Weltweit wirklich einzigartig: Museum Gugging - Art / Brut Center öffnete Pforten

Bunt bemaltes 'Haus der Künstler' bleibt Privatsphäre Johann Feilacher hofft auf 50.000 Besucher im Jahr

Weltweit wirklich einzigartig: Museum Gugging - Art / Brut Center öffnete Pforten

Gugginger Art Brut sei "Kunst. Geschaffen von Außenseitern, Einzelgängern. Aber es ist Kunst." Staatssekretär Franz Morak (V) hob bei einer Pressekonferenz vor der Eröffnung des neuen, weltweit einzigartigen "Museum Gugging - Art / Brut Center" am Mittwoch hervor, dass es dem Arzt und Künstler Johann Feilacher gelungen sei, einen Paradigmenwechsel im Zugang zu den ursprünglich therapieorientierten Arbeiten der Gugginger Künstler herbeizuführen.

Diese Neudeutung als Kunst sei Feilacher zu danken. Und: "Wirkliche Weltkunst wird von Gugging ihren Ausgang nehmen", meinte Morak. Als er erstmals von Feilachers Museumsprojekt hörte, sei für ihn sofort klar gewesen, dass sich der Bund in Absprache mit dem Land Niederösterreich beteiligen werde.

Niederösterreichs Kulturlandesrätin Petra Bohuslav zeigte sich beeindruckt, was hier - auf dem Areal der einstigen Psychiatrie - künstlerisch tagtäglich entsteht. In diesem Fall sei Kunst auch Brücke zur Gesellschaft: "Behindert ist nur, wer behindert wird." Hochtalentiert und psychisch krank zu sein, sei kein Widerspruch. Auch die Arbeitsplätze im noch in Entstehung begriffenen Shop und der Cafeteria werden von Menschen besetzt, die "etwas anders" sind, verwies Bohuslav auf die Integration.

Als Feilacher vor 23 Jahren als Arzt in die Landesnervenklinik kam, lebten in dem von Psychiater Leo Navratil gegründeten Zentrum für Kunst-Psychotherapie 18 Personen: "Interessante Künstlerpersönlichkeiten. Und das ist auch heute noch so." Als Nachfolger Navratils benannte er die Einrichtung in "Haus der Künstler" um. Freiwerdende Plätze wurden im Lauf der Jahre nicht nachbesetzt, um die Lebensqualität der Künstler durch verbessertes Raumangebot zu heben. Heute leben zwölf Menschen im "Haus der Künstler" gleich neben dem Museumsgebäude, das nach Auflösung als Betreuungsstation für mehrfach Behinderte von der Landesregierung um einen symbolischen Schilling angemietet und ab 1997 in Eigenregie - mit Langzeitarbeitslosen - renoviert wurde.

Die im Besitz der Künstler stehende Galerie wurde eröffnet. Im Vorjahr steuerte das Land 900.000 Euro für die Adaptierung als Museum bei. Auf 1.300 Quadratmetern Fläche werden unter dem Titel "Blug" rund 400 Werke von den "Großen" wie Johann Hauser, August Walla und Johann Tschirtner (heute 86) bis zu den heute im "Haus der Künstler" lebenden Johann Fischer, Johann Garber, Franz Kernbeis, Johann Korec, Heinrich Reisenbauer, Arnold Schmidt, Günther Schützenhofer und Karl Vondal präsentiert. Ein Drittel davon stammt aus der Sammlung der gemeinnützigen Privatstiftung, der überwiegende Teil sind Leihgaben.
(apa/red)