Weltcup in Wengen von

"Erfüllung eines Bubentraumes"

Schweiz feiert Feuz. Nach Sieg in Lauberhorn-Abfahrt wartet nun die Streif.

Weltcup in Wengen - "Erfüllung eines Bubentraumes" © Bild: APA/EPA

Die Schweiz feiert ihren neuen Ski-Helden Beat Feuz. Der 24-Jährige hat sich am Samstag mit dem Sieg in der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen ein Denkmal gesetzt. Und das nur wenige Kilometer von der Engstligenalp entfernt, wo Feuz vor 17 Jahren bei einem Sprung stürzte und danach mit zwei gebrochenen Fersen drei Monate im Rollstuhl sitzen musste. Umso größer war die Freude des Emmentalers nach seinem bisher wichtigsten Triumph: "Das war die Erfüllung eines Bubentraumes."

Nun gilt Feuz naturgemäß als heißer Siegkandidat für den nächsten Abfahrts-Paukenschlag in Kitzbühel. Und für Feuz wäre auch Platz eins in Kitz fast wie ein Heimsieg, schließlich ist seine Freundin, die ehemalige ÖSV-Läuferin Katrin Triendl, aus Oberperfuss und damit Tirolerin. Der frisch gebackene Lauberhorn-Champion könnte schon bald zum Innsbrucker werden. Das Paar, das sich 2007 bei der Junioren-WM in Zauchensee gefunden hat, will sich nämlich eine Wohnung in der Tiroler Landeshauptstadt suchen.

Vorsichtig optimistisch für Kitz
"Wenn alles klappt, werden wir im Sommer in Innsbruck eine gemeinsame Wohnung beziehen", bestätigte Feuz, dass er schon bald den elterlichen Bauernhof in Schangnau verlassen wird. Auch für Kitz zeigte sich Feuz vorsichtig optimistisch: "Ich hoffe, dass ich ein kleines Wörtchen mitreden kann." Schweizer Erfolge haben auf der Streif mittlerweile fast schon Tradition, seit 2008 hat es mit Didier Cuche (dreimal) und Didier Defago vier Siege in Folge gegeben.

Die Eidgenossen geben auch in diesem Winter bisher klar den Ton in den schnellen Bewerben an, drei Siege in der Abfahrt und zwei im Super-G sprechen eine deutliche Sprache. Österreich wartet hingegen seit 2006 (Michael Walchhofer) auf einen Kitz-Erfolg und in dieser Saison noch immer auf einen Sieg in den Speed-Disziplinen.

Reichelt: "Feuz ist in großartigen Form"
"Feuz ist in einer großartigen Form, sein Selbstvertrauen ist gewaltig. Kitzbühel ist etwas für technisch starke Läufer, und zu denen gehört er. Feuz ist sicher einer der Topfavoriten", meinte Österreichs Abfahrts-Aufsteiger Hannes Reichelt, der als Wengen-Zweiter sein bisher bestes Resultat in dieser Disziplin eingefahren hat.

"Feuz schwebt auf einer Welle dahin. Und in Kitzbühel sind jene Leute die Favoriten, die davor Rennen gewonnen haben und selbstsicher sind", merkte auch Romed Baumann, in Wengen Achter, an. ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold zählt Feuz ebenfalls nun zum Kreis der Favoriten auf der Streif, der Vorarlberger rechnet aber auch mit Cuche, Bode Miller und Aksel Lund Svindal, im erweiterten Favoritenkreis sieht er seine Schützlinge Klaus Kröll und Reichelt.

Gute Startnummer für Reichelt
Dank seiner starken Ergebnisse ist Reichelt mittlerweile in die ersten 15 der Abfahrts-Weltrangliste geklettert, das garantiert dem 31-Jährigen für Kitzbühel eine gute Startnummer. "Reichelt entwickelt sich in der Abfahrt super", meinte Berthold. Das ist natürlich kein Zufall. Reichelt hat in der Vorbereitung stark auf die schnellen Disziplinen gesetzt und war beim sommerlichen Abfahrer-Camp in Portillo/Chile dabei. Der Radstädter trainiert aber genauso auch mit der Gruppe der ÖSV-Riesentorläufer mit, deshalb gelingt ihm auch der Spagat zwischen den verschiedenen Disziplinen ausgezeichnet.

"Das ist eine sehr, sehr gute Lösung für ihn", sagte Berthold. Mit Baumann und Kröll (6.) war der Herren-Boss durchaus zufrieden, mit Joachim Puchner (25.), Georg Streitberger (26.) und Mario Scheiber (40.) hingegen nicht. "Sie sind einfach schlechte Rennen gefahren." Die zahlreichen jungen ÖSV-Abfahrer haben nach Ansicht Bertholds aus der längsten Abfahrt des Weltcups eine wichtige Lehre gezogen: "Sie waren allesamt nach der Super-Kombi leer. Da haben sie gesehen, warum man im Sommer Kondition trainiert und wie viel Luft in diesem Bereich noch nach oben frei ist."