Wenn Erkrankungen auch einsam machen:
Krebspatienten und ihr seelisches Leiden

Expertin: "Gesellschaft ist sehr hart was das betrifft." Hauptauftrag der Wiener Krebshilfe sei das "Danach"

Wenn Erkrankungen auch einsam machen:
Krebspatienten und ihr seelisches Leiden

Einsamkeit kommt nicht nur vom Allein-Sein, betonte Psychologin und Leiterin des Beratungszentrums der Wiener Krebshilfe Karin Isak. Weit öfter hat das Gefühl, niemanden zu haben, mit Sprach- und Hilflosigkeit zu tun oder weil das Umfeld falsch reagiert. Menschen, die mit der Diagnose Krebs leben, kommen früher oder später in die Phase, wo sie Einsamkeit verspüren, sagte Isak. Ältere Menschen sind davon am stärksten betroffen.

Einsamkeit hat viele Gesichter, sagte die Psychologin. Bei Krebspatienten sei diese stark mit Hilflosigkeit verbunden. "Man weiß sich nicht zu helfen oder das Umfeld tut aus Hilflosigkeit das Falsche", so Isak. Häufig beobachte sie bei Jugendlichen das Phänomen, dass sie sich von krebskranken Eltern zurückziehen. Nicht aus Bösartigkeit, sondern als Abwehrmechanismus. Andere wiederum tun zu viel und bombardieren den Kranken mit Ratschlägen.

Körperliches und seelisches Leid
Während sich die einen einsam fühlen, weil tatsächlich niemand für sie da ist, haben andere zwar ein Umfeld um sich, dieses reagiert aber nicht adäquat. Oft resultiert Einsamkeit aber auch aus der Angst, darüber zu reden. "Krebskranke wollen oft nicht als anders gelten oder als psychisch instabil gesehen werden", sagte die Psychologin. Krank mache Einsamkeit dann, wenn es zur Depression kommt. Dann kommt zur körperlichen Erkrankung auch noch die psychische hinzu.

"Die Gesellschaft ist sehr hart was das betrifft. Zu Beginn der Krankheit ist das Umfeld sehr aufmerksam, wird dann aber immer ungeduldiger", sagte Isak. Professionelle Hilfe brauchen Krebspatienten meist nicht unmittelbar nach der Diagnose, sondern oft erst dann, wenn es körperlich schon wieder bessergeht, der Patient aber psychisch noch nicht fit ist. Der Hauptauftrag der Wiener Krebshilfe sei das "Danach".

Allerdings benötige nicht jeder Krebspatient Psychotherapie oder psychologische Begleitung. Was aber bei fast allen Menschen mit der Diagnose Krebs irgendwann kommt, ist Einsamkeit. "Einsamkeit ist ein Begleiter von krebskranken Patienten", sagte Isak. (APA/red)