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Weltretter von morgen

Warum es so wichtig ist, bei Kindern das Bewusstsein für Umweltbildung zu fördern

Kinder in der Natur © Bild: istockphoto

Kinder sind fasziniert von allem, was kreucht und fleucht, und sie sind überzeugt davon, dass man die Welt retten muss. Erwachsenen fehlt oft das Bewusstsein dafür. Genau darum ist Umweltbildung so wichtig.

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Einen Käfer über die Hand krabbeln lassen. Einer Ameisenstraße bis zum Ameisenhaufen folgen. Sich in der Wiese wälzen. Durch den Bach stapfen und Libellen bestaunen. Für viele Kinder sind das die Zutaten für einen perfekten Tag. "Kinder haben ein originäres Bedürfnis, in der Natur zu sein“, sagt die Umweltpsychologin Renate Cervinka. Diese Naturverbundenheit zu fördern, kann das Verhalten für viele Jahre prägen: "Was ich liebe, zerstöre ich nicht. Doch diese Liebe zur Natur muss aufgebaut werden, dazu ist Kontakt zur Natur nötig.“ Für viele Stadtkinder ist das allerdings schwierig, vor allem wenn die Eltern ganz andere Interessen haben. Denn die Naturverbundenheit nimmt bis zum Erwachsensein meist ab. Doch warum ist das eigentlich so?

"Ein Kind würde einen Käfer nicht ekelig finden oder Unkraut vernichten, wenn nicht irgendwer ‚igitt‘ dazu sagen würde“, sagt Renate Cervinka. "So verlernen die Kinder umweltbewusstes Verhalten.“ Dazu gebe es eine starke Tendenz zur Entfremdung von der Natur. Wenn die emotionale Bindung verloren gehe, habe man wenig Antrieb, die Natur zu schützen.

Doch selbst wenn Eltern und Lehrerinnen den Kindern Umweltbewusstsein vorleben und ihnen konkrete Verhaltensweisen näherbringen, lasse das Interesse in der Pubertät nach, sagt Cervinka. "Ab etwa zehn Jahren sind Kindern andere Themen, etwa Veränderungen des eigenen Körpers oder die Orientierung an Freunden, wichtig.“ Dennoch bewirke die Haltung der Eltern weiterhin etwas bei den Kindern: "Sie unterschreiben zwar die Werte der Eltern aktuell nicht mehr, aber die Verhaltensweisen sind etabliert.“ Schwierig sei es, Kinder beim Umwelt- und Klimaschutz zu halten, deren Eltern diese Themen egal seien.

Wenn die Nachtigall ruft

Das Nationalparkcamp Lobau ist ein Kinderparadies. Hier gibt es einen Zeltplatz, rundherum wuchert der Auwald, summen die Bienen, und wenn es warm genug ist, kann man in den Donau-Oder-Kanal hüpfen. Rund um das Camp gibt es eine Bienenstation, das Fledermausquartier Bat-Watch, eine Wetterstation und eine Bodenstation, an der man lernen kann, was sich unter der Oberfläche abspielt. Rund 12.000 Gäste pro Jahr kommen hierher, um zu lernen. Das Angebot richtet sich zwar an alle, doch eine wichtige Zielgruppe sind Schulkinder, die klassenweise während des Schuljahres kommen oder Feriencamps und -hort besuchen. Nächte im Zelt, rundherum die Geräusche des Waldes und die Rufe der Nachtigall, das hat schon so manches Stadtkind beeindruckt. "Wir wollen hier nicht nach Schule riechen. Man muss den Kindern die Schönheit der Natur vor Augen führen, damit sie auch die Ärmel aufkrempeln, wenn diese Schönheit bedroht ist“, erklärt Gerhard Hofer vom Verein Umwelt-Bildung-Austria und "Erfinder“ des Camps.

Allerdings sei es früher einfacher gewesen, die Familien zu erreichen. "In den 90er- und 2000er-Jahren hatten wir es mit einer Kindergeneration zu tun, in der die Umweltbewegung noch einen Nachhall hatte“, sagt Hofer. Heute fühlten sich Eltern und Kinder oft allwissend, seien es aber nicht. "Die Menschen heute haben ein Konfettiwissen, wir verlieren den generalistischen Zusammenhang, die Fähigkeit, zwischen Faktenwissen und Meinung zu differenzieren. Es gibt einen Trend zur Vereinfachung, auf viele Fragen gibt es aber keine einfachen Antworten. Die Kinder haben es sich aber abgeschaut, zu zweifeln und nicht offen zu sein.“ Oft fehle auch die Wertschätzung für Lernangebote, wie sie das Umweltcamp bietet.

Doch sind die Kinder einmal da, kann man sie auch erreichen. "Kinder aus der Stadt sind richtig geflasht, wenn sie einen Käfer oder eine Ameisenstraße sehen. Denen fehlt oft das Erleben“, sagt Pädagogin Gabriele Töscher-Urban, die die Kinder durch den Wald führt. "Wenn sie sehen, dass sie selbst etwas tun können, interessieren sie sich auch mehr für die Natur. Und wenn nur ein, zwei Kinder am Ende zu mir sagen, dass sie am Wochenende mit ihren Eltern wiederkommen wollen, dann haben wir schon viel erreicht.“ Bei manchen Kindern sei der Eindruck sogar noch nachhaltiger: "Wir haben sogar Bewerbungen von jungen Leuten, die als Kinder einmal bei uns waren.“

Initiativen wie der Klimaschutzpreis Junior (siehe Kasten rechts) können bei Kindern viel bewirken, sagt Renate Cervinka. "Sie können selbst etwas machen, sehen, wie ihre eigenen Ideen umgesetzt werden, und es winkt eine Belohnung. Das ist eine Kette von positiven Aspekten, die sozialpsychologisch wirksam ist.“ Doch es liegt am Ende an den Erwachsenen, ob sie ihren Kindern das Umweltbewusstsein austreiben, weil andere Dinge gerade wichtiger sind.

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