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Der wärmste Jänner seit Messbeginn

Warum es so warm ist wie noch nie und welche Rolle der Klimawandel spielt

Fakten - Der wärmste Jänner seit Messbeginn © Bild: © Corbis. All Rights Reserved.

Der Jänner 2016 ist weltweit der wärmste Jänner seit Messbeginn 1880. Es ist bereits der neunte Monat in Folge, der einen globalen Temperaturrekord aufstellt, wie die US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA) mitteilt. Der heurige Jänner liegt um 1,04 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Doch ist tatsächlich der Klimawandel schuld? Und wird es in den nächsten Jahren auch in Österreich noch wärmer?

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"Die Häufung von überdurchschnittlich warmen Monaten ist einerseits auf den Klimawandel zurückzuführen", sagt Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Andererseits sei das Jahr 2015 - sowie das beginnende Jahr 2016 - von einem starken El-Niño-Phänomen* im Pazifik geprägt gewesen, das zusätzlich zum globalen Temperaturanstieg beitrage. "Beide Phänomene ergeben ein hohes Temperaturniveau", teilt Orlik mit.

Wird es immer wärmer in Österreich?

In Österreich war der Jänner 2016 kein Rekordmonat, wie der Experte erklärt. Seit Messbeginn hat es schon mehrere wärmere Jänner gegeben. Ob ein Monat wärmer ist als der Durchschnitt, hängt laut Klimatologen auch davon ab, mit welcher Klimaperiode man die Messdaten vergleicht. So ist ab Mitte der 1980er Jahre eine beschleunigte Erwärmung zu erkennen. Die Klimaperiode von 1981 bis 2010 ist also eine relativ warme im Vergleich zur Periode von 1961 bis 1990.

Als Beispiel führt der Klimatologe den August 2014 an: Dieser Monat sei eher als kühl und regnerisch wahrgenommen worden - und tatsächlich war der August 2014 im Vergleich zur Periode von 1981 bis 2010 im Durchschnitt um 1,1 Grad kühler. Vergleicht man die Daten allerdings mit dem Zeitraum von 1961 bis 1990, so war der August 2014 im Durchschnitt um 0,1 Grad wärmer.

Fakt ist, die Temperaturen in Österreich steigen: "Betrachtet man die vergangenen Jahre in Österreich anhand der Jahreszeiten, ist es im Frühling, Sommer, Herbst und Winter immer wärmer geworden", sagt Orlik. Eine Trendumkehr in Richtung kühlere Temperaturen sei in Österreich und Mitteleuropa unwahrscheinlich - es wird eher noch wärmer. In den letzten drei bis vier Jahren sei kaum ein Monat unter dem klimatologischen Mittel von 1981 bis 2010 gewesen. Zuletzt war der Oktober 2015 um 0,1 Grad kälter als der Durchschnitt (1981-2010).

Dieses Wetter bringt die Zukunft

Auch global steigen die Temperaturen laut Meteorologen in Zukunft an. "Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist relativ hoch und wird so schnell nicht sinken", prognostiziert Orlik. Klimamodelle hätten berechnet, dass die Temperaturen weltweit in den nächsten 20 bis 30 Jahren sogar leicht ansteigen. Danach werde nochmals ein größerer Temperaturschub nach oben vorhergesagt.

In Österreich ist der durchschnittliche Temperaturanstieg seit Messbeginn übrigens rund doppelt so hoch wie global. Das hänge unter anderem mit regionalen Gegebenheiten wie der Luftdruckverteilung zusammen, wie der Klimatologe erklärt. Mehr Hochdruckgebiete sowie vermehrte Sonnenstunden seien für den Unterschied verantwortlich, ebenso wie der Klimawandel. Wobei nicht gänzlich erforscht sei, ob der erhöhte Luftdruck wiederum auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

* Das Klimaphänomen El Niño
Das Phänomen tritt in Zeitabschnitten von 2 bis 8 Jahren typischerweise zur Weihnachtszeit auf und beschreibt eine Anomalie der Strömungsverhältnisse im Pazifik. Dabei wird die normalerweise kräftig ausgeprägte Luftzirkulation in äquatorialen Breiten (Passatwinde) abgeschwächt. Da diese mit den Meeresströmungen gekoppelt ist, schwappen somit in El-Niño-Jahren die zuvor von Ost nach West getriebenen Wassermassen des Pazifiks von Indonesien wieder zurück nach Südamerika. So wird der übliche Wasserkreislauf rückläufig, der Auftrieb kalten Tiefenwassers vor der südamerikanischen Westküste bleibt aus. Aufgrund der veränderten Strömungsverhältnisse kommt es mitunter zu globalen Auswirkungen. So ist in El-Niño-Jahren beispielsweise in Peru mit außergewöhnlich heftigen Regenfällen zu rechnen. Im südostasiatischen Raum hingegen treten vermehrt Hitzewellen und länger andauernde Dürreperioden auf.

Kommentare

"Klimawandel" hast es immer schon gegeben.
Die römische Stadt Ephesos in der Türkei war vor 2.000 Jahren eine wichtige Hafenstadt. Heute liegt sie weit im Landesinneren, von einem Meer nichts zu sehen.

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