Weltwirtschaft ist nachhaltig beschädigt:
Merkel warnt vor langanhaltender Krise

Wir haben zuletzt "über unsere Verhältnisse gelebt" Spekulation mit der Realwirtschaft zusammenführen

Weltwirtschaft ist nachhaltig beschädigt:
Merkel warnt vor langanhaltender Krise © Bild: Reuters/Peter

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor einem nachhaltigen Schaden für die Wirtschaft durch die aktuelle Krise gewarnt. Sie sehe "mit großer Sorge, dass wir den Ausgang nachher nicht mehr schaffen, wieder in ein normales Wirtschaften hineinzukommen", sagte Merkel in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Krise sei "nicht vorbei, wenn wir die Talsohle erreicht haben." Danach komme "eine ganz lange, schwierige Wegstrecke", bis Deutschland wieder auf dem Stand von 2008 ankomme.

Die Kanzlerin räumte ein, die deutsche Regierung müsse in der Krise jetzt "viel Geld ausgeben, das wir im Grunde nicht haben". Zwar ziehe Deutschland Konsequenzen wie die Verankerung einer Schuldenbremse im Grundgesetz. Angesichts des Verhältnisses von 80 Millionen Deutschen zu sechs Milliarden Menschen auf der Welt müsse aber nun die Europäische Union erklären: "Wir verlangen, dass die Welt insgesamt nachhaltiges dauerhaftes Wirtschaften lernt, sonst stolpern wir von Krise zu Krise."

Das Wirtschaften auf Basis von Spekulation, das "zum Schluss überhaupt keine Erdung mehr gehabt" habe, müsse wieder mit der Realwirtschaft zusammengeführt werden, forderte die Kanzlerin. Dies werde dazu führen, dass die Deutschen auch ein geringeres Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen müssten. Wir hätten zuletzt "über unsere Verhältnisse gelebt", sagte Merkel. "Wir haben praktisch so eine Art Zukunftswachstum schon mal angenommen und haben so getan, als könnten wir das Geld schon ausgeben."

Die von der Union geplanten Steuersenkungen könnten Wachstum beschleunigen und seien ein "ehrlicher Plan", sagte die CDU-Vorsitzende weiter. Sie stellte eine Steuerreform mit Änderungen an der sogenannten kalten Progression bei den Steuersätzen in Aussicht. Eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der Bundestagswahl schloss Merkel jedoch kategorisch aus: "Wenn ich sage 'Nein', ist es 'Nein'." Steuererhöhungen seien "jetzt Gift, und auch in den nächsten Jahren", fügte die Kanzlerin hinzu.
(apa/red)