Planänderung von

Die Westbahn heizt den
Wettbewerb mit den ÖBB an

Bahn macht bald auch am Wiener Hauptbahnhof Halt

Westbahn © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Die private Westbahn rüstet gegen die staatlichen Bundesbahnen auf, erweitert ihre Flotte, stellt 150 neue Mitarbeiter ein und baut die Verbindungen nach Wien aus. 2016 schaffte sie es zudem, erstmals einen Gewinn einzufahren.

Simmering gegen Kapfenberg: Das ist Brutalität - so hieß es einst bei Österreichs legendärem Kabarett-Urgestein Helmut Qualtinger. Auf heutige Zeiten umgemünzt, müsste es allerdings lauten: Der Wettbewerb Westbahn gegen ÖBB, der ist noch brutaler. Schon jetzt liefern sich die beiden Bahnunternehmen einen harten Kampf um die Kunden auf der attraktiven Strecke zwischen Wien und Salzburg - und künftig wird der noch härter ausfallen.

Neue Kampfansage

Denn wie heute, Freitag, offiziell bei einer Pressefahrt der privaten Westbahn unter Beisein der beiden Haupteigentümer, Hans Peter Haselsteiner und Erhard Grossnigg, bekanntgegeben wird, weitet diese ihre Tätigkeit deutlich aus. Sie wird statt wie bisher mit sieben noch heuer mit 17 Zügen zwischen Wien und Salzburg unterwegs sein und ihre Frequenzen entsprechend verstärken. Ab dem Winterfahrplan wird nicht nur zwischen Salzburg und Wien Westbahnhof gefahren, sondern parallel auch zum Wiener Hauptbahnhof. Derzeit bedient die Westbahn die Verbindung zwischen den beiden Städten im Schnitt 32 Mal täglich hin und retour.

"Die ÖBB führen ja ihren kompletten Fernverkehr seit rund eineinhalb Jahren über den Wiener Hauptbahnhof, und wir müssen reagieren, um ihnen dieses Geschäft nicht einfach so zu überlassen“, sagt Westbahn-Haupteigentümer Hans Peter Haselsteiner gegenüber News. Der Westbahnhof, wo die Westbahn auch ihre Zentrale hat, liegt für Wiener Eisenbahnpassagiere günstig. Fahrgäste, die aus dem Osten oder dem Süden nach Wien kommen, nehmen aber oft die Verbindung über den Hauptbahnhof bzw. den Zwischenhalt Meidling - und damit die ÖBB. Für die Privatbahn, die nach wie vor hohe Anlaufverluste in ihren Büchern stehen hat und 2015 operativ erstmals positiv - bilanziell aber noch negativ - gewirtschaftet hat, ist es somit essenziell, auch diese Passagiere mitzunehmen. Ob die Westbahn in Zukunft so wie der Platzhirsch ÖBB auch bis zum Flughafen Wien-Schwechat fahren wird, ist vorerst kein Thema. Am Flughafen hätte man jedenfalls nichts dagegen: "Wir sind über jede Verbesserung der öffentlichen Anbindung froh“, kommentiert ein Flughafensprecher.

Finanzstarke Investoren

"Wir werden künftig jede Stunde einmal vom Westbahnhof und einmal vom Hauptbahnhof nach Salzburg fahren, also alternierend jede halbe Stunde“, präzisiert Haselsteiner die Pläne der Westbahn. Er geht davon aus, dass es dann "noch mehr Wettbewerb geben“ wird: "Für die Kunden wird das natürlich ein Vorteil sein.“

Haselsteiner hat gemeinsam mit seinen Investorenpartnern rund 180 Millionen Euro in die neuen Zuggarnituren gesteckt. Neben Haselsteiner, der vor allem als Miteigentümer des Baukonzerns Strabag bekannt ist und über seine Familienstiftung 49,9 Prozent an der Westbahn hält, sind das der Industrielle Erhard Grossnigg (u. a. Bene, Augarten, Gaulhofer, Dachstein, Semper Constantia Privatbank, Anm.) mit 32,7 Prozent sowie die französischen Staatsbahnen SNCF mit 17,4 Prozent. Für Letztere ist Österreich ein interessanter Testmarkt - und daran soll sich auch nichts ändern. Bei den Eigentumsverhältnissen der Westbahn seien "keine Änderungen geplant“, versichert Haselsteiner.

Die neuen Zuggarnituren namens Kiss 2 stammen vom Schweizer Hersteller Stadler und sollen - unter anderem mit einem neuen Café, aufgewerteter Business Class und optimierten Wifi-Lösungen - laut Grossnigg "eine weitere Verbesserung“ für die Fahrgäste bringen.

»Da ist sicher noch Luft nach oben«

Mit der wirtschaftlichen Performance zeigen sich Haselsteiner und Grossnigg einigermaßen zufrieden, auch wenn in der Bilanz weiter hohe Verluste, basierend auf den Anfangsinvestitionen, aufscheinen: In den Zahlen zu 2015 (den letzten beglaubigten, Anm.) scheint unterm Strich immerhin ein Minus von knapp 68 Millionen Euro auf. Jetzt kommen auch noch die Investitionen für die Zugaufstockung dazu. "Da ist sicher noch Luft nach oben, es geht aber zumindest in die richtige Richtung“, sagt Haselsteiner: "Am wichtigsten ist es, dass wir unsere Abschreibungen verdienen können - das ist das vorrangige Ziel.“

Erstes positives Ergebnis

Nachdem 2015 im operativen Betrieb erstmals schwarze Zahlen geschrieben wurden, gab es 2016 "zum ersten Mal auch ein positives Ergebnis“, verrät Miteigentümer Grossnigg. Laut der noch nicht veröffentlichten Bilanz für das Vorjahr stieg der Westbahn-Umsatz demnach 2016 von 51 Millionen auf 57 Millionen Euro. Abschreibungen und Zinsen in Höhe von sechs Millionen Euro konnten verdient werden; das Ergebnis betrug knapp eine Millionen Euro. Bis die bisher angefallenen Verluste abgetragen werden können, werde es aber sicher länger dauern, sind sich die zwei Haupteigentümer einig. Grossnigg: "Es handelt sich aber um ein langfristiges Investment - und wir sind zuversichtlich, dass es am Ende erfolgreich sein wird.“

Mit dem Ausbau der Flotte von zehn auf 17 Züge wird es auch zur Aufstockung des Personals kommen - und zwar um rund 150 Mitarbeiter. Derzeit hat die Westbahn rund 280 Mitarbeiter, worin allerdings bereits 50 neue Triebwagenführer mitgerechnet sind, die sich gerade in Ausbildung befinden. Dazu kommen noch rund 100 Zugbegleiterinnen und Stewards, die erst aufgenommen und ebenfalls die interne Ausbildung durchlaufen werden.

Auf der in der Branche als "Rennstrecke“ bezeichneten Verbindung zwischen Wien und Salzburg matchen sich Westbahn und ÖBB mit Sonderangeboten: Die Bundesbahnen setzen vor allem auf ihre Sparschiene, die seit Kurzem bis eine Minute vor Abfahrt gebucht werden kann und heuer um 20 Prozent ausgebaut wird, sowie jetzt im Frühling auf Paketangebote inklusive Übernachtung. Die Westbahn kontert mit "Spartagen“ und "Superpreisen“ sowie temporären Aktionen wie den Westregio-Tiefpreistickets für bestimmte Strecken. In der Westbahn können die Tickets für alle Strecken auch direkt im Zug gekauft werden, zudem beginnt der Seniorentarif mit 60 Jahren im Gegensatz zu den ÖBB mit 62 Jahren.

Neu ist auch, dass die Westbahn jetzt erstmals einen Sonderzug in den Süden Österreichs führt - und zwar zum ÖFB-Cupfinale zwischen Red Bull Salzburg und Rapid Wien am 1. Juni in Klagenfurt. "Das findet im Rahmen unserer Kooperation mit Rapid statt“, sagt die Sprecherin von Westbahn-Chef Erich Forster. Inwieweit künftig mit den erweiterten Zugskapazitäten auch noch andere Sonderzüge verstärkt geführt werden, ist noch offen. Immerhin muss für jeden Sonderzug einzeln um eine eigene Trasse angesucht werden; zudem sind die Sonderzüge in der Regel langsamer unterwegs, weil reguläre Züge im Verkehrsfluss bevorzugt werden.

Streitpunkt Direktvergabe

Der Kampf um Fahrgäste ist indes nicht der einzige Schauplatz, an dem es zu Auseinandersetzungen zwischen der Staats- und der Privatbahn kommt: Seit ihrem Start im Dezember 2011 hat die Westbahn eine Reihe von Prozessen geführt, weil sie sich gegenüber den ÖBB im Wettbewerb diskriminiert gefühlt hat.

Zwar ist man mittlerweile um eine Verbesserung des Gesprächsklimas bemüht, ein aktueller Streitpunkt ist jedoch die sogenannte Direktvergabe von Strecken durch die Bundesländer bzw. Verkehrsverbünde. Westbahn-Chef Forster fordert die Ausschreibung dieser Verkehrsleistungen und ist überzeugt, diese günstiger als die ÖBB anbieten und so dem Steuerzahler Geld ersparen zu können. Beim Vorarlberger Nahverkehr, der den ÖBB rund 400 Millionen Euro bringt, wären das laut Westbahn 25 Millionen Euro. Die Vergabe auf zehn Jahre wurde zwar bereits 2016 grundsätzlich geregelt, dennoch hat die Westbahn ein günstigeres Angebot abgegeben, das bis Juni 2017 befristet ist. Eine nachträgliche Entscheidung zugunsten der Westbahn ist aber mehr als unwahrscheinlich. Haselsteiner und Grossnigg machen sich da keine Illusionen - auch eine neue Regierung werde in Sachen Direktvergabe wohl wenig ändern. Weitere Liberalisierungsschritte würden wohl nur auf Druck der EU geschehen; man gebe die Hoffnung aber nicht auf.

Match um die Trassen

Seitens der ÖBB, die sich weiter für die Direktvergabe stark macht, gibt man sich angesichts des Aufrüstens der Westbahn indes betont gelassen: "Wir begrüßen jede Konkurrenz, weil Wettbewerb das Angebot fördert, und davon profitieren die Kunden“, sagt der Sprecher von ÖBB-Chef Andreas Matthä. Zu konkreten Trassenbestellungen, die bis Mitte April eingereicht wurden, will man sich jedoch nicht äußern; eine endgültige Entscheidung der zuständigen ÖBB Infrastruktur AG darüber werde nämlich erst im Juli getroffen.

Die Sprecherin von SPÖ-Infratrukturminister Jörg Leichtfried erklärt, der Infrastrukturbetreiber habe die beantragten Trassen streng vertraulich zu behandeln: "Sollte es Trassenbestellungen geben, die im Konflikt miteinander stehen, muss der Infrastrukturbetreiber ein Trassenkoordinierungsverfahren unter Aufsicht der Schienen-Control durchführen, um Fairness für alle zu gewährleisten.“

Kommentare

Oliver-Berg

Der Wettbewerb auf der Westbahnstrecke sollte bitte auch auf die Südbahnstrecke ausgedehnt werden. Da ist die ÖBB zum Teil noch mangels Wettbewerb deutlich weniger serviceorientiert unterwegs.

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