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Zugriff im Zillertal

Fußball © Bild: GEPA pictures

Verdacht auf Spielmanipulation bei Testspielen in Österreich: Kriminalisten führten bei einer albanischen Profimannschaft Hausdurchsuchungen durch.

Die Augen der Fußballfans sind seit Wochen auf die EM in Frankreich gerichtet, die am 10. Juli ins Finale geht. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit spulen zahlreiche Profiklubs aber bereits ihr Vorbereitungsprogramm für den nahenden Meisterschaftsstart ab: Wenn überhaupt, dann verirren sich ein paar Hundert Interessierte zu den Testspielen österreichischer Mannschaften gegen internationale Vereine, die ebenfalls gern in der Alpenregion Quartier beziehen. Das Zillertal beispielsweise beherbergte den albanischen Klub Teuta Durrës, der aus rot-weiß-roter Sicht einen höchst dankbaren Gegner abgab: Im freundschaftlichen Vergleich mit Ried gaben sich die Albaner 0:1 geschlagen, im Match gegen Austria Wien gingen die Trainingsgäste am 21. Juni im Tiroler Seeboden gar 2:7 unter.

Doch die vermeintlich harmlosen Begegnungen hatten ein Nachspiel: Vier Tage nach der auffällig hohen Niederlage gegen die Wiener Austria führten Fahnder des Bundeskriminalamts im Teamhotel der albanischen Kicker in Mayrhofen Hausdurchsuchungen durch. Teuta Durrës steht im dringenden Verdacht, Spiele manipuliert und an die Wettmafia verkauft zu haben. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Salzburg befragten die Kriminalisten Spieler, Trainer und Funktionäre, stellten Mobiltelefone und schriftliche Aufzeichnungen sicher, die Hinweise auf mögliche Kontakte zur Wettmafia liefern könnten; die Daten werden derzeit in der Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität ausgewertet. Dort wurde bereits vor Jahren ein eigenes Referat zur Bekämpfung des Sport- und Wettbetrugs eingerichtet, das von Franz Schwarzenbacher geleitet wird. Der erfahrene Kriminalist betont, dass die österreichischen Klubs nicht in die mutmaßlichen Manipulationen involviert waren, und lobt die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Stellen wie Europol, die mittlerweile reibungslos funktioniere.

Die österreichischen Fahnder hatten sich bereits bei der Aufarbeitung des großen Wettskandals rund um den ehemaligen Teamstürmer Sanel Kuljic Meriten erworben. Ende des Jahres 2013 wurde offenbar, dass K uljic und zwei ebenfalls zu mehr jährigen Haftstrafen verurteilte Hintermänner aus Albanien über Jahre hinweg Spiele der österreichischen Liga manipuliert und zugunsten der Wettmafia verschoben hatten. Albanien gilt laut Insidern als Dreh- und Angelpunkt des Sportbetrugs: Erst vor wenigen Tagen wurde Meister Skënderbeu Korçe wegen verbotener Spielabsprachen von der Teilnahme an der Champions League ausgeschlossen.

Im aktuellen Fall rund um Teuta Durrës lohnte sich der Doppelpass des Bundeskriminalamts mit den Observatoren der Schweizer Firma Sportradar, die auffällige Wettbewegungen rund um die Partie gegen Ried wahrgenommen hatten, weshalb auch das Match gegen Austria in den Fokus der Ermittler rückte; die Tatverdächtigen wurden wegen Sportbetrugs auf freiem Fuß angezeigt.

500 Milliarden sind im Spiel

Übrigens: Eine Untersuchung der Universität Sorbonne ergab, dass mit Sportwetten weltweit jährlich rund 500 Milliarden Euro umgesetzt werden – rund 80 Prozent davon auf dem illegalen Markt. Österreich zählt bei der Bekämpfung des Wettbetrugs zu den Vorreitern: Das Bundeskriminalamt hat in Abstimmung mit dem Verein Play Fair Code eine nationale Koordinationsstelle eingerichtet, die diese Art von Foulspiel im Sport stoppen soll. Die Europaratskonvention wurde am 2. Juni von Sportminister Doskozil unterzeichnet.

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