Wenn Zappelphilipp nun erwachsen wird: ADHS setzt sich ins hohe Lebensalter fort

Das Krankheitsbild wird vor allem über Gene vererbt Besserung durch Medikamente und Therapie möglich

Wenn Zappelphilipp nun erwachsen wird: ADHS setzt sich ins hohe Lebensalter fort © Bild: DPA/Federico Gambarini

Der "Struwwelpeter" des Arztes Heinrich Hoffmann war die erste Beschreibung eines Syndroms, das bis vor etwa zehn Jahren als Kinderkrankheit betrachtet wurde: die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS. Erst spät rückte die Ausformung der typischen ADHS-Symptomatik im Erwachsenenalter zunehmend ins Interesse der Öffentlichkeit.

Bei knapp zwei Dritteln der Betroffenen setzt sich die ADHS bis ins höhere Lebensalter fort. Bei manchen Menschen findet sich eine leichte Ausprägung, die dann von ihrer Umgebung als chaotisch und sprunghaft, kreativ oder temperamentvoll wahrgenommen wird. Bei anderen erreicht die ADHS die Dimension einer Krankheit mit erheblichen Einschränkungen in der Lebensführung und teilweise massiven psychosozialen Beeinträchtigungen.

Genetische Vererbung
Ein aktueller Aufsatz in der Zeitschrift "Psychiatrie und Psychotherapie up2date" zeigt, wie diesen Menschen geholfen werden kann. Voraussetzung ist natürlich eine exakte Diagnose. Dabei ist bedeutsam, dass es im Rahmen dieses Krankheitskonzeptes auch Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität gibt. Die ADHS wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vererbt. Die verdächtigten Gene betreffen das System der Neurotransmitter.

Bei der Mehrzahl aller Erwachsenen mit ADHS finden sich eine oder mehrere Begleiterkrankungen, die oft erst zum Anlass genommen werden, einen Arzt aufzusuchen. Das können Angststörungen sein, aber auch Substanzabhängigkeit, vor allem von Alkohol, Cannabis oder Nikotin, Depressionen, Zwangssymptome und Persönlichkeitsstörungen. Personen mit ADHS erreichen weniger häufig höherwertige Schul- und Ausbildungsabschlüsse, verlieren häufiger ihren Job und Scheidungen oder Partnerwechsel scheinen häufiger vorzukommen.

Medikamente und Therapie
Gemäß den im Jahre 2003 veröffentlichten deutschsprachigen Leitlinien wird eine Kombinationstherapie aus Medikamenten und Psychotherapie angestrebt. Medikament der ersten Wahl ist Methylpendidat, das durch die Medien als Mittel zum "Hirndoping" zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Bei den psychotherapeutischen Verfahren soll eine Unterstützung der Patienten in ihrem Alltag erreicht werden, wie Organisationshilfen, Verbesserung der Aufmerksamkeit oder Erhöhung der sozialen Kompetenz. Auch gruppentherapeutische Konzepte scheinen sich zu bewähren mit dem übergeordneten Ziel, Symptome der ADHS besser zu verstehen und selbst kontrollieren zu lernen, anstatt von der ADHS kontrolliert zu werden.

Eine Kurzfassung des Artikels steht auf der Seite der Seite der Thieme Verlagsgruppe .