Wirtschaftsprognose von

Weltwirtschaft bricht ein

IWF sieht auch in Österreich deutlich schwächeres Wirtschaftswachstum

Euro zerbricht © Bild: Corbis.

Beim Internationalen Währungsfonds wächst trotz der Bemühungen der Europäer bei der Euro-Krisenbekämpfung die Furcht vor neuen Wachstumseinbrüchen. So hat er erneut seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf globaler Sicht um 3,3 Prozent zunehmen und damit 0,2 Prozentpunkte weniger noch im Juli geschätzt worden war. Für 2013 sagt der Weltwährungsfonds ein Wachstum von 3,6 Prozent voraus. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als bisher angenommen. Die Eurozone schlittert gar in die Rezession.

"Für die fortgeschrittenen Länder ist das Wachstum nun zu niedrig, als dass es eine spürbare Wirkung auf die Arbeitslosigkeit haben könnte", schrieb der Ökonom Olivier Blanchard. Generell hätten sich die Abwärtsrisiken noch einmal verstärkt und seien erheblich. Die Rede ist von einer Wahrscheinlichkeit von Eins zu Sechs, dass das globale Wachstum unter zwei Prozent liegt und die Industrieländer als Ganzes betrachtet in eine Rezession stürzen könnte.

"Der wichtigste Grund ist, dass die Politik in den wichtigsten Industrieländern es nicht geschafft hat, Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung wiederaufzubauen", hieß es in dem Bericht. Das gelte hinsichtlich der Lebensfähigkeit der Euro-Zone wie bei der Fähigkeit der USA, von ihrem hohen Schuldenberg wieder herunterzukommen.

Rezession in Europa

Die Euro-Zone sieht der Fonds mit 0,4 Prozent Schrumpfung der Wirtschaftsleistung noch minimal tiefer in der Rezession als im April erwartet. Und auch 2013 rechnet der Fonds nur mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent, ein halbes Prozentpunkt weniger als vor einem halben Jahr.

Für Deutschland blieb der Fonds zwar für dieses Jahr bei einer Wachstumsprognose von unverändert 0,9 Prozent. Für 2013 erwartet er aber den gleichen Satz, was eine Abwärtsrevision von 0,5 Prozentpunkte darstellt. Auch für Schwellenländer, wie China, Indien und Brasilien, nahm der Fonds die Schätzungen zurück.

Wachstum in Österreich

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass Österreichs Wirtschaft heuer und im kommenden Jahr deutlich langsamer wachsen wird als zuletzt - dennoch zählt Österreich zu den Wachstumskaisern der Eurozone. Während die Wirtschaftsleistung Österreichs und Deutschlands im laufenden Jahr um 0,9 Prozent zulegen soll, wird sie in den Euro-Ländern um 0,4 Prozent schrumpfen und 2013 mit einem BIP-Plus von 0,2 Prozent mehr oder weniger stagnieren.

Spürbar wachsen werden die jüngeren EU-Mitglieder und die anderen Länder Zentral- und Osteuropas. Sie werden ihre Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent steigern und im kommenden Jahr um 2,6 Prozent. In vergleichbaren Dimensionen bewegt sich auch das Wirtschaftswachstum in den USA und in Japan (2012: jeweils 2,2 Prozent).

Große Risiken

Die neue Prognose des Fonds basiert auf zwei wichtigen Annahmen. Erstens, dass die Europäer ihr neues Kriseninstrumentarium, unterstützt von der Europäischen Zentralbank (EZB), schnell umsetzen und wirkungsvoll nutzen. Und zweitens, dass die USA es vermeiden, durch automatische Steuererhöhungen und massive Ausgabenkürzungen als Folge des Erreichens einer Verschuldungsgrenze zum Jahreswechsel über eine "Finanzklippe" zu stürzen. Sollte beides nicht gelingen, müsste die Prognose erneut angefasst werden.

Als die offensichtlich größte Bedrohung der Weltwirtschaft stuft der IWF die Euro-Staatsschuldenkrise ein. Unter anderem müssten die Regierungen nun ihre Schutzschirme flexibler machen. Speziell der neue Euro-Schutzschirm ESM sollte dabei auch direkt im Bankensystem intervenieren können. Gleichzeitig müssten die Politiker die Integration vorantreiben. Dazu zählt der IWF auch die Schaffung einer Bankenunion mit einem einheitlichen Rahmen zu Gewährleistung der Finanzstabilität. Dabei müsse nach dem Grundsatz verfahren werden, dass mehr Einlagensicherheit im Währungsraum mit mehr Kontrolle gepaart sein müsse.

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