auf: "Es gibt ja zwei Pole. Wenn ich den Hermann in sechs Monaten anruf', dann bin ich mir sicher, dass er nicht Nein sagt."

Regisseur Heinz Leger kamen seine Erfahrungen aus der Mongolei beim Drehen in der Antarktis zugute. "Wir haben bei minus 35 Grad Celsius gedreht und großes Glück mit dem Wetter gehabt, zumeist strahlender Sonnenschein. Es sind bewegende Momente dabei, ich freue mich schon aufs Schneiden."

Dass er länger mit seiner Rückreise als das Team gebraucht habe, war dem schlechten Wetter geschuldet. Die Maschine konnte von der russischen Forschungsstation Nowolasarewskaja nicht in Richtung Kapstadt abheben. Vergangenen Donnerstagnachmittag startete dann die in der Antarktis verbliebene Crew - Serdjukov, die Deutschen Dennis Lehnert und Benjamin Syring sowie der Teamarzt und das restliche Filmproduktionsteam - über Südafrika zurück nach Europa.

(apa/red)