Wer hat den Friedrich Karl Flick gestohlen?
Sarg mitsamt Leichnam wurden entwendet

Mausoleum des Milliardärs in Velden geschändet Außer Kratzern am Granitstein keinerlei Spuren

Wer hat den Friedrich Karl Flick gestohlen?
Sarg mitsamt Leichnam wurden entwendet © Bild: APA/Eggenberger

Der Sarg mit dem Leichnam des vor zwei Jahren verstorbenen Milliardärs Friedrich Karl Flick ist - vermutlich bereits am vergangenen Wochenende - aus seinem Grab am Friedhof von Velden am Wörthersee gestohlen worden. Polizeipressesprecher Gottlieb Türk erklärte, das Landeskriminalamt ermittle auf Hochtouren, und zwar in alle Richtungen. Konkrete Anhaltspunkte gebe es vorerst aber nicht.

Der Polizei war von einem Zeugen angezeigt worden, dass die schweren Granitplatten, die in dem Mausoleum den Sarg abdecken, Spuren von Beschädigungen aufweisen würden. Zudem waren zwei Ziffern vom Todesdatum vom Grabstein abgerissen worden. Eine Überprüfung ergab, dass der Sarg verschwunden war. Die Ermittler gehen von mehreren Tätern aus, da die Granitplatten einige 100 Kilogramm schwer sind. Der Sarg mit den sterblichen Überresten Flicks dürfte mit einem Lkw weggebracht worden sein, Augenzeugen gibt es jedoch nicht.

Vorerst war auch das Motiv für die Tat völlig unklar, die Ermittler wollten daher auch die Möglichkeit einer Erpressung nicht ausschließen. Offiziell gab es zum Stand der Ermittlungen allerdings keinerlei Auskünfte. Bis zum Abend waren jedenfalls keine finanziellen Forderungen eingelangt.

Störung der Totenruhe
Strafrechtlich handle es sich bei dem Delikt um Störung der Totenruhe, aber auch um schwere Sachbeschädigung, erklärte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, auf APA-Anfrage. Bei Störung der Totenruhe liegt die Höchststrafe bei sechs Monaten Haft, bei schwerer Sachbeschädigung beträgt sie zwei Jahre, wenn der Schaden unter 50.000 Euro liegt. Bei höherem Schaden erweitert sich der Strafrahmen auf fünf Jahre Haft.

Flick hatte Kärnten zu seiner Wahlheimat erkoren, er hatte im Jänner 1991 die aus dem Lavanttal stammende Ingrid Ragger geheiratet. Im Dezember 1991 war der Bruder seiner Frau entführt worden, mehr als fünf Millionen Euro Lösegeld wurden gefordert. Die Entführung endete unblutig, die Täter wurden verhaftet und verurteilt.

Kinder erbten Vermögen
Der Milliardär kaufte sich am Südufer des Wörthersees eine Villa, die er zu einer veritablen Festung ausbauen ließ. Er war auch stets in Angst vor weiteren Entführungen, seine Kinder wurden von Leibwächtern zur Schule begleitet. Am 5. Oktober 2006 starb er nach schwerer Krankheit im 79. Lebensjahr in seinem Haus. Seine vier Kinder erbten das auf fünf bis sechs Mrd. Euro geschätzte Vermögen zu gleichen Teilen.

Das Vermögen der Familie trug Vater Friedrich Flick (1883-1972) zusammen. Die Erfolgsgeschichte der Familie begann in der Weimarer Zeit und endete zunächst vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal, das ihn wegen seiner NS-Verstrickung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilte. Nach drei Jahren wurde er begnadigt und ordnete sein Imperium neu. Friedrich Karl trat 1957 in das Unternehmen ein. Nach dem Tod des Vaters erbte er 1972 das Industrie-Imperium. 1985 verkaufte er die Firmengruppe um damals rund 5.4 Mrd. Mark (2,76 Mrd. Euro) und zog sich nach Österreich zurück. Seine Vermögensverwaltung verlegte er in den neunziger Jahren von Düsseldorf nach Wien, und zwar aus steuerlichen Gründen. In der Öffentlichkeit zeigte er sich nur selten, seine Witwe hingegen war in den vergangenen zwei Jahren des öfteren bei Charity-Veranstaltungen anzutreffen.

(apa/red)