Warum die Welt keine
Zeitzonen mehr braucht

Unser heutiges Zeitzonen-System ist extrem kompliziert und politisch missbraucht

Die Einteilung der Welt in die unterschiedlichen Zeitzonen hat oft wenig mit natürlichen Gegebenheiten zu tun, dafür viel mit Politik. Logisch zu durchschauen ist sie nicht. Zwei US-Wissenschaftler fordern überhaupt die Abschaffung von Zeitzonen und eine weltweit einheitliche "Universalzeit".

von Radikale Idee - Warum die Welt keine
Zeitzonen mehr braucht © Bild: 2014 Getty Images

China und Afghanistan haben eine 76 Kilometer kurze gemeinsame Grenze. Die Region ist gebirgig, schwer zugänglich und generell eher kein Touristen-Hotspot. Wer jedoch die Reise wagt, kann dort beim Überqueren der Grenze etwas Besonderes erleben: Einen Dreieinhalb-Stunden-Zeitsprung. Um so viel liegen die beiden hier aneinander grenzenden Zeitzonen auseinander. Kommt man von der afghanischen Seite, hat man plötzlich dreieinhalb Stunden verloren, kommt man von der chinesischen, hat man sie gewonnen. Es ist der weltweit größte Sprung an einer Zeitzonen-Grenze. Und es leuchtet ein, dass das mit dem jeweiligen Stand der Sonne nichts mehr zu tun haben kann.

Zeitzonen als politischer Spielball

Das ist sicherlich ein Sonderfall. Aber dass die amtliche Zeit nicht immer der Sonnenzeit entspricht, ist im Zeitzonen-System unvermeidbar. Zeitzonen sind Kompromisse. Sie umfassen oft riesige Gebiete, in denen die Sonnen natürlich nicht überall zur gleichen Zeit auf- und untergeht. Zeitzonengrenzen sind meist Staatsgrenzen. Dass die natürliche Zeit nicht an einer willkürlich gezogenen Linie "einen Sprung macht", ist klar. Trotzdem könnten auch Zeitzonen logischer gestaltet sein, als sie es heute (vielfach) sind. Denn Staaten legen ihre jeweiligen Zeitzonen unabhängig voneinander fest, ohne internationale Koordinierung. Manchmal wurde die Zeit deshalb sogar zum politischen Spielball.

2015 entschied sich Nordkorea, seine eigene Zeitzone, die "Pjöngjang-Zeit", zu schaffen. Landesweit ließ das Regime die Uhren eine halbe Stunde zurückstellen, um aus Anlass der 70-jährigen Befreiung von japanischer Herrschaft nicht mehr dieselbe Zeit wie die Japaner zu nutzen. Bereits 2007 verordnete Venezuelas Präsident Hugo Chávez seinem Land eine eigene Zeitzone, was er als "Schlag gegen den US-Imperialismus" feierte. 2016 gab das Land die eigene Zeit dann wieder auf. Das riesige China besteht nur aus einer einzigen Zeitzone, während Russland auf denselben Breitengraden sechs Zonen unterbringt. Nepal ist das einzige Land der Welt, das eine um 45 Minuten abweichende Zeitzone hat. Die Hälfte des Jahres gibt es sowieso weitere Verwirrung, da die meisten Staaten keine Sommerzeit kennen.

Eine einzige Zeit für alle

Kann oder soll man dieses Chaos irgendwie reparieren? Zwei amerikanische Wissenschafter meinen: Nein. Der Ökonom Steve Hanke und der Physiker Dick Henry, beide Professoren an der Johns Hopkins University, wollen Zeitzonen überhaupt abschaffen. Ihr radikaler, aber sehr einfacher Vorschlag: Eine einzige Zeit auf der ganzen Welt, die "Universalzeit". Wenn es 12 Uhr mittags in Wien ist, soll es auch 12 Uhr in New York, Riad und Tokio sein. Entsprechen soll die neue Weltzeit der bisherigen Coordinated Universal Time (UTC), die sich nach dem durch London verlaufenden Nullmeridian richtet. Für die Briten würde sich ihre Zeit also gar nicht ändern. Auch in Österreich wären die Auswirkungen gering, da die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) nur eine Stunde von der UTC abweicht.

Auf anderen Kontinenten wäre die Umstellung eine größere. In Sydney würde die Nacht zum Tag werden und um 7 Uhr die Sonne untergehen, in New York müsste man mittags aufstehen und um Mitternacht zu Abend essen. Letztlich seien das aber nur Zahlen, argumentieren Hanke und Henry. Bis Menschen aber in den neuen Zeiten denken, würde es viele Jahre oder gar ein paar Generationen dauern. Im Gegenzug würden wir aber alle von der Vereinheitlichung profitieren, vor allem über die Vorteile für die weltweit vernetzte Wirtschaft, sagen die Wissenschafter. Im Flugverkehr sei eine weltweit einheitlich Zeit schon heute üblich. Und vor allem vergessen die Menschen laut ihnen oft eines: Zeitzonen sind eine relativ neue Erfindung. Sie kamen erst vor rund 150 Jahren mit dem Eisenbahnverkehr auf.

Kommentare

Ich finde diese Idee super. Die Wissenschaftler haben völlig recht: es sind nur Zahlen. Und dann würde endlich der Blödsinn mit der Sommerzeitumstellung aufhören.

strizzi1949

Was rauchen diese Idioten? 12 Uhr Mittags bei uns bei Sonnenschein wäre dann in Australien mitten in der Nacht! Blöder gehts sicher nicht mehr! Und die kriegen auch noch bezahlt für so einen Unsinn!

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