Wenn das Mittelmeer über Alpen kommt: Globale Klimaströme sorgen für Topwetter

Besonders Kärnten oft mit Mittelmeerklima gesegnet <b>PLUS:</b> Die besten Hitze-Tipps und Wetter-Prognose!

Wenn es alljährlich im Sommer rund um das Mittelmeer fast durchgehend von der Türkei bis Spanien Traumwetter gibt, hat das mit dem Mittelmeer selbst wenig zu tun. Es liegt vielmehr an globalen Klimaströmungen, die fast konstant für Hochdruck-Wetter sorgen. In Ausnahmefällen, wie zur Zeit zu beobachten, überschreitet das Subtropenhoch auch die Alpen und sorgt in fast ganz Europa für griechische Verhältnisse, erklärte Reinhard Böhm von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber der APA.

Die so genannten subtropischen Hochdruckgürtel nehmen am Äquator ihren Ausgang. Hier steigt durch die fast senkrecht einfallende Sonne permanent die erhitzte Luft auf und zieht dann nord- bzw. südwärts. Der Aufstieg in große Höhen sorgt für starke Abkühlung, was zur Folge hat, dass sich ständig Wolken bilden. Um den Äquator finden sich deshalb auch die großen Regenwaldgürtel der Erde, nur hier gibt es genügend Niederschlag.

Stabiler Hochdruck durch stetige Luftzufuhr
Nachdem die Luftmassen ihre Feuchtigkeit verloren haben, ziehen sie weiter nord- bzw. südwärts. Schließlich wird die abkühlende Luft immer schwerer und sinkt im Bereich der so genannten Rossbreiten - um den 30. Breitengrad - wieder zu Boden. Der ständige Nachschub an Luft aus großen Höhen bringt in diesem Bereich - zwischen dem 20. und 40. Breitengrad - sehr stabile Hochdruckgebiete. Das aus Urlaubersicht traumhafte Wetter kann aber auch seine Schattenseiten haben, so finden sich die großen Wüsten wie die Sahara genau in diesem Bereich.

Das Mittelmeergebiet liegt dagegen am nördlichen Rand der subtropischen Hochdruckzellen. Im Sommer typischerweise trocken, zieht sich die Zone im Winter nach Süden zurück, es gibt Abkühlung und Regen. Auch im Sommer reicht die Zelle in Europa normalerweise nur bis zu den Alpen. Nur ausnahmsweise - wie derzeit der Falle - wird diese Grenze überschritten, so Böhm. Dann gibt es in großen Teilen Europas sehr lang anhaltende Schönwetterphasen mit allen Vor- und auch Nachteilen.

Manchmal überschreitet Subtropenhoch die Alpen
Während Gebiete nördlich der Alpen nur relativ selten in den Genuss stabiler, subtropischer Wetterlagen kommen, hat Südösterreich regelmäßig Mittelmeerklima. Durch den Aufbau von großen Datenbanken wie etwa im Rahmen des Projekts "Histalp" können die Experten der ZAMG auch langfristige Trends ausmachen. So gibt es in Kärnten und im Grazer Becken immer weniger sommerliche Niederschläge.

Innerhalb der vergangenen 140 Jahre verbuchen die Wissenschafter eine Abnahme der Sommerniederschläge von 15 Prozent. "Das gilt aber wirklich nur für Südösterreich und nicht für das ganze Bundesgebiet", betonte Reinhard Böhm. Österreich kann in drei große Klimazonen eingeteilt werden - Süden, Westen, Osten - bezüglich Niederschlagtrends sind die Verhältnisse überall anders. Klar trockener wird es nur im Süden, im Westen gibt es sogar mehr Niederschläge, im Osten bleibt die Sache gesamt gesehen eher stabil.

Die Wissenschafter hoffen, in den kommenden Jahren die internationale Zusammenarbeit verbessern zu können. "Gerade rund um das Mittelmeer gibt es noch viele offene Fragen", so Böhm. So ist beispielsweise kaum erforscht, welche Einflüsse das Mittelmeer selbst auf das lokale Klima hat.

(apa/red)