Weltweiter Schulterschluss gegen Krise: Tahlfahrt der Börsen ist vorerst gestoppt

Deutschland schnürt 470 Mrd. Euro-Rettungspaket IWF-Chef: Höhepunkt der Krise ist überschritten

Weltweiter Schulterschluss gegen Krise: Tahlfahrt der Börsen ist vorerst gestoppt © Bild: EPA/Thew

Der weltweite Schulterschluss im Kampf gegen die Finanzmarktkrise hat die dramatische Talfahrt an den Börsen vorerst gestoppt. Vertrauen vor allem in die Banken kehrte rund um den Globus zurück, nachdem Europa unter Führung Deutschlands und Frankreichs ein beispielloses Sicherheitsnetz gespannt hatte. Auch Österreich hat sich daran beteiligt.

Um die Finanzwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren, brachte die deutsche Bundesregierung ein 470 Milliarden Euro umfassendes Rettungspaket auf den Weg. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stellt Hilfen von 360 Milliarden Euro bereit. Großbritannien greift mit umgerechnet 763 Milliarden Euro ein.

Österreich schnürte ein 100 Milliarden Euro schweres Sicherungspaket. Bis zu 85 Milliarden Euro sind staatlichen Garantien, um Vertrauen zwischen den Banken wiederherzustellen. Spanien stockte seinen Notplan um 100 Milliarden Euro auf. Die Regierung in Madrid hatte bereits einen Fonds von bis zu 50 Milliarden Euro beschlossen, um Banken Finanzspritzen zu gewähren. Das italienische Kabinett billigte per Dekret ebenfalls ein Paket. "Wir werden so viel zur Verfügung stellen, wie nötig ist", sagte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti in Rom.

Britische Regierung stützt taumelnde Banken
Die britische Regierung nutzte erstmals ihren finanziellen Spielraum und stieg bei drei taumelnden Bankenriesen als neuer Großaktionär ein. Für die Royal Bank of Scotland (RBS) stehen Steuergelder von 20 Milliarden Pfund (25 Milliarden Euro) zur Verfügung. Die Niederlande übernehmen eine staatliche Bürgschaft für Kredite zwischen den Banken in Höhe von 200 Milliarden Euro.

Kursfeuerwerk an den Börsen
Von Asien über Europa bis nach Amerika stiegen die Kurse deutlich an. Der Dow-Jones-Index in New York, der DAX-Index in Frankfurt und auch der ATX in Wien hatten in der vergangenen Woche jeweils etwa ein Fünftel ihres Wertes verloren. Allein die Regierungen in Berlin, Paris und London mobilisierten zusammen dreimal soviel Geld wie die Führung der USA, wo die Krise wegen des Zockens mit faulen Hypothekenkrediten ihren Anfang genommen hatte. Die US-Regierung will der heimischen Finanzbranche mit 700 Milliarden Dollar (513 Mrd. Euro) zur Hilfe kommen.

Gemeinsames Vorgehen
Das abgestimmte Vorgehen war am Wochenende vom Treffen der 185 Mitgliedsländer des Internationalen Währungsfonds in Washington und der 15 Staats- und Regierungschefs der Eurozone in Paris ausgegangen.

Die deutsche Bundesbank lobte die Maßnahmen als solide Grundlage, um das deutsche Finanzsystem zu stabilisieren und die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten einzudämmen. Die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank sicherten zu, die Geldmärkte in Europa künftig unbegrenzt mit Dollar, der weltweit wichtigsten Leitwährung, zu versorgen. Deutschlands größte Banken, die Deutsche Bank und die Commerzbank, begrüßten das Paket, so auch die Erste Bank und die RZB.

IWF-Chef: "Europa kann gemeinsam handeln"
Für IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist der Höhepunkt der Krise überschritten. "Dank der beschlossenen Maßnahmen liegt das Schlimmste vielleicht schon hinter uns", sagte er. Der Pariser Krisengipfel habe gezeigt, dass Europa gemeinsam handeln könne. "Es ist unbedingt nötig, dass ganze (Finanz-)System zu reformieren." (apa/red)