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Wer wird Kanzler?
Kern? Kurz? Strache?

2017 könnte wieder gewählt werden: die drei unterschiedlichen Kandidaten im Vergleich

Christian Kern © Bild: News/Ian Ehm

Gerade schienen sie noch unausweichlich, doch plötzlich hat in der Regierung niemand mehr Lust auf Neuwahlen. Es gibt aber Indizien dafür, dass 2017 trotzdem gewählt wird. Die Kanzlerfrage werden dann drei sehr unterschiedliche Kandidaten untereinander klären.

Rechtzeitig vor Weihnachten ist Frieden eingekehrt. SPÖ und ÖVP, die sich noch im Herbst im Nationalrat und in den Medien Bösartigkeiten ausrichteten, haben plötzlich zu neuer Harmonie gefunden. Auf Neuwahlen, die gerade noch unausweichlich schienen, hat jetzt keiner mehr Lust.

"Wir werden 2017 gut zusammenarbeiten und das Bild einer einheitlichen Regierung abgeben, damit wir und die ÖVP beide gut in den Wahlkampf 2018 gehen können und der Opposition den Wind aus den Segeln nehmen", verspricht SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler. Und Werner Amon, Generalsekretär der Volkspartei, sagt: "Vorgezogene Neuwahlen 2017 machen keinen Sinn. Die gesetzliche Legislaturperiode endet in zwei Jahren und diese Regierung tut gut daran, erst nach Ablauf dieser Zeit regulär im Herbst 2018 zu wählen."

Nach dem Frieden

Nach einem Jahr Hofburg-Wahlkampf sei die Bevölkerung jetzt wahlmüde, heißt es in den Parteizentralen. Und nächstes Jahr würde die Regierung mit einem überarbeiteten Arbeitsübereinkommen sowieso richtig durchstarten.

In beiden Parteien spielen wohl aber auch andere Überlegungen mit: Mitterlehners Seilschaft spekuliert darauf, dass jede Woche, in der Sebastian Kurz doch (noch) nicht Parteichef wird, diesen schwächt. Kern liefe Gefahr, als jener SPÖ-Kanzler in die Geschichte einzugehen, dessen größte Leistung es war, die Koalition platzen zu lassen. Und beide haben Angst vor Heinz-Christian Strache als lachendem Dritten.

Aber sogar, wenn man die von der SPÖ für 2017 geplante Tour durchs Land nicht als Wahlkampf missversteht und Kurz' Rückhalt in weiten Teilen der ÖVP ignoriert, spricht einiges für Neuwahlen im nächsten Jahr: Durch den Brexit hat sich Österreichs EU-Ratspräsidentschaft nach vorne verschoben. Würden Nationalratswahlen regulär im Herbst 2018 stattfinden, fielen sie genau in diese Zeit -eine fast unmögliche Kollision. Außerdem wird im Niederösterreich des mächtigen Erwin Pröll im Frühling 2018 gewählt. Er wird zu verhindern wissen, dass die Bundesregierung nach ihm dran ist. Und spätestens, wenn der Weihnachtsfriede vorbei ist, werden sich auch die Regierungsparteien wieder profilieren wollen. Und zwar auf Kosten der jeweils anderen.

Christian Kern

Christian Kern
© Trend/ Lukas Ilgner

Seine Stärken
Christian Kern kommt gut im Fernsehen, auf Bühnen und im Bierzelt. Er spricht frei, für einen Bundeskanzler noch immer überraschend wenig in Floskeln und lässt oft Selbstironie durchblitzen. Wenn Kern jetzt auch noch wirtschaftspolitisch etwas weiterbrächte, wäre er kaum zu schlagen.

Seine Schwächen
Je länger es dauert, bis gewählt wird, desto schwieriger wird es für Kern. Obwohl er sich fünf Jahre auf den Job des Kanzlers vorbereitet hatte, musste er schnell erkennen, dass man in keinem Metier so schnell altert wie in der Spitzenpolitik. Seine Partei, die SPÖ, ist auch nicht unanstrengend.

Seine Chancen
Will Kern Kanzler bleiben, muss er die SPÖ bei Nationalratswahlen auf Platz eins führen. Die Umfragen sehen diese jedoch seit Langem nicht mehr vorne. Man hofft nun, dass Sebastian Kurz im blauen Teich fischen wird. Denn für einen FPÖler den Vizekanzler zu machen, ist für Kern keine Option.

Sebastian Kurz

© News Zach - Kiesling Roman

Seine Stärken
Das größte politische Talent seit Jörg Haider: rhetorisch gut, Gefühl für das richtige Timing, Konzentrationsfähigkeit gepaart mit sozialer Intelligenz. So viel kann er gar nicht um die Ohren haben, dass er nicht jedem Gesprächspartner das Gefühl gibt, seine volle Aufmerksamkeit zu genießen.

Seine Schwächen
Sebastian Kurz ist ein gebranntes Kind. Nachdem er zum Staatssekretär avanciert war, verhöhnten ihn manche Medien als "Milchbubi". Mit dem Effekt, dass er sich keinen Fehler erlaubt, nichts von sich preisgibt. Diese übertriebene Perfektion lässt Kurz steif und unnahbar wirken.

Seine Chancen
Meinungsforscher sagen, mit einem Spitzenkandidaten Kurz könnte die ÖVP bei Nationalratswahlen fünf Prozent mehr machen als ohne. Das reicht nicht für Platz eins. Kurz könnte dann den Vize Straches geben, im Selbstvertrauen darauf, die FPÖ später wie sein Vorbild Schüssel zu überholen.

Heinz-Christian Strache

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf dem Dach vor seinem Büro in der Wiener Innenstadt - mit bestem Blick aufs Parlament.
© Michael Appelt/NEWS

Seine Stärken
In drei Nationalrats- und drei Wien-Wahlen war er bereits Spitzenkandidat. Keiner seiner Konkurrenten hat so viel Wahlkampferfahrung wie er. Mit seinen 480.000 Facebook-Fans und den Videos von FPÖ-TV verfügt er als Einziger über ein eigenes Medium.

Seine Schwächen
Nach zehn Jahren als Oppositionsrabauke fällt ihm die staatstragende Rolle schwer. Auch den ewigen Beigeschmack des Rechtsextremen bekommt er nicht los. Neben den Newcomern Kern und Kurz wirkt er verbraucht. Und mit Norbert Hofer hat er nun einen starken Konkurrenten.

Seine Chancen
In den elf Jahren, die er nun Parteichef ist, hat er die FPÖ rigoros organisiert. Alle Schlüsselpositionen hat er mit Menschen besetzt, die ihm Loyalität schulden. Querschüsse wie in SPÖ und ÖVP gibt es in der FPÖ nicht. Die veränderte Weltlage kommt in ganz Europa Rechtspopulisten zugute.

Kommentare

Der beste Kanzler den Österreich je hatte.

Was verschwiegen wird.... Kurz will in Wirklichkeit als Kanzler (die Blau - Schwarze Seilschaft mit Lopatka, Schützenhofer bis zu NÖ ÖVP funktioniert bestens) mit der FPÖ regieren........
Und nebenbei lässt er jede Woche dem Koalitionspartner provokant über die Medien ausrichten, was falsch läuft.....Bin gespannt wie lange BK Kern dem Treiben des Außenminister "noch" zu schaut.......

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