Welt wächst jährlich um 80 Mio. Menschen: 98% des Wachstums in Entwicklungsländern

Ins sechs Jahren wird 7 Milliarden-Marke geknackt

Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um die Größe Deutschlands. Aus dem Daten-Report 2006 der Deutschen Stiftung Weltwirtschaft (DSW) geht hervor, dass jährlich rund 80 Millionen Menschen hinzu kommen. Mitte des Jahres lebten so viele Menschen wie nie zuvor auf der Erde - knapp 6,6 Milliarden.

Doch die Zahlen können nicht unterschiedlicher sein: Während Europa vergreist und jedes Jahr 900.000 Menschen verliert, wächst die Bevölkerung in den Entwicklungsländern immer noch rasant - vor allem in Afrika.

98% des Wachstums in Entwicklungsländern
"Der Kontinent kann sich so nicht aus der Spirale der Armut befreien", sagte die DSW-Vizegeschäftsführerin Renate Bähr. Denn das Wachstum beschleunige die Armut zusätzlich. Bürgerkriege würden zunehmen, die Migration anschwellen. "Aus der Not heraus werden die Menschen vor allem in den Mittelmeerraum drängen." 98 Prozent des Weltwachstums finden mittlerweile in den Entwicklungsländern statt. In sechs Jahren erwarten die Experten, dass die Marke von sieben Milliarden Menschen weltweit überschritten wird.

In absoluten Zahlen gesehen hat Asien bis 2050 den größten Zuwachs: Insgesamt wird dort die Bevölkerung von heute knapp 4 Milliarden auf rund 5,3 Milliarden Menschen wachsen. Vor allem Indien holt stark auf. "Es wird in rund 30 Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde sein und China demographisch überrunden", sagte der Bielefelder Bevölkerungswissenschafter Herwig Birg. Indien hat heute etwa 1,1 Milliarden Einwohner, China 1,3 Milliarden.

Deutschland hingegen schrumpft
Unterdessen schrumpft Deutschland um 0,2 Prozent im Jahr. Ein Vergleich: Die Bundesrepublik und Äthiopien haben heute fast gleich viele Einwohner. Doch 2050 wird Deutschland nicht mehr 82 Millionen Einwohner haben, sondern rund sieben Millionen weniger. In dem afrikanische Land dagegen wohnen dann fast doppelt so viele Menschen wie heute. Während eine deutsche Frau durchschnittlich nur noch 1,3 Kinder bekommt, gebären Frauen in Äthiopien 5,4 Kinder. Im Kongo oder Tschad sind es im Durchschnitt sogar 6,7.

Aber schon heute lebt nach dem Report weit mehr als die Hälfte der Menschen in Entwicklungsländern von weniger als zwei Dollar am Tag, vor allem im südlichen Asien und in Afrika. Die ohnehin armen Länder müssen immer mehr Menschen mit Bildung, Straßen, Energie und Nahrung versorgen. "Allein in Uganda wird sich die Bevölkerung bis 2050 vervierfachen", sagte Bähr. In manchen ländlichen Gebieten hätten bald mehr als ein Drittel der Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser.

Doch es geschieht wenig, den Bevölkerungswachstum in armen Ländern zu stoppen. So ist die Versorgung mit Verhütungsmitteln schlecht, geht aus dem UN-Weltbevölkerungsbericht 2005 hervor. Auf einen Mann in einem Entwicklungsland kommt pro Jahr nur ein Kondom aus Geldern von Hilfsprogrammen. "Das ist eine richtige Kondom-Krise", sagte Bähr. Die Absprachen in den Ländern seien schlecht, die Kondome würden falsch gelagert.

Die Massenkrankheit Aids verbreite sich so weiter. Im vergangenen Jahr lebten 38,6 Millionen Menschen weltweit mit dem tödlichen Virus. "Besonders stark betroffen ist das südliche Afrika. Dort sind fast 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung infiziert", sagte Bähr.
(APA/red)