Weltweite Proteste von

951 Städte in 82 Ländern

Auf der ganzen Welt gehen die Menschen auf die Straße

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    "Occupy Wall Street"

    Wütende Demonstranten liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie wollen ihren Platz nicht räumen.

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    "Occupy Wall Street"

    Die Polizei demonstriert in diesen Tagen Stärke. Mit massiver Präsenz sollen die Protestler an der Rückkehr gehindert werden.

„Geld regiert die Welt“ diese alte Formulierung ist auf einmal aktueller denn je. Auf der ganzen Welt kommt es heute zu Kundgebungen und Protestaktionen gegen das Finanzsystem. Nachdem die Bewegung „Occupy Wall Street“ in New York begonnen hatte und sich langsam über die ganze USA ausbreitete, strömen die Menschen von 951 Städten in 82 Ländern auf die Straßen. Inzwischen haben sich viele einzelne Gruppierungen gebildet, die sich mit den New Yorkern solidarisieren. Die Anhänger der Protestbewegung demonstrieren gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten der Welt.

Wie viele Menschen sich anschließen werden, ist noch unklar. Die Videos, Artikel und Blogs der Organisationen, die den 15. Oktober zum weltweiten Protesttag ausgerufen haben, lassen aber darauf schließen, dass es eine der größten Massen-Demonstrationen aller Zeiten werden könnte.

New York als Vorbild
Die Bewegung „Occupy Wall Street“ findet seinen Anfang am 17. September im Zuccotti-Park, der unweit des Finanzzentrums in New York liegt. Seitdem gehen jeden Tag zehntausende Amerikaner auf die Straße; immer mehr Menschen schließen sich an. Die Basis-Lager sprießen in vielen Städten nur so aus dem Boden, Protest-Märsche finden täglich statt. Was mit einem kleinen Protest begann, hat sich zu einer weltweiten Bewegung formiert. Zumindest hoffen das die Aktivisten, die sich vom 15.Oktober eine „globale Veränderung“ erhoffen, wie sie auf ihrer Website bekanntgaben.

Gemeinsame Wut auf das System
Was sie vereint, ist die Wut auf das Wirtschaftssystem. Egal, ob man von der staatlichen Stütze lebt, oder 200.000 Euro Jahresgehalt zur Verfügung hat: Keiner hält das System für gerecht. Und so werden heute nicht nur die Amerikaner auf die Barrikaden gehen. Überall solidarisiert man sich mit dem Wunsch nach einer gerechteren Welt. Auf der für den Protesttag eingerichteten Homepage heißt es: "Vereinigt in einer Stimme werden wir die Politiker, und die Finanzeliten, denen sie dienen, sagen, dass es an uns, den Bürgern, ist, über unsere Zukunft zu entscheiden. Wir sind keine Waren in den Händen der Politiker und Banker, die uns nicht vertreten."

Anfänge in der arabischen Welt
Doch wer denkt, dass die Bewegung seinen Ursprung in New York hat, liegt falsch: Bereits im Frühjahr blickten die Augen der Welt auf die arabischen Länder. Dort standen die Menschen gegen ihre Machthaber auf und ließen so Diktatur um Diktatur wie Domino-Steine umfallen. Jubelschreie gingen um die Welt, man freute sich für die Ausgebeuteten und Unterdrückten. Zwar ist man selbst von Diktatur und religiöser Unterdrückung meist meilenweit entfernt, doch auch im eigenen Land lag die Welt im Argen. Und so erreichte die Bewegung still und heimlich die westlichen Länder.

New York brachte die Bewegung in die westliche Welt
Vor vier Wochen horchte die Welt dann erneut auf, als sich erst hunderte, dann tausende Menschen in New York auf die Straßen bewegten und ihren Unmut laut äußerten. Und diese Demonstranten blieben hartnäckig. Eine Aktion folgte der nächsten. Auf einmal dachte die Welt nach, über New York, über die Missstände, über sich selbst. Darüber, dass Ausharren dann doch belohnt wird.

Auch Österreich demonstriert
Auch in Österreich wird es am heutigen Tag zu Protesten kommen. Von der Arbeiterkammer Wien bekommen die Demonstranten auf jeden Fall schon mal Zuspruch. "Ich habe volles Verständnis dafür, dass auch in Österreich Menschen mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind", sagte Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel.

Ob und was nach dem heutigen 15.Oktober passiert, bleibt ungewiss. Sicher ist nur, dass die Welt genau hinschauen wird. Somit hätten die Protestler eines ihrer Ziele schon mal erreicht, heißt es doch auf ihrer Homepage „Wir wollen, dass uns zugehört wird.“

Im Internet hat sich auf Facebook die Gruppe "occupy austria" gebildet. Die geplanten Aktionen in Steyr, Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck, Salzburg und Wien reichen von Kundgebungen über Speakers-Corners, Straßentheater bis zu Straßenbefragungen zur Frage "Was empört Sie?" An der Allianz "Wege aus der Krise" beteiligen sich nach eigenen Angaben das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Armutskonferenz, GLOBAL 2000, Greenpeace, Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung Österreich, ÖH (Österreichische Hochschülerschaft), SOS Mitmensch sowie die Gewerkschaften GdG-KMSfB, GPA-djp, PRO-GE und VIDA.

Rund 50 Wall-Street-Kritiker festgenommen
In den USA sind kurz vor dem weltweit geplanten Protesttag gegen die Macht der Finanzmärkte rund 50 Demonstranten festgenommen worden. In Denver räumten am Freitag mehr als 130 Polizisten ein Protestcamp und nahmen 23 Beteiligte fest. In New York unterblieb zwar die angedrohte Räumung des Zuccotti-Parks, bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden aber 14 Menschen festgenommen, weitere Festnahmen gab es in Seattle und Washington.


Den Auftakt für die globalen Proteste von Kapitalismuskritikern haben Demonstranten in Neuseeland und Australien gemacht. In Sydney protestierten rund 2000 Menschen - darunter zahlreiche Ureinwohner Australiens - nach dem Vorbild der Anti-Wall-Street-Bewegung in New York vor der Notenbank Australiens.