Westenthaler bleibt bei seiner Geschichte:
Fröhlicher Abend statt oranger Prügelaffäre

Früherer Leibwächter belastet BZÖ-Chef schwer Keine Erinnerung an Polizeieinsatz in diesem Lokal

Westenthaler bleibt bei seiner Geschichte:
Fröhlicher Abend statt oranger Prügelaffäre © Bild: Reuters/Loebell

BZÖ-Obmann Peter Westenthaler hat in seinem Prozess wegen falscher Zeugenaussage seine Schuldlosigkeit beteuert. Er blieb bei seinen bisherigen Angaben, von der sogenannten orangen Prügel-Affäre - sein Leibwächter war am Abend nach den letzten Nationalratswahlen auf den Sprecher der ehemaligen Justizministerin Karin Gastinger losgegangen - nichts mitbekommen zu haben. Er habe einen "fröhlichen, unspektakulären Abend" verbracht.

Westenthaler räumte jedoch ein, infolge "verschiedenster Einflüsse" beeinträchtigt gewesen zu sein. So habe er nicht bemerkt, dass in der Nacht auf den 2. Oktober 2006 Polizeibeamte im bzw. vor jenem Lokal in Wien-Alsergrund in Erscheinung traten, in dem zuvor der damalige Gastinger-Sprecher Christoph Pöchinger Schläge bezogen hatte. Westenthaler führte das "wahrscheinlich auf das eine oder andere Glaserl G'spritzten" zurück, das er im Verlauf des Abends zu konsumieren gezwungen gewesen sei.

"Ich bin generell dafür bekannt, nichts zu trinken", erläuterte der BZÖ-Chef im Wiener Straflandesgericht. Nach der geschlagenen Wahl und dem geschafften Einzug ins Parlament habe "jeder mit einem anstoßen" wollen: "Ich muss rekonstruktiv zugeben, dass ich den ganzen Abend angestoßen habe. Wahrscheinlich war eine Beeinträchtigung gegeben." Wie viel Alkohol er insgesamt zu sich genommen habe, sei "schwer rekonstruierbar".

"Es gab keine Auseinandersetzung"
Er habe im Verfahren gegen seinen früheren Leibwächter wahrheitsgemäß ausgesagt, bekräftigte Westenthaler: "Ich bin mir nicht bewusst, irgendetwas Falsches gesagt zu haben. Es war ruhig, es gab keine Auseinandersetzung."

Bodyguard verurteilt
Sein einstiger Bodyguard war im März 2007 wegen Körperverletzung zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt worden, weil er den ehemaligen Gastinger-Sprecher höchst unsanft aus dem Keller-Lokal befördert hatte. In weiterer Folge wurden Westenthaler und BZÖ-Sprecher Lukas Brucker wegen Falschaussage von der Staatsanwaltschaft Wien zur Anklage gebracht: Entgegen zahlreicher anderer Augenzeugen hatten sie im Verfahren gegen den Leibwächter im Zeugenstand angegeben, weder einen Tumult noch Handgreiflichkeiten mitbekommen zu haben.

Brucker beteuert Unschuld
Auch der mitangeklagte Parteisprecher bekannte sich nun vor Richter Peter Liebetreu "nicht schuldig". Brucker, der ursprünglich die Stimmung im nur 30 Quadratmeter großen Lokal ausschließlich als "sehr positiv" beschrieben hatte, schränkte jetzt aber ein, er habe möglicherweise nicht alles mitbekommen, weil er sich zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung auf der Toilette befunden habe.

Leibwächter belastet Westenthaler
Siegfried Kobal, bis zum Sommer 2007 Westenthalers Leibwächter, belastete im Zeugenstand den BZÖ-Chef. Westenthaler sei "verärgert" gewesen, als er Pöchinger in dem kleinen Kellerlokal erblickte. Zwischen beiden hätte es eine "kurze Diskussion" gegeben, dann habe Westenthaler - angeregt von BZÖ-Klubobmann Herbert Scheibner - von ihm, Kobal, und einem zweiten Bodyguard verlangt: "Schmeißt's den Pöchinger raus! Geh, könnt's den net rausschmeißen?"

Auf die Frage, warum er bisher anders ausgesagt hatte, erwiderte der Leibwächter: "Das ist relativ leicht zu beantworten. Der Herr Westenthaler war mein Auftraggeber, und ich wollte ihn schützen."

Übrigens soll auch Peter Westenthalers Ehefrau am Wahlabend 2006 erbost gewesen sein. Nachdem der Gastinger-Sprecher aus dem Lokal entfernt worden war, hatte sich das Ehepaar Westenthaler auf die Straße begeben, wo eine Unbekannte offenbar dem BZÖ-Chef zu nahe kam. Pöchinger zufolge soll Westenthalers Frau darauf gerufen haben: "Nimm die Finger von meinem Mann! Das ist mein Mann! Sonst gibt es die nächste Schlägerei!"

Die Verhandlung wurde zur Ladung weiterer Zeugen vertagt und wird Ende Juli fortgesetzt. (apa/red)