Es geht auch anders von

Gleiches Geld für
weniger Arbeitszeit

Diese Chefs zahlen ihren Mitarbeitern trotz verkürzter Arbeitszeit ein volles Gehalt

Arbeitszufriedenheit © Bild: iStockphoto.com/FotoCuisinette

Österreichs Regierung will auf freiwilliger Basis den 12-Stunden-Arbeitstag einführen - es gibt aber auch einen Gegentrend: In Zeiten von Burnout und unbezahlten Überstunden - in Österreich sind es rund 50 Millionen pro Jahr - setzen einige Unternehmer auf weniger Arbeitszeit für gleiches Geld.

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1. US-Firma "Tower"

Paddle
© iStockphoto.com/anyaberkut

Der US-Unternehmer Stephan Aarstol ist mit seinem Pilotprojekt einer 5-Stunden-Woche weltweit bekannt geworden. 2016 schrieb er sogar ein Buch darüber: "The Five-Hour Workday" ("Der Fünf-Stunden-Arbeitstag").

Angefangen hat alles 2015 mit einem Probelauf in seiner Firma "Tower", die Paddleboards herstellt. Im Juni des Jahres startete er den zunächst für 3 Monate geplanten 5-Stunden-Tag mit einer Arbeitszeit von 8 bis 13 Uhr. Warum das Ganze? Erstens wollte er seinen Angestellten ihr Leben zurückgeben, wie er dem Wirtschaftsmagazin "Fast Company" erzählte. Zweitens zahlte er ihnen mehr Geld, da die vorhandene Arbeitszeit nun um so effizienter genutzt werden musste. Also führte Aarstol eine 5-prozentige Gewinnbeteiligung seiner Angestellten ein, wodurch sich der Stundenlohn fast verdoppelte. Allerdings knüpfte er auch harte Bedingungen an die verkürzte Arbeitszeit: Das Pensum musste trotzdem geschafft werden, die Mitarbeiter mussten produktiver werden. "Wenn irgendjemand das nicht gekonnt hätte, wäre er gefeuert worden", teilte der Unternehmer mit.

Das Pilotprojekt lief schließlich so gut, dass Aarstol es einfach fortführte und 2016, ein Jahr später, eine überaus erfolgreiche Bilanz zog: Die Kunden hätten die verkürzten Öffnungszeiten akzeptiert. 2015 konnte er seinen Umsatz um 40 Prozent steigern. Seine Firma schaffte es in diesem Jahr außerdem auf die Liste der 5.000 am schnellsten wachsenden US-Unternehmen des Wirtschaftsmagazins "Inc." (Platz 239).

Natürlich funktioniere dieses Modell nicht für jede Art von Unternehmen oder Mitarbeiter, wie Aarstol betont. Aber in Summe steige bei einem Großteil der Arbeitnehmer die Produktivität durch weniger Arbeitszeit.

Umgekehrt haben mehrere Studien gezeigt, dass eine tägliche Arbeitszeit von zwölf Stunden weder produktiv noch gesundheitsfördernd ist. Laut GPA-djp ist "bereits ab der achten und neunten Arbeitsstunde ein exponentielles Ansteigen
des Unfallrisikos festzustellen, auch längere Wochenarbeitszeiten können mit steigender Unfallgefahr in Verbindung gebracht werden. Die Arbeitseffizienz sinkt schon nach sieben Stunden."

2. "Rheingans Digital Enabler" aus Deutschland

Computer
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In Deutschland hat der 37-jährige Unternehmer Lasse Rheingans Ende 2017 in seiner IT-Firma "Rheingans Digital Enabler" die 5-Stunden-Woche eingeführt. Seine Mitarbeiter arbeiten seither nur noch von 8 bis 13 Uhr - und das bei gleicher Bezahlung und gleichem Urlaubsanspruch. Bisher läuft alles ganz gut und er fühle sich in seinem Modell bestätigt, wie er gegenüber der Zeitung "Neue Westfälische" im Dezember mitteilte. Um die Produktivität zu steigern, wird weniger getratscht oder im Netz gesurft. "Fünf Stunden hochkonzentriert arbeiten bis zur Mittagspause - das kann dasselbe Ergebnis bringen wie die üblichen acht bis neun Stunden", lautet das Credo von Rheingans.

Noch läuft alles im Probemodus und die Umstellung auf ein effizienteres Arbeiten ist nicht immer einfach, wie die Mitarbeiter zugeben. Mittags sei sie "oft echt richtig kaputt", erzählt die 34-jährige Projektmanagin Jana Burdach, die Freizeit wiege das jedoch wieder auf. Hin und wieder fallen trotzdem Überstunden an - so wie beim 8-Stunden-Tag auch. Sie würde das Modell aber gerne weiterführen, wie sie der "Bild"-Zeitung verriet.

Die Idee funktioniere "natürlich nur in Branchen ohne regelmäßigem Kundenverkehr", sagt Rheingans zur "Bild".

3. Altenheim in Göteburg

Genau daran scheiterte letztendlich Schwedens Projekt in Göteborg: Im Altenheim von Göteburg reduzierte man im Februar 2015 die Arbeitszeit der rund 70 Krankenschwestern auf 6 Stunden pro Tag. Da die Patienten dennoch lückenlos betreut werden mussten, wurden 17 neue Jobs geschaffen - dementsprechend sind die Kosten gestiegen. Insgesamt hatte das Pilotprojekt nach zwei Jahren rund zwölf Millionen Kronen (rund 1,2 Millionen Euro) verschlungen, wie Anfang 2017 bekanntgegeben wurde. Viele haben den Testlauf daher als Reinfall abgeschrieben.

Das stimmt nicht ganz: Denn das Resumee der Work-Life-Balance und zur Produktivität ist dafür umso besser ausgefallen. Die Krankenschwestern meldeten sich seltener krank, sie fühlten sich allgemein gesünder und ihre Produktivität ist gestiegen, wobei sie 85 Prozent mehr mit den Patienten unternommen haben - wie beispielsweise in Form von Spaziergängen.

Daniel Bernmar, verantwortlicher Verwalter der Altenpflege in Göteburg, will das Projekt zwar nicht fortführen, aber das Konzept nicht komplett abschreiben: "Ich persönlich glaube an kürzere Arbeitszeiten als langfristige Lösung", sagte Bernmar.

Das Altenheim in Göteburg ist übrigens nicht das einzige Unternehmen in Schweden, dass den 6-Stunden-Arbeitstag zumindest vorübergehend eingeführt hat.

4. "Bike Citizens" in Graz

Daniel Kofler und Andreas Stückl, Gründer von Bike Citizens
© Bike Citizens Daniel Kofler (re.) und Andreas Stückl, Gründer von Bike Citizens

In Österreich gibt es bisher noch kein Pilotprojekt zum 5-Stunden-Arbeitstag. Der Trend in Richtung verkürzte Arbeitszeiten schlummert dennoch in so manchem Unternehmer: So hat das Grazer Start-up "Bike Citizens" die 4-Tage-Arbeitswoche eingeführt. CEO Daniel Kofler gibt seinen rund 25 Mitarbeitern jeden Freitag frei. Und bisher hat das der Firma nicht geschadet - im Gegenteil. 2016 wurde das Start-up mit dem dritten Platz beim "New Work Award" der Plattform "Xing" als Vorbild für die moderne Arbeitswelt ausgezeichnet. Die Firma verzeichnete bisher 500.000 App-Downloads und hat mehr als 450.000 User.

Bike Citizens App
© Bike Citizens

Auf "Xing" erklärt Kofler auch, warum er sich für dieses Modell entscheiden hat: Eine Studie habe ihn auf die Idee gebracht. "Darin hieß es, dass das Verhältnis von vier Tagen Arbeit zu drei Tagen Freizeit glücklicher und produktiver mache", schreibt der Unternehmer. Work-Leisure-Balance heiße das Zauberwort. Und er hält als Fazit fest: "Wir arbeiten kreativer, mit mehr Qualität, sind seltener krank und besser gelaunt." Die Umstellung auf die 4-Tage-Woche habe sich auch beim Geldbeutel bemerkbar gemacht. "Durch die Reduzierung auf 36 Wochenstunden konnten wir Kosten sparen, die wiederum in Projekte und Mitarbeiter investiert wurden", teilt Kofler mit.