"Die Welpenmafia" von

Millionengschäft mit dem Mitleid

Buchautoren klären über den illegalen Handel mit den todgeweihten Hundebabys auf

  • Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
    Bild 1 von 8 © Bild: VIER PFOTEN/Marcus Mueller/Hansanord Verlag

    Tausende Welpen werden jährlich unter schrecklichsten Bedingungen in Osteuropa gezüchtet und bei uns illegal verkauft.

  • Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
    Bild 2 von 8 © Bild: VIER PFOTEN/Hansanord Verlag

    Oft werden die kranken und viel zu früh von der Mutter getrennten Welpen einfach im Kofferraum transportiert.

Sie sind süß, hilflos und todkrank: 100.000 bis 200.000 Hundebabys werden jährlich aus Osteuropa nach Deutschland und Österreich geschleust. Und aufgrund der hohen Nachfrage verdienen die illegalen Welpenhändler ein Vermögen. "Die Tiere sind im Grunde zu Krankheit und Tod verurteilt", sagt Rechtsanwalt Volker Schütz. Er hat gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Gerda Melchior, und dem RTL-Anwalt Christopher Posch das Buch "Die Welpenmafia - Wenn Hunde nur noch Ware sind" geschrieben. Im Interview mit NEWS.AT klärt das Autorenduo Schütz und Melchior darüber auf, wie das schmutzige Geschäft funktioniert und warum man auf keinen Fall kaufen sollte - auch nicht aus Mitleid.

NEWS.AT: Wie ist es zu dem Buch „Die Welpenmafia – Wenn Hunde nur noch Ware sind“ gekommen?
Volker Schütz: Christopher Posch hatte in seiner Kanzlei einen authentischen Fall. Dadurch ist er auf diese ganze Sache aufmerksam und neugierig geworden. Er hat festgestellt, dass es gar kein Einzelfall ist. Nach der Veröffentlichung des Falles in der RTL-Sendung „Christopher Posch – Ich kämpfe für Ihr Recht“ haben sich viele Leute gemeldet und gesagt, das ist uns auch passiert. Daraus ist die Idee entstanden, das Buch zu schreiben.

NEWS.AT: Wer oder was ist die Welpenmafia?
Schütz: Es ist keine Organisation, sondern ein Netzwerk von Vermehrern (illegale Züchter; Anm. der Redaktion) und Transporteuren. Der Schwerpunkt liegt in den osteuropäischen Staaten wie Ungarn, Tschechien, Rumänien und der Slowakei. Die Hunde werden in Käfige gesteckt und dann fahren die Transporteure in Kleinlastern munter quer durch Europa, ohne Futter und ohne Wasser. Verluste werden einkalkuliert. Was nicht überlebt, landet dann irgendwo in der Mülltonne. Dann gibt es noch die Zwischenhändler. Sie übernehmen die Welpen und verkaufen sie hier unter den verrücktesten Ausflüchten. Sie sagen zum Beispiel: „Meine Mutter wohnt weit weg und liegt krank im Bett. Das ist jetzt der letzte Welpe aus dem Wurf, den sie noch unbedingt loswerden will. Treffen wir uns beim McDonalds-Parkplatz.“

NEWS.AT: Inwieweit sind die Käufer selbst schuld daran, dass das Geschäft blüht?
Schütz: Es sind nur die Käufer, die dieses Geschäft am Laufen halten. Würde niemand mehr einen Welpen von illegalen Händlern kaufen, wäre das der Idealfall. Aber das ist unmöglich zu erreichen. Wenn man jedes Jahr hundert Welpen retten kann, dann ist das schon ein Erfolg. Schätzungsweise kommen zwischen 100.000 und 200.000 Welpen jährlich im deutschen Raum aus dubiosen Zuchten.

»„Nur drei von zehn Welpen überleben“«

NEWS.AT: Wie hoch sind die Überlebenschancen von solchen Hundebabys?
Gerda Melchior: Von zehn Welpen überleben vielleicht drei. Die Käufer holen sich ein krankes Bündel Hund. Viele tragen die ansteckenden Krankheiten Staupe und Parvovirose in sich.

NEWS.AT: Woran kann der potenzielle Käufer erkennen, dass es sich nicht um einen legalen Verkauf handelt?
Schütz: Der erste Kontakt ist schon entscheidend. Wenn ein Hund über eine Kleinanzeige angeboten wird, egal ob in der Zeitung oder im Internet, ist das bereits verdächtig. Man muss das, was dort angeboten wird, prüfen, auch bei Welpen. Wenn einem irgendwo auf einem Parkplatz das kleine verdreckte stinkende Bündel entgegengehalten wird, dann kommt automatisch der Beschützerinstinkt hoch. Das Geld wird bezahlt und es wird nicht weiter darüber nachgedacht. Da setzt irgendwo der Verstand aus. Es hilft nichts, wenn man sich denkt, diesen einen Welpen zu retten. Denn der Händler freut sich über den Verkauf, fährt nach Hause und wird zwei weitere nachzüchten.

Melchior: Wie es sein soll, ist ganz einfach erklärt: Die legalen Züchter haben eine Homepage. Dort ist vom A-Wurf (der erste Wurf einer Hündin; Anm. der Redaktion) bis zum H-Wurf alles dokumentiert, inklusive Stammbäume und Fotos der Welpen. Die Züchter haben eine Adresse und eine Telefonnummer angegeben. Ein seriöser Züchter lädt einen mindestens zweimal zu sich nach Hause ein. Dort sieht man wie der Hund aufwächst, man sieht das Umfeld in dem der Hund groß wird. Dann erst sucht man sich einen Hund aus. Und der Züchter macht einen auch darauf aufmerksam, wenn der Hund nicht zu einem passt. Man wird beraten. Wenn der Hund einmal ein Problem hat, hilft der Züchter. Kein Mensch kauft sich auf einem Markt ein Handy aus einer Kiste mit dutzend anderen Geräten, warum macht man es bei einem Hund?

NEWS.AT: Der günstige Preis wird oft als Grund angegeben.
Melchior: Das ist das Problem. Viele Menschen sagen sich, wieso soll ich 1.000 Euro oder mehr für einen Hund ausgeben, der ist doch nicht für die Zucht, ich will ihn nur zum Liebhaben. Sie glauben, sie ersparen sich 700 Euro, aber das tun sie nicht. Sie müssen den Hund letztendlich zum Tierarzt hintragen. Die Kaufverträge sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Filmaufnahmen von „Vier Pfoten“ zeigt, wie diese Hunde gefüttert werden. Die Hunde bekommen ihre toten Geschwister zu fressen.

»„Die Hündinnen werden regelrecht vergewaltigt“«

NEWS.AT: Woher kommt der Nachschub an Welpen?
Schütz: Es sind ja nicht nur die Welpen, die leiden und sterben. Vielmehr sind noch die Hündinnen und Rüden betroffen, die dafür sorgen, dass Nachschub kommt. Das war in der Öffentlichkeit noch nie so richtig ein Thema. Wir haben uns deshalb gesagt, man muss auch das Martyrium dieser Hunde einmal darstellen. Die Tiere leben wirklich ihr Leben lang im Dreck, sehen kein Sonnenlicht, betreten niemals eine grüne Wiese oder tollen herum, sondern müssen immer dafür sorgen, dass genügend Nachschub da ist. Die Hündinnen werden regelrecht vergewaltigt, damit sie wieder trächtig sind.

NEWS.AT: Oftmals werden die Welpen illegaler Händler als „reinrassig“ angepriesen. Wie wahrscheinlich ist das?
Schütz: Man kann nicht davon ausgehen, dass die Welpen reinrassig sind. Das Schlimme ist, dass dort auch Inzucht herrscht. Dadurch vererben sich Krankheiten weiter. Diese Hunde sind außerdem nicht geimpft und gechipt. Durch die schwachen Muttertiere bekommen sie auch nicht die entsprechenden Immunstoffe über die Muttermilch mit. Während ein seriöser Züchter seine Hündin nur drei bis viermal im Leben decken lässt, weil es einfach Kraft kostet, sind diese Hündinnen dauerträchtig. Normalerweise werden die Welpen mindestens acht Wochen lang gesäugt. In diesen Fällen werden die Welpen nach vier Wochen schon weggenommen. Das bedeutet noch weniger Immunstoffe. Die Tiere sind im Grunde zu Krankheit und Tod verurteilt.

NEWS.AT: Welche Rassen sind besonders beliebt?
Melchior: Gefragt sind Rassehunde, angefangen vom Schäferhund bis zum Goldenretriever. Vor allem kleine Hunde wie Malteser, Havaneser, Chihuahuas, der Mops oder Cocker Spaniel sind beliebt.

NEWS.AT: Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat in Wien vor kurzem illegale Welpenhändler auffliegen lassen. Was kann man tun, wenn man bei einem Verkaufsgespräch Verdacht schöpft?
Melchior: Die Polizei rufen oder „Vier Pfoten“ verständigen. Nur auf Verdacht kann die Polizei nicht handeln.

»„Tierärzte verdienen an kranken Hunden“«

NEWS.AT: In Ihrem Buch erhebt der Wiener Tierarzt Martin Gasperl schwere Vorwürfe gegen Kollegen. Inwieweit sind auch Tierärzte in Österreich in diese Machenschaften verwickelt?
Schütz: Martin Gasperl beschäftigt sich schon seit rund 20 Jahren mit diesem Thema. Er hat bereits Kollegen angezeigt, weil sie Blanko-Impfpässe ausgestellt haben. Es gibt Tierärzte die sich denken, dass man an den kranken Hunden noch etwas verdienen kann.

NEWS.AT : Welche Strafe erwartet illegale Welpenhändler?
Schütz: In den meisten Fällen passiert außer einer Geldbuße gar nichts. Die Strafe, die in solchen Fällen eventuell verhängt wird, nehmen diese Leute innerhalb von zwei Tagen wieder ein. Es gibt zwar die entsprechenden Gesetze, aber es wird nicht ausreichend kontrolliert.

NEWS.AT: Wie kann man der Welpenmafia beikommen?
Schütz: Nichts kaufen, wenn der Verdacht besteht, dass der Welpe von einer dubiosen Quelle stammt. Man muss immer damit rechnen, dass man ihn zwei oder drei Tage später nicht mehr hat.

Melchior: Diese Hunde werden für die Stunden des Verkaufs mit Antibiotikum aufgepäppelt. Dadurch machen sie einen fitteren Eindruck. Der Käufer ist in dem Moment nur auf den Hund fixiert. Er will ihn billig kaufen oder retten. Und schon ist man in dem Netz gefangen und kommt nicht mehr heraus.

Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag Autor Christopher Posch
Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag Das österreichisch-deutsche Autorenduo Gerda Melchior und Volker Schütz
Die Welpenmafia - Zigtausende Hundebabys werden illegal verkauft.
© Hansanord Verlag

Das Buch:
Christopher Posch, Gerda Melchior, Volker Schütz: „Die Welpenmafia. Wenn Hunde nur noch Ware sind“ Hansanord Verlag, 2013
320 Seiten, 19,99 Euro.

Kommentare

fuerTiere

Tierschützer schätzen den Umsatz, der pro Jahr mit dem Handel von Hundewelpen aus Massenzuchten erwirtschaftet wird, auf fast 400 Millionen Euro jährlich‑ allein in Deutschland. Die Welpen, die auf Wochenmärkten oder in Annoncen angeboten werden, stammen zumeist aus Massenzuchten, Tierfabriken im osteuropäischen Ausland. Schon nach wenigen Wochen viel zu früh von den Mutterhündinnen getrennt.

Das ist mir jetzt schon öfter aufgefallen, einige machen es sich sehr bequem - "oh wie schrecklich, mah diese Scheiß-EU, da kann man eh nix machen". IRRTUM man kann immer was machen, und wenn man nur eine Petition unterschreibt, Organisationen mit (Sach)spenden unterstützt oder so! Hebts euch endlich mal von eurem bequemen Sofa auf und tuts was!!

Also, da geht's ja nicht nur um die EU sondern auch um die Gesetze im eigenen Land die auch bei uns längst verstärkt gehören! Oder warum können Händler in der Shoppingcity einfach mit den Welpen offen herumlaufen und sie als Ware anpreisen?! Nicht zu erwähnen die schrecklichen Tierhandlungen, wo die Welpen unter inakteptablen Bedingungen vor sich hin leiden, ohne Auslauf oder Ansprache?!?!

huilup

die grukenkrümmung ist von überaus großer bedeutung in der eu. ABER, dass tiere auf so eine weise "verscherbelt" werden, kümmert die politiker nicht. tjaaaa offene grenzen, das glück der EU -.-

Diesen typen gehören die eier abgeschnitten die diese hunde so quelen und ausbluten lassen.aber das is der scheiss eu ja egal das sind ja nur wehrlose kreaturen um die sich diese scheiss politiker nicht kümmern müssen.

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