Weltwirtschaft am Rande der Rezession:
Erholung von Krise erst Ende 2009 erwartet

IWF-Chef sieht durchaus Licht am Ende des Tunnels Weltbank-Präsident mahnt, Arme nicht zu vergessen

Weltwirtschaft am Rande der Rezession:
Erholung von Krise erst Ende 2009 erwartet © Bild: APA/EPA/Thew

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sieht die Weltwirtschaft durch die massive Finanzkrise am Rande der Rezession, erwartet aber für nächstes Jahr Licht am Ende des Tunnels. "Der Beginn der Erholung kommt Ende 2009", sagte der Direktor des Internationalen Währungsfonds vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington. "Wachstum wird sich zu diesem Zeitpunkt wieder einstellen", wenn auch zunächst nur allmählich. Weltbank-Präsident Robert Zoellick mahnte unterdessen die reichen Länder, trotz der Turbulenzen die armen Staaten nicht zu vergessen.

Strauss-Kahn verlangte eine noch bessere internationale Zusammenarbeit, um der Finanzkrise Herr zu werden. "Kooperation und Koordinierung der Maßnahmen sind der Preis des Erfolges." Er appellierte vor allem an die europäischen Länder, ihre gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen die Krise zu verstärken. Die Lage sei ernst. "Wir können die Probleme aber lösen, wenn schnell, mit Nachdruck und gemeinsam gehandelt wird", sagte der IWF-Direktor.

Reform des Finanzsektors
Als vorrangigstes Ziel nannte Strauss-Kahn, das Vertrauen in die weltweiten Finanzmärkte wiederherzustellen. Zudem rief er zu einer umfassenden Reform des Finanzsektors auf. Der IWF-Chef räumte ein, das Ausmaß der Turbulenzen trotz bereits pessimistischer Prognosen des Fonds nicht richtig erfasst zu haben. "Man kann wohl sagen, dass wir alle die Wucht der Finanzkrise unterschätzt haben", sagt er.

Nicht auf Entwicklungsländer vergessen
Zoellick warnte in Washington die Industrienationen zudem eindringlich davor, sich wegen der eigenen Problem vom Schicksal der Armen abzuwenden. Neben den Belastungen durch explodierende Energie-und Nahrungsmittelpreise drohen Entwicklungsländern nun auch noch wirtschaftliche Folgen durch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten, sagte der Weltbank-Chef. "Die Industrienationen müssen ein Auge auf einige der ärmsten Länder behalten", sagte er. "Wir können es nicht zulassen, dass die Finanzkrise zu einer menschlichen Krise wird."

Die jüngste Zuspitzung der Krise im September könnte für viele Entwicklungsländer zu einem Wendepunkt werden, mahnte Zoellick. Ein Rückgang der Exporte führe zu versiegenden Investitionen. Schwierigere Kreditbedingungen drohten Unternehmens- und Bankenzusammenbrüche auch in Entwicklungsländern zur Folge zu haben.

Nach Schätzungen der Weltbank wir die Zahl der unterernährten Menschen durch die rasant gestiegenen Nahrungsmittelkosten in diesem Jahr weltweit um 44 Millionen auf 967 Millionen anwachsen. Die Finanzkrise macht es laut Zoellick für arme Staaten inzwischen noch schwerer, ihre Bevölkerung vor den Folgen der Preisexplosion bei Lebensmitteln und Energie zu schützen.

(apa/red)