Weniger Geld, bei gleicher Arbeit: Frauen verdienen um ein Fünftel weniger als Männer

Große Unterschiede vor allem in Privatwirtschaft Öffentlich Bedienstete werden am besten bezahlt

Weniger Geld, bei gleicher Arbeit: Frauen verdienen um ein Fünftel weniger als Männer

Traurig, aber wahr: Frauen verdienen in Österreich immer noch weniger als Männer. Weibliche Vollzeitbeschäftigte erhalten im Durchschnitt um ein Fünftel weniger Geld, wie der aktuelle Einkommensbericht des Rechnungshofes für das Jahr 2009 zeigte.

Betrachtet man alle Beschäftigungsverhältnisse betrug das mittlere Einkommen der Frauen (inkl. Lehrlinge) 2009 sogar nur 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Besonders groß sind die Unterschiede in der Privatwirtschaft. Dort verdienen weibliche Angestellte 50 Prozent, Arbeiterinnen 44 Prozent des mittleren Männereinkommens.

Öffentlich Bedienstete verdienen besser
Der Einkommensnachteil im öffentlichen Bereich fällt wesentlich schwächer aus. Beamtinnen verdienen 93 Prozent des mittleren Männereinkommens und somit nahezu gleich viel wie ihre männlichen Kollegen. Vertragsbedienstete erhalten immerhin 77 Prozent des mittleren Männereinkommens.

Auch innerhalb der Branchen, Berufsgruppen und der Art des Beschäftigungsverhältnisses lassen sich deutliche Gehaltsunterschiede erkennen. Die Branchen mit den höchsten Einkommen sind die Bereiche Energieversorgung (Median 2009: 48.883 EUR), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (39.430 EUR) sowie Information und Kommunikation (37.801 EUR). Die niedrigsten Einkommen werden in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie (Median 2009: 9.506 EUR) sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (13.891 EUR) erzielt. Auch hier wird deutlich: Frauen sind überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau tätig.

Akademiker verdienen das Dreifache von Arbeitern
Abhängig von Ausbildung und Qualifikation ist das Medianeinkommen für leitende Bedienstete und Führungskräfte (51.234 EUR) bzw. für akademische Berufe (45.523 EUR) rund dreimal so hoch wie jenes der Hilfsarbeitskräfte (17.913 EUR). Frauen sind häufiger als Männer in Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten Berufen zu finden. In diesen Berufsgruppen arbeiten sie überdurchschnittlich häufig in Teilzeit – was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt.

Laut Einkommensbericht sind es auch hauptsächlich Frauen, die 2009 teilzeitbeschäftigt waren: 87 Prozent aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind weiblich, 44 Prozent aller erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeit-Arbeitsverhältnis (bei Männern liegt dieser Anteil bei 6 Prozent).

Grüne fordern Strafen für Unternehmen
"Der Einkommensbericht des Rechnungshofes ist erwartungsgemäß ernüchternd", erklärte die Frauensprecherin der Grünen, Judith Schwentner. Der Appell von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die in bezahlten Zeitungsinseraten eine gerechtere Bezahlung von Frauen gefordert hat, ist ohne Wirkung geblieben. "Ohne Kontrollen und Sanktionen für Unternehmen, die Frauen schlechter entlohnen, geht es nicht", betonte Schwentner.

Sozialminister Hundstorfer machte die Wirtschaftskrise für die Einkommensunterschiede verantwortlich: "Die Kosten der Krise wurden in Form von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zu einem großen Teil von den Arbeitnehmerinnen getragen. Das habe sich auch auf die Entwicklung der Einkommen ausgewirkt."

(red)

Kommentare

Arbeitnehmer verdienen 1/3 von Beamten! Das Einkommen von Arbeitern und Angestellten ist lt. Statistik deutlich geringer wie jenes von Beamten. Nicht die kleinen Beamten, sondern das Heer an Spitzenbeamten, welches wir uns weiterhin zu den 770 aktiven Politikern leisten, kassiert so viel Geld vom Steuerzahler.
Die beiden Pensionistenvertreter Blecha (SPÖ) und Khol (ÖVP) bewegen sich in der 14.000 Liga! (Welcher Arbeiter oder Angestellte hat so ein hohes Einkommen?)
Politiker und Beamte kassieren ihre Pension (lt. Statistik im Durchschnitt) 18,7 Jahre, danach die Witwe 8,2 Jahre!
Damit das noch lange so bleibt, wünscht sich die ÖVP ASVGler sollen länger arbeiten.

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die Wahrheit schaut anders aus ... Nur Propaganda - äh, pardon - Frauenministerin Heinisch will das so sehen; man muß ja auch nur ein paar halbtags beschäftigte Frauen mit voll beschäftigten Männern vergleichen ...
Welche Betriebe bezahlen Frauen weniger; bitte, nur 5 nennen - oder gibt es die einfach nicht in Österreich?!
Ganz real ist aber die Diskriminierung von Männern in Österreich: www.scheidungsindustrie.at

christian95 melden

Völliges Versagen der FraunministerInnen! Wir leisten uns weiterhin seit den 70er Jahren:
10 FrauenministerInnen (eine im Bund und 9 mit gleichen Aufgaben in den Ländern), 10 FrauenreferentInnen in der AK, 10 FrauenvertreterInnen im ÖGB.....
Ersatzlos einsparen sollte man diese "VersagerInnen"! Kosten sehr viel Geld dem Steuerzahler und bringen für die Frauen keine Verbesserung!

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Re: die Wahrheit schaut anders aus ... in vielen Fällen sind auch die Frauen selbst Schuld, nur wer sich traut und den Arbeitgeber auf eine Lohnerhöhung anspricht bekommt auch die Chance auf diese. Männer wissen (oder glauben es zu wissen^^) um ihren Wert, Frauen schätzen sich selbst nicht wichtig für ein Unternehmen ein.

wintersun melden

Re: die Wahrheit schaut anders aus ... Hey DeFacto danke für den Link. Solche Gedanken habe ich schon lange, wusste nur nicht dass es ein Buch darüber gibt.

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