WM 2014 von

Weltmeister Jogi Löw:
Fußball-Olymp statt Provinz

Rausschmiss bei der Austria als Startschuss für eine der größten Teamchef-Karrieren

Jogi Löw im Portrait © Bild: GEPA pictures/ EQ Images/ Daniel Christen

Die über 200 Journalisten aus aller Welt verstehen nur Bahnhof, als ein Journalist des österreichischen Fußball-Magazins "Ballesterer" die Pressekonferenz mit dem frischgebackenen Weltmeister-Trainer mit der Frage eröffnet: "War der Rauswurf bei der Austria die größte Ungerechtigkeit, die Ihnen je widerfahren ist?" In der Stunde seines größten Triumphs antwortet Joachim "Jogi" trotzdem, mit einem Lächeln auf den Lippen: "Nachbetrachtet war es nicht die größte Ungerechtigkeit, sondern das größte Glück."

Was kaum einer im Pressesaal des Maracana-Stadions von Rio de Janeiro weiß: Das Weltmeister-Märchen von Joachim Löw beginnt tatsächlich vor zehn Jahren - im Klagenfurter Wörthersee-Stadion.

Löw taktisch nicht auf der Höhe

Rückblende: Wir schreiben den 21. März 2004, ein Sonntag. Joachim Löw ist damals Trainer der Wiener Austria und gastiert in der 26. Runde der österreichischen Bundesliga als Tabellenführer bei Schlusslicht FC Kärnten. Das Match endet mit einer blamablen 0:2-Niederlage der "Veilchen". Drei Tage später ist Löw, obwohl nach wie vor Tabellenführer, als Austria-Trainer Geschichte. Frank Stronach, der allmächtige Mäzen, Bundesliga-Präsident und Fußball-Experte dekretiert: "Der Jogi ist zwar ein netter Mensch, aber kein guter Trainer. Vor allem taktisch ist er nicht auf der Höhe der Zeit."

Löw und Stronach bei der Austria
© GEPA pictures/Helmut Fohringer Frank Stronach bewies keine gute Menschenkenntnis bei Löw

Ein kapitaler Irrtum, wie sich spätestens heute herausstellt. Aber ein Irrtum, der in den nächsten Jahren die deutsche Nationalmannschaft wieder an die Weltspitze katapultiert, mit dem Weltmeistertitel als vorläufigem Höhepunkt. Nicht auszudenken, wie die Fußballgeschichte verlaufen wäre, hätte "Big Spender" Stronach an Jogi Löw trotz der Niederlage in Klagenfurt festgehalten. In einem früheren Interview wagt sich Löw einmal als "Schwarzmaler":"Wer weiß, wie meine Karriere ohne diesen Rauswurf sonst verlaufen wäre. Vielleicht wäre ich heute Trainer in Leoben."

In Tirol Stütze in schwieriger Zeit

Erstmals in Österreich als Trainer aufgetaucht ist Löw im Oktober 2001 beim FC Tirol, als Nachfolger von Kurt Jara, der zum Hamburger SV wechselte. Löw ist nach unglücklichen Engagements in der Türkei (Fenerbahce, Adanaspor) und beim Zweitligisten Karlsruher SC gerade wieder arbeitslos. Der FC Tirol wird unter ihm überlegen Meister, ist aber am Ende der Saison pleite.

Sechs Monate lang hält der Trainer die Spieler bei Laune, obwohl die keinen Cent von der Vereinsführung kassieren. Michael Baur, Führungsspieler in Tirol und heute selbst Trainer bei Bundesligist Grödig: "Nicht nur fachlich habe ich Jogi Löw als Top-Trainer erlebt, er hat in unserer schwierigen Situation vor allem menschlich herausragende Qualitäten unter Beweis gestellt."

Was weitere Weggefährten wie Zoran Barisic oder Ivica Vastic vom Weltmeister-Trainer halten und wie Frank Stronach doch noch eine gute Entscheidung getroffen hat, lesen Sie im neuen NEWS im Zeitschriftenhandel oder als E-Paper Version.

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