Körpersprache-Analyse von

"Kogler ist in der Regierung ein ziemliches Unikum"

Was die Körpersprache des grünen Vizekanzlers so einzigartig und erfolgreich macht - und wo jetzt Gefahren für ihn lauern

Körpersprache-Analyse - "Kogler ist in der Regierung ein ziemliches Unikum"

Werner Kogler ist seit Kurzem Vizekanzler Österreichs – damit ist er der erste grüne Politiker überhaupt in diesem Amt. Doch warum der Grünen-Chef nicht nur deshalb ein Unikum ist, erklärt Körpersprache-Experte Stefan Verra.

„Werner Kogler ist in der Regierung ein ziemliches Unikum“, sagt Stefan Verra, Körpersprache-Experte gegenüber News.at. Der Chef der Grünen sei nämlich „relativ unangepasst“ und passe in diese staatstragende Rolle „mit seiner Körpersprache wenig rein“, analysiert er.

Sprache im Einklang mit Körpersprache

Schon im Wahlkampf sei Kogler gelümmelt und gab sich sogar in Elefantenrunden hemdsärmelig – ganz im Gegensatz zur ÖVP, deren Vertreter alle stets elegant gekleidet seien und auf ihre Körpersprache bedacht, dass alles passe. Etwas, was Werner Kogler „ziemlich egal“ gewesen sei. Auch verbal sei er, so Verra, durch „Frechheiten“ also eine saloppe Sprache aufgefallen – „unglaublich kongruent mit seiner Körpersprache.“

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Koglers großes Asset

Und genau damit habe der grüne Bundessprecher punkten können, denn es gäbe ganz viele Menschen, die mit dem staatstragenden Gehabe einer ÖVP nichts anfangen können. Und genau denen haben Kogler emotionale Anknüpfungspunkte gegeben als der Typ „mit dem man zum Wirten ums Eck etwas trinken und ein bisschen über die Staatspolitik plaudern“ gehen könnte. Genau das war im Wahlkampf Koglers großes Asset, analysiert Verra.

Unruhe kein Zeichen von Nervosität

Auffällig an Koglers Körpersprache sei auch sein Verhalten bei Interviews. „Wenn ein Interview beginnt, schaut er herum, kramt herum“, beobachtete Verra. Doch das sei keine Nervosität, „der macht das quasi immer“. Diese Unruhe und dieser nie gehaltene Augenkontakt sei einfach sein Grundduktus. Etwas, was, so Verra, übrigens ganz oft gut ankäme.

Der Wandel

Doch in den letzten Tagen und Wochen habe Kogler körpersprachlich plötzlich anders agiert als gewohnt, analysiert der Fachmann. „Er wird plötzlich ganz ruhig. Bei der Angelobung kann man das ja noch verstehen, aber auch bei Pressefoyers neben Gernot Blümel stehend zum Beispiel hat er plötzlich eine aufrechte, elegante Körpersprache“, so Verra, der das sonst von ÖVP-Politikern gewohnt ist. Diese Änderung sieht er durchaus kritisch: „Als genauer Beobachter habe ich mir gedacht, entweder ist er schlecht beraten oder er meint jetzt selber, dass er sich dem anpassen müsse.“

»Er verrät damit seine Wählerinnen und Wähler«

Was nämlich dadurch passiere, sei, „dass er damit seine Wählerinnen und Wähler verrät, weil die hatten ja genau dieses Lockere als Anknüpfungspunkt. Die werden ihn auch als Vizekanzler genau so haben wollen.“ Wenn Kogler also jetzt versuche, „etwas völlig anderes zu machen, dann ist das nicht mehr, wofür er geschaffen wurde.“

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Weitere Info:

Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in Europa. Der in München lebende Österreicher beschäftigt sich seit 20 Jahren intensiv mit der menschlichen Körpersprache. Er hält heute weltweit Vorträge, ist Gastdozent an mehreren Universitäten und ist mit seiner humorvollen Körpersprache-Show auf Tournee. Stefan Verra arbeitet auch mit Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Autismus zusammen sowie mit Hospizen und in der Kinderkrebshilfe.
In seinem Buch "Leithammel sind auch nur Menschen: Die Körpersprache der Mächtigen" analysiert er die Körpersprache von Politikern wie Donald Trump, Angela Merkel und widmet auch Sebastian Kurz ein ganzes Kapitel.

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Veranstaltungstipp: Am 25.und 26. März gastiert Stefan Verra mit seinem Abendprogramm im Rabenhof in Wien - auch hier wird er die Körpersprache aktueller Geschehnisse unter die Lupe nehmen.

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