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2015 war es so warm wie noch nie

Warum dieses Jahr das global wärmste seit Messbeginn ist und ob es noch wärmer wird

Klimawandel © Bild: iStockphoto.com/BenGoode

Bis zu 15 Grad knapp vor Weihnachten - ist das normal? Gefühlsmäßig spielten die Temperaturen dieses Jahr verrückt. Im Sommer jagte eine Hitzewelle die andere, Spitzenwerte von über 38 Grad wurden gemessen und im Dezember geht es von den Temperaturen her wenig winterlich zu. "Für Dezember sind das außergewöhnlich hohe Temperaturen", sagt Meteorologe Josef Lukas vom österreichischen Wetterdienst "Ubimet".

Vor allem die Dauer sei ungewöhnlich, teilt Lukas mit. Es habe auch in den vergangenen Jahren im Dezember vereinzelt Tage mit Temperaturen um die 14 Grad gegeben, doch sei das nur kurzzeitig der Fall gewesen, beispielsweise aufgrund von Föhnwetter. Bis jetzt ist es jedoch schon den ganzen Dezember über gleichbleibend warm. Auf den Bergen sind die Werte heuer ebenfalls erstaunlich. Am Hahnenkamm (1712 Meter) in Kitzbühel sei am Sonntag ein Wert von rund 11 Grad gemessen worden, wie der Experte berichtet.

Keine weißen Weihnachten

Eine plötzliche Abkühlung ist nicht in Sicht. Von weißen Weihnachten kann man bei diesen Aussichten daher nur träumen. Am Heiligen Abend werden laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) Tageshöchstwerte von bis zu 10 Grad prognostiziert. In den Niederungen kann sich der Nebel oft noch länger halten, auf den Bergen ist es sonnig. Am Christtag klettern die Temperaturen tagsüber auf bis zu 11 Grad, es bleibt sonnig - vereinzelt können zähe Nebelfelder die sonnigen Aussichten trüben.

Warum es 2015 so warm war

Das global wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahre 1880 geht zu Ende. Neun von bisher elf Monaten haben neue Temperaturrekorde aufgestellt. Schuld daran ist laut Wetterdienst "Ubimet" unter anderem das Klimaphänomen El-Niño*.

Die ersten elf Monate liegen mit einer Abweichung von +0,87 Grad gegenüber dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts klar auf Rekordkurs, wie "Ubimet" in einer Aussendung mitteilt. Die bisherigen Spitzenreiter waren 2014 und 2010 mit Abweichungen von +0,74 beziehungsweise 0,70 Grad. "Um noch hinter diese beiden Jahre zurückzufallen, müsste der heurige Dezember weltweit um 0,80 Grad zu kalt ausfallen", sagt Lukas. "Die bisher kältesten Dezember waren 1910 und 1916, doch selbst damals lag die Abweichung bei nur -0,56 Grad."

Alle Monate in diesem Jahr fielen um mindestens 0,7 Grad zu warm aus, mit Ausnahme von Jänner und April wurde sogar in jedem Monat die bisherige Bestmarke übertroffen. Aber auch jene beiden Monate, in denen keine neuen Rekorde aufgestellt wurden, rangieren laut Wetterdienst auf den Plätzen 2 beziehungsweise 3 und sind somit weit oben in der ewigen Bestenliste. "In Österreich wird 2015 nach derzeitigem Stand allerdings nicht das wärmste Jahr seit Messbeginn, hier liegt 2014 nahezu uneinholbar auf Platz eins", erklärt der Meteorologe.

Eine Hauptursache für die weltweit hohen Temperaturen ist El Niño. "Derzeit findet im Pazifik eines der stärksten El-Niño-Ereignisse der Geschichte statt, die Auswirkungen sind global zu beobachten", sagt Lukas. So sei der äquatornahe Pazifik momentan um mehr als 2 Grad zu warm. Diese Wärme habe sich in den vergangenen Jahren im Ozean angesammelt und werde nun an die Luft abgegeben. Die Folge ist ein globaler Anstieg der Temperaturen. Das letzte derart ausgeprägte El-Niño-Ereignis gab es im Jahre 1997. Der Klimawandel kann dabei eine Rolle spielen, teilt der Experte mit. Dass 2015 ein Jahr der Temperaturrekorde war, sei aber nicht hauptsächlich auf den Klimawandel zurückzuführen.

Wird es immer wärmer?

Fakt ist: Aus meteorologischer Sicht ist seit 1980 ein signifikanter Anstieg der Temperaturen zu beobachten. Den meteorologischen Berechnungen der ZAMG zufolge ist die Temperatur von Mitte der 1970er Jahre bis 2014 um rund 1,8 Grad gestiegen - im Tiefland wie in den Gipfelregionen. Die Treibhausgas-Emissionen sehen Experten als eine der Hauptursachen für die Erwärmung in Österreich an.

Es ist davon auszugehen, dass auch in den kommenden Jahren der Temperaturanstieg nicht aufhören wird. Auch 2016 kann es Hitzewellen geben, sagt Meteorologe Josef Lukas vorher. Ob es ähnlich heiß wird wie 2015, bleibt abzuwarten. Doch wird prognostiziert, dass künftig die heißen Perioden zunehmen werden - auch in Österreich. "Hitzetage gibt es 2016 mit Sicherheit", sagt Lukas.

* Das Klimaphänomen El-Niño

Das Phänomen tritt in Zeitabschnitten von 2 bis 8 Jahren typischerweise zur Weihnachtszeit auf und beschreibt eine Anomalie der Strömungsverhältnisse im Pazifik. Dabei wird die normalerweise kräftig ausgeprägte Luftzirkulation in äquatorialen Breiten (Passatwinde) abgeschwächt. Da diese mit den Meeresströmungen gekoppelt ist, schwappen somit in El-Niño-Jahren die zuvor von Ost nach West getriebenen Wassermassen des Pazifiks von Indonesien wieder zurück nach Südamerika. So wird der übliche Wasserkreislauf rückläufig, der Auftrieb kalten Tiefenwassers vor der südamerikanischen Westküste bleibt aus. Aufgrund der veränderten Strömungsverhältnisse kommt es mitunter zu globalen Auswirkungen. So ist in El-Niño-Jahren beispielsweise in Peru mit außergewöhnlich heftigen Regenfällen zu rechnen. Im südostasiatischen Raum hingegen treten vermehrt Hitzewellen und länger andauernde Dürreperioden auf.

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