Wer wird Weltmeister 2006? Prohaska tippt auf europäisches Team als neuen Titelträger

Elfenbeinküste und USA als gefährlichste Außenseiter Rummenigge: Bei Vorrunden-Aus ist Klinsmann weg

Wer wird Weltmeister 2006? In dieser Frage waren sich im Rahmen einer Diskussionsrunde im Wiener Hanappi-Stadion auch die Experten uneinig. Während Ex-Bayern-München-Star Michael Rummenigge Titelverteidiger Brasilien als hohen Favoriten sah, meinte ÖFB-Ex-Teamchef Herbert Prohaska, dass eine europäische Mannschaft das Rennen machen werde.

"Brasilien und Argentinien sind Favoriten, aber in Europa haben sich südamerikanische Mannschaften immer schwer getan", prognostizierte der Österreicher und spielte auf die Final-Niederlagen von Brasilien in Frankreich 1998 und Argentinien in Italien 1990 an. Als gefährlichste Außenseiter stuften die beiden Ex-Teamspieler die Elfenbeinküste (Rummenigge: "Ein Team ohne große Schwächen, mit einem der besten Stürmer weltweit.") und die USA (Prohaska: "Kann weit kommen und ist nicht zu unterschätzen.") ein.

Auf die Euphorie-Bremse stieg Rummenigge, befragt nach den Chancen der deutschen Nationalmannschaft. "Wir haben nur drei Positionen, wo wir international Weltklasse sind. Im Tor, mit Ballack im Mittelfeld und im Sturm mit Klose, vielleicht auch Podolski", meinte der Deutsche. "Ich glaube, bei uns sind die Erwartungen nach unten geschraubt, obwohl die Euphorie groß ist."

Rummenigge: "Bei Vorrunden-Aus ist Klinsmann weg"
Nach der Gruppenauslosung sei das Erreichen des Achtelfinales aber Pflicht, "und wir haben schon des Öfteren - so auch 2002 - bewiesen, dass wir eine Turniermannschaft sind". Angesprochen auf die beinahe schon alltägliche Bundestrainer-Diskussion stellte Rummenigge klar, dass "wenn wir (Deutschland, Anm.) die Vorrunde nicht überstehen, Klinsmann weg ist". Die Messer seien schon gewetzt, er gehe aber davon aus, dass Klinsmann im Falle eines Scheiterns von selbst den Trainersessel räumen werde.

Mit Blick auf die EURO 2008 wagte "Schneckerl" auch eine Einschätzung des österreichischen Nationalteams. "Wir werden eine Mannschaft haben, für die wir uns nicht genieren brauchen. Aber ich bin Realist. Wie ich vernehme, setzt sich Österreich das Ziel Viertelfinale, das wird schwierig. Ich schätze eine EURO stärker besetzt ein als eine WM, da das Leistungsgefälle nicht so hoch ist. 2008 wird es niemanden in der Gruppe geben, gegen den wir Favorit sind."

Nachwuchskonzepte greifen erst langsam
Derzeit stehe das Nationalteam eben dort, "wo wir den Gegebenheiten entsprechend hingehören". "Nach 1978 und 1982 ist zu wenig für den Nachwuchs getan worden. Um dauerhaft dabei zu sein (bei WM bzw. EM, Anm.) fehlt es uns an Infrastruktur und Wirtschaftskapital." Nachwuchskonzepte, die erst in den vergangenen Jahren erstellt worden seien, würden aber langsam zu greifen anfangen.

Ein Problem sei, dass nach der U16 und U18, wo Österreich international vorne mit dabei ist, ein Loch entstehe. "Viele hören dann eben auf, weil andere Dinge für sie wichtiger sind. Den Jugendlichen geht es eben so gut, dass sie nicht darauf angewiesen sind, Geld mit dem Fußball zu verdienen."

Spitzengehälter: Ronaldinho ist sein Geld wert
Befragt nach der steigenden Zahl von verschuldeten Klubs bei gleich bleibend hohen Spielergehälter waren sich die beiden Experten jedenfalls einig. "Ich glaube nicht, dass Weltklasseprofis zu viel verdienen. Ein Ronaldinho ist sicher das Gehalt wert, das er verdient", meinte Rummenigge. "Wenn ich dann aber lese, dass Buffon, der einen Millionenbetrag einstreift, Wetten um ein paar tausend Euro abschließt, dann kann ich das nicht nachvollziehen", sprach er den Wettskandal um Juventus Turin jedoch ebenfalls an.

(apa/red)