Weltall von

Mein Haus am Mars

Das größte Projekt des 21. Jahrhunderts: Die Besiedlung des roten Planeten.

  • Bild 1 von 5 © Bild: Bryan Versteeg/www.spacehabs.com

    Es ist erklärtes Ziel der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA: dass Menschen auf dem Mars landen, dort Forschungsstationen errichten und permanent leben werden. Ein ehrgeiziges Projekt, das schon in den nächsten Jahrzehnten realisierbar sein dürfte.
    Weiter: Die Zukunft im Weltall in 3D!

  • Bild 2 von 5 © Bild: Bryan Versteeg/www.spacehabs.com

    Aufgrund der geringen Mars-Temperatur wird Obst und
    Gemüse in Gewächshäusern gezüchtet.

Das Haus, es wirkt wie einem Designkatalog entsprungen: Eine knapp 20 Meter hohe Glaskuppel spannt sich da über einer Empfangshalle, in deren Mitte Bäume und exotische Blumen wachsen. Nebenan ein idyllischer Garten mit Seerosen-Badeteich und schließlich die in edlem Weiß gehaltenen Schlafräume der Bewohner. Freilich: Jene Behausung, die Bryan Versteeg entwickelt hat, befindet sich nicht auf irdischem Boden, sondern auf dem Mars – 228 Millionen Kilometer entfernt.

THEMEN:

Die „Space Habs“ (Weltall- Siedlungen) des kanadischen Grafikdesigners sind alles andere als Science-Fiction eines Hollywood-Blockbusters oder Hirngespinste eines überdrehten „Star Wars“-Fans. Denn die Besiedelung des Roten Planeten durch den Menschen wird noch in diesem Jahrhundert stattfinden. Ein Ziel, dem am Montag, dem 6. August 2012, ein kleines Gefährt mit dem Namen „Curiosity“ („Neugierde“) einen entscheidenden Schritt näher gekommen ist. An jenem Tag landete, um 6.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, der 900 Kilogramm schwere Rover der amerika nischen Raumfahrtbehörde NASA nach einem acht Monate langen Flug durch das Sonnensystem.

Die Mission des Gefährts von der Größe eines Kleinwagens: geologische Analysen und Aufnahmen der Mars- Oberfläche, um festzustellen ob und in welcher Form dort Leben existiert. Das langfristige Vorhaben der Forscher geht jedoch viel weiter: die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass in den kommenden Jahrzehnten Menschen den Mars betreten und Forschungsstatio nen errichten können.

Leben auf dem Mars?
Fest steht: Der Mars ist unter allen Planeten unseres Sonnensystems der mit Abstand geeignetste für solch ein Projekt. Seine Atmosphäre ist zwar mit knapp einem Prozent im Vergleich zu jener der Erde sehr dünn und außerdem kohlendioxidlastig – bietet aber ausreichend Schutz vor kosmischer Strahlung sowie den intensiven Einwirkungen der Sonne. Die einzige Bedingung für einen Spaziergang durch die charakteristisch rote Dünenlandschaft: Zukünftige Mars-Bewohner werden sich nur mit einem speziellen Raumanzug außerhalb einer Behausung aufhalten können.

Mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von –23 Grad ist das Leben auf dem Planeten für den Menschen dennoch weit eher möglich als auf der 400 Grad heißen Venus oder dem Mond mit seinen wechselnden Temperaturen zwischen 130 und –160 Grad. Hinzu kommt, dass der Mars Jahreszeiten und einen durch die Sonne geregelten 24-Stunden-Tag („Sol“) besitzt. Lediglich die Zeit vergeht hier weit langsamer als auf der Erde: Ein Mars-Jahr dauert fast doppelt so lange wie ein terrestrisches.

Doch wann wird der erste Astronaut seinen Fuß auf den Zwilling der Erde setzen können? Die 2004 von USPräsident George Bush verkündeten Pläne, noch vor 2030 eine amerikanische Mars-Station zu errichten, scheinen aufgrund massiver Budgetkürzungen im amerikanischen Raumfahrtprogramm ebenso wenig realistisch wie das ambitionierte Vorhaben des holländischen Unternehmens Mars One, im Jahr 2023 rund 40 Raumfahrer zum Mars zu schicken. „Man kann damit rechnen, dass der erste Mensch den Planeten bis zum Jahr 2050 betreten wird. Bau und Besiedelung einer Raumstation werden dann weitere Jahrzehnte dauern“, er läutert Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Faszination Roter Planet.
Einer, der sowohl die Expedition der amerikanischen „Curiosity“ als auch die Zukunftspläne der NASA genauestens verfolgt, ist jener Mann, der als erster und bislang einziger Österreicher den Blauen Planeten von oben sehen durfte: Franz Viehböck. 1991 flog der Elektrotechniker als Raumfahrer im Rahmen des sowjetischösterreichischen Forschungsprojekts „Austromir“ ins Weltall, hielt sich 7 Tage und 22 Stunden lang in der russischen Raumstation Mir auf. „Das Weltall“, so Viehböck, „birgt Geheimnisse unseres Ursprungs. Und genau das hat die Menschheit schon immer fasziniert.“

Reise ohne Wiederkehr.
Doch wie stellt sich die NASA die zukünftige Versorgung der Marsianer vor? Die Pläne der Forscher: Atomreaktoren sorgen für Energieversorgung und Wasseraufbereitung, aufgrund des wenig fruchtbaren Bodens werden Gemüse und Obst in Glashäusern gezüchtet. Alle 26 Monate wird ein Transporter landen, um die Wissenschaftler mit Medikamenten und Forschungsequipment zu versorgen.

So detailliert die Pläne der NASA-Experten sind, ein Problem konnte bis dato nicht gelöst werden: jenes der Rückkehr. Denn die Reise zum Himmelskörper dauert zwischen sechs und zehn Monate. Astronauten wären dabei lange der radioaktiven Allstrahlung ausgesetzt, das Krebsrisiko würde sich bei einer Rückkehr verdoppeln. Mit ein Grund, warum Experten dafür plädieren, dass die ersten Astronauten nicht mehr zurückkehren. Die Reise zum Roten Planeten – zumindest anfangs eine Mission ohne Wiederkehr.

Kommentare