"Wertschätzung und tiefer Respekt" vor Islam: Papst bemüht sich um Streitbeilegung

Papst: Christen und Muslime müssen Gewalt ablehnen Positive Reaktionen moslemischer Repräsentanten

Bei einem Treffen mit Repräsentanten islamischer Staaten hat Papst Benedikt XVI. an Christen und Muslime appelliert, jede Form von Gewalt abzulehnen. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gab bei der Begegnung in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo seiner "Wertschätzung und dem tiefem Respekt" vor Angehörigen des islamischen Glaubens Ausdruck. Das Treffen mit den Vertretern aus 22 islamischen Ländern und den Vorsitzenden der Moslem-Gemeinden Italiens war einberufen werden, um die Wogen im Streit um die umstrittenen Äußerungen des Papstes zum Islam zu glätten.

Ohne das historische Zitat, das er in Regensburg genannt hatte, direkt zu erwähnen, erklärte der Papst, der Hintergrund der Gespräche, die offenbar in einer freundlichen Atmosphäre stattfanden, sei "gut bekannt." Er sprach sich für einen umfassenderen Dialog zwischen den Religionen aus. "Christen und Muslime müssen lernen zusammenzuarbeiten, um sich gegen jede Form der Intoleranz zu wappnen und sich jeglicher Demonstration von Gewalt zu widersetzen", sagte Benedikt in einem mit Fresken verzierten Saal von Castelgandolfo. "Aufrichtig bete ich dafür, dass die Beziehung des Vertrauens, die sich über die Jahre zwischen Muslimen und Christen entwickelt hat, nicht nur erhalten bleibt, sondern sich in einem Geist eines ehrlichen und respektvollen Dialogs vertieft."

Während seines Deutschland-Besuchs Mitte September hatte Benedikt in einer Vorlesung in Regensburg einen byzantinischen Kaiser und Gelehrten aus dem Mittelalter mit den Worten zitiert: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." In der muslimischen Welt hatte die Zitierung der Worte des Kaisers Manuel II. Palaiologos durch das katholische Kirchenoberhaupt massive Proteste ausgelöst.

Papst ruft zum Dialog auf
Er hoffe auf "Brücken der Freundschaft" zwischen Christen und Muslimen, erklärte Benedikt in einer etwa fünfminütigen Rede, die er auf Französisch hielt. Darin rief er beide Seiten zu einem aufrichtigen und respektvollen Dialog auf. Der von seinem Vorgänger Johannes Paul II. begonnene Prozess der guten Beziehungen zwischen beiden Glaubensgemeinschaften müsse fortgesetzt werden. Anschließend reichte der Papst jedem der Anwesenden einzeln die Hand und suchte mit jedem auch ein kurzes persönliches Gespräch.

Der Pontifex bedauerte bereits zum vierten Mal, dass seine Worte von Moslems als Beleidigung aufgefasst worden seien. Eine Entschuldigung für die Verwendung der historischen Worte des byzantinischen Kaisers gab es erwartungsgemäß nicht. Dennoch habe das Gespräch zur Klärung des Konflikts beigetragen, sagten Beteiligte danach.

"Ich glaube, dieses Treffen hat viele Probleme gelöst. Wir können die Kontroverse beenden", sagte Khalil Altoubat, Mitglied einer muslimischen Organisation in Italien. Dem Berater der italienischen Sektion der World Muslim League, Mario Scialoja, zufolge hielt der Papst eine "sehr gute und warmherzige Rede." Er habe die Unterschiede aufgezeigt, aber gleichzeitig seine Bereitschaft zu einem herzlichen und ergiebigen Dialog gezeigt. Eine weitere Entschuldigung erwarte er nicht, sagte Scialoja.

"Bete zu Gott, dass Krise hinter uns liegt"
Der irakische Botschafter beim Vatikan, Albert Edward Ismail Yelda, erklärte, der Papst habe ihn mit seinen Respektbekundungen für den Islam überzeugt. Es sei nun an der Zeit, den Konflikt der vergangenen zwei Wochen hinter sich zu lassen und wirklich Brücken zu bauen, meinte auch er. "Ich bete zum allmächtigen Gott, dass die Krise nun hinter uns liegt", sagte er vor Journalisten. "Wir müssen an einem Tisch sitzen - Muslime, Christen, Juden und der Rest der Welt und die übrigen Religionen, um eine gemeinsame Basis für eine friedliche Koexistenz zu finden."

An dem Treffen in Castelgandolfo nahm von den beim Vatikan akkreditierten Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung nur der Sudan nicht teil. Saudi-Arabien unterhält keine diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Das rund 30-minütige Treffen mit der Papst-Ansprache wurde nicht nur vom Fernsehsender des Vatikan live übertragen, sondern auch von dem in der arabischen Welt einflussreichen Fernsehsender Al Jazeera. In Abkehr der üblichen Praxis lieferte das Pressebüro des Vatikans auch eine arabische Übersetzung der Rede.

(apa/red)