Weltcupfinale Schladming von

Packt's Marcel Hirscher?

Über 25.000 Fans werden den Salzburger anfeuern. 75 Punkte fehlen ihm auf Beat Feuz.

Weltcupfinale Schladming - Packt's Marcel Hirscher? © Bild: Reuters/Ebenbichler

Nur 75 Punkte fehlen Marcel Hirscher in der Weltcup-Gesamtwertung auf den Schweizer Beat Feuz. Der Duell mit Feuz eine perfekte Position beschert. Hirscher wäre der erste Österreicher seit Benjamin Raich, der 2006 den Weltcup-Gesamtsieg feiern konnte.

Vier Weltcupsieger haben Österreich und die Schweiz bisher gestellt. Das Duell Hirscher gegen Beat Feuz entscheidet also auch darüber, welche der beiden großen Ski-Nationen als erste einen Fünften hat. Und während bei den Damen längst alles entschieden ist, gibt es bei den Herren Dramatik bis zum Schluss. Nach Platz zwei in der Abfahrt und 135 Punkten Vorsprung schien am Mittwoch schon alles zugunsten von Feuz gelaufen zu sein, nur 24 Stunden später war nach dem Out des Schweizers im Super-G aber schon wieder alles ganz anders.

Nach 42 von 44 Einzel-Wertungen hat Hirscher nur noch 75 Punkte Rückstand und bei der verbreiteten Annahme, dass Speed-Spezialist Feuz im Riesentorlauf heute (10.00/12.30 Uhr) nicht mehr punktet (im Slalom startet er nicht), würde Hirscher ein zweiter Platz (80 Punkte) zum Kugelgewinn reichen. "Dafür habe ich zwei Chancen. Aber ich habe das Rechnen satt. Das tun wir seit Jänner und wissen jetzt noch immer nicht, wie es ausgeht", versuchte sich der 23-jährige Jungstar vor seinem bisher wichtigsten Renn-Wochenende nicht ablenken zu lassen.

Riesentorlauf-Wertung im Vorbeigehen
Am Freitag trainierte "Heimschläfer" Hirscher mit dem Team und nahm dabei auch die letzten Abstimmungsarbeiten vor. Heute geht es bekanntlich auch noch um die Riesentorlauf-Kugel und hier scheint bei satten 92 Punkten Vorsprung auf Ted Ligety (USA) die Aufgabe für Hirscher wesentlich einfacher zu sein. Alleine: Er braucht so viele Punkte wie nur möglich für die Gesamtwertung, also muss er auch hier volles Risiko gehen.

Aber das liegt dem Draufgänger ohnehin am besten. Auf eine "Zitterpartie" im abschließenden Slalom am Sonntag würde man gerne verzichten, denn dieser Bewerb ist der risikoreichste, ein Ausfall ist schnell passiert. Zudem bekommen beim Finale nur die Top 15 Punkte.

Berthold trauert Super-G-Sieg nach
"So gesehen schmerzen die sechs Hundertstel Rückstand im Super-G schon", bedauerte ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold einen knapp verpassten Hirscher-Sieg und damit weitere 40 Punkte. "Wir sollten aber nicht vermessen sein. 60 Punkte für Marcel und keine für Beat, das hätten wir vorher um viel Geld gekauft", wollte Berthold nicht maßlos sein.

Dass selbst ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel von einem Super-G-Start abgeraten hatte, sah Berthold nicht so tragisch. "Ihm liegt der Bub halt am Herzen, er wollte einfach kein Risiko eingehen."

Nervenschlacht im Slalom?
Sollte es tatsächlich erst am Sonntag im - auf dem Damenhang und nicht auf Hirschers Nachslalom-Siegerstrecke gefahrenen - Slalom um alles gehen, schafft das natürlich einen speziellen Nervenkitzel. "Im Slalom passiert ein Ausfall noch schneller als in den anderen Bewerben", hofft auch Berthold, dass Hirscher schon im Riesentorlauf alles klar macht.

Laut Berthold hat Hirscher aber selbst im Slalom noch Reserven. "Ich habe bei ihm noch ganz selten einen Slalom gesehen, bei dem er im Rennen hundert Prozent gefahren ist. Er gibt sich eher eine gewisse Sicherheit", so sein überraschender Hinweis.

Ein würdiger Sieger
Unter dem Strich gibt es am Wochenende auch für Berthold "viel zu gewinnen und zu verlieren". Man solle sich daher nicht allzu viele störende Gedanken machen. "Es dreht sich ohnehin jeden Tag." Hirscher wäre auch für den Vorarlberger - natürlich - ein würdiger Weltcup-Gesamtsieger. "Weil er über die Saison gesehen der Beste war."