Westenthaler über den Ex-Parteifreund: Strache hat "FPÖ mit Haut & Haar verkauft"

"Vereinnahmung" der Blauen verhinderte 3er-Pakt Vilimsky: Peinliche und naive Rundumschläge

BZÖ-Chef Peter Westenthaler hat im Gespräch mit der APA scharfe Attacken gegen die einstigen Mitstreiter von der FPÖ geritten. Er beschuldigte den blauen Parteiobmann Heinz-Christian Strache, "die FPÖ mit Haut und Haaren an die SPÖ verkauft" zu haben. Die Sozialdemokraten hätten durch die "Vereinnahmung" der Freiheitlichen eine schwarz-blau-orange Regierung verhindert. Westenthaler zeigte sich überzeugt, dass SPÖ und ÖVP die große Koalition zu Stande bringen und diese auch vier Jahre im Amt bleibt.

Es gebe in der ÖVP und in der FPÖ "maßgebliche Kräfte", die "kein sozialistisches Österreich wollen" und über eine schwarz-blau-orange Regierung nachgedacht hätten. Namen wollte Westenthaler nicht nennen, weil er den Betroffenen nicht schaden wolle. Konkrete Gespräche zu einer Regierungsbildung habe es allerdings "zu keinem Zeitpunkt" gegeben.

Scheitern der Dreier-Koalition Schuld der FPÖ
Dass keine ÖVP-FPÖ-BZÖ-Koalition gebildet werden konnte, sei "in erster Linie" Schuld der FPÖ gewesen, weil diese der SPÖ "auf den Leim gegangen" sei. In zweiter Linie sei die ÖVP schuld, weil sie "Juniorpartner einer sozialistischen Regierung wird". Die Option einer "Regierung rechts der Mitte" habe es nie gegeben, "weil klar war, dass die FPÖ ferngesteuert wird von der SPÖ", so Westenthaler. Sein Eindruck sei jedenfalls, dass viele in der FPÖ den "jetzigen Weg nicht gutheißen".

Schwarz-blau-orange kein Thema mehr
Heute sei eine schwarz-blau-orange Regierung kein Thema mehr. Gerüchte, wonach ÖVP und BZÖ einen Parlamentsklub bilden könnten, um so doch noch eine schwarz-blau-orange Koalition zu schaffen, bezeichnete Westenthaler als "völlig absurd".

"Kommen ja aus einer Familie"
Westenthaler erklärte trotz der Unstimmigkeiten mit der FPÖ, Kontakte zu den Blauen zu pflegen: "Wir kennen uns. Wir kommen ja aus einer Familie." Eine Wiedervereinigung sei "aus heutiger Sicht" aber "vom Tisch", denn die FPÖ sei zur "fünften Kolonne der SPÖ geworden" und man sei nicht daran interessiert, "mit einer Partei zusammenzufließen, die nichts anderes ist, als eine sozialistische Partei". An der freiheitlichen Basis gibt es seiner Meinung nach jedenfalls "eine Sehnsucht nach einer Wiedervereinigung".

Als zweiten Grund gegen eine blau-orange Re-Union führte Westenthaler den "geplanten Zusammenschluss rechtsextremistischer und neonazistischer Bewegungen" auf EU-Ebene an. Für das BZÖ gebe es mit "Le Pen und Co" keine Zusammenarbeit. Er würde sich mit keiner Partei "zusammentun, die gemeinsame Sache mit dem europäischen Rechtsextremismus macht", so Westenthaler.

Westenthaler glaubt an Große Koalition
Der BZÖ-Chef zeigte sich "sicher", dass sich SPÖ und ÖVP auf eine Koalition einigen und diese auch die gesamte Legislaturperiode hält. "Wenn Rot und Schwarz an die Macht gelassen werden, lassen sie nicht mehr so schnell los." Er warf beiden Großparteien vor, einen "flächendeckenden Wählerverrat" zu begehen und bei Grundsicherung, Eurofightern und Studiengebühren umgefallen zu sein: "Sie sinken in einander."

Vilimsky: "Orange Verrätertruppe"
Der Konflikt zwischen den verfeindeten freiheitlichen Lagern FPÖ und BZÖ wird auch im neuen Jahr gepflegt. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky wies die Aussagen von Westenthaler zurück. Es handle sich nur um peinliche und naive Rundumschläge von Wahlverlierer Westenthaler, so Vilimsky in einer Aussendung am Sonntag.

Der FPÖ-Generalsekretär bezeichnete das BZÖ als "orange Verrätergruppe". Nach dem "perfiden ÖVP-BZÖ-Plan zur Vernichtung der FPÖ" werde es auch "menschlich nicht möglich sein, jemals wieder gemeinsame Sache mit diesen Herrschaften zu machen", kritisiert Vilimsky.

(apa)