Weiter im Visier der italienischen Justiz: Tauber wurde von Behörden einvernommen

Langläufer zu möglichem Olympia-Skandal befragt ÖSV-Läufer nach 15km-Rennen in Polizeistation zitiert

Weiter im Visier der italienischen Justiz: Tauber wurde von Behörden einvernommen

Die mögliche Doping-Affäre um ÖSV-Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen in Turin hat beim Langlauf-Weltcup in Cogne zu einem späten Nachbeben geführt. Die italienischen Behörden haben die Anwesenheit von Martin Tauber genützt, um die Erhebungen in dem in Italien noch immer nicht abgeschlossenen Fall fortzuführen. Der Tiroler wurde unmittelbar nach seinem Zieleinlauf im 15-km-Rennen, das er als guter Zehnter beendet hatte, von Carabinieri angesprochen und nach Durchsuchung seines Hotelzimmers in Pollein zur Einvernahme in die Polizeistation in St. Pierre im Aostatal gebracht.

Für Tauber lagen Freude und Ärger nahe beisammen. Der Olympia-Achte holte dank einer Steigerung auf dem letzten Drittel der Distanz Rang zehn und überraschte sich damit auch selbst. Er war vom drittplatzierten Russen Jewgenij Dementjew eingeholt worden, mit ihm gelaufen und hatte ihn schließlich sogar noch distanziert. "Aber meine Platzierung habe ich lange gar nicht gewusst, weil ich gleich im Ziel abgeführt worden bin", sagte Tauber im Telefonat mit der APA.

Im Rennanzug von Polizei mitgenommen
"Ich habe mich nicht einmal umziehen können, durfte meinen Rucksack mit der Bekleidung nicht holen", erklärte der 30-jährige Seefelder. Anschließend sei er in Begleitung des protestierenden ÖSV-Teamarztes von den Carabinieri zu seinem Hotel in den tiefer gelegenen Ort Pollein gebracht worden. "Ich habe gefroren in dem nassen Langlaufanzug, sie haben mein Zimmer durchsucht und erst nach langer Zeit durfte ich duschen und nach Stunden ein Sandwich und ein Cola zu mir nehmen", sagte Tauber. Diese von der Turiner Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung dauerten rund vier Stunden, danach wurde Tauber noch auf die Polizeistation gebracht.

Keine bedenklichen Substanzen entdeckt
Tauber war im Sommer in Italien auf Urlaub gewesen und hatte vor dem ersten Renneinsatz im Nachbarland mit den strengen Anti-Dopinggesetz keine Bedenken. "Ich bin nicht mit einem unguten Gefühl gekommen, ich habe mir nichts vorzuwerfen. Und ich werde auch bei der Tour de Ski wiederkommen", sagte der Weltcup-Zweite von Davos 2005/06. Laut ÖSV-Aussendung wurden im Zimmer Taubers nur homöopathische Mittel und Vitaminpräparate festgestellt.

"Ich bin froh, dass diesmal wenigstens der Zeitpunkt positiv war, sie hätten auch in der Nacht vor dem Rennen kommen können", meinte Tauber ironisch im Hinblick auf die nächtliche Razzia im Februar am Vorabend des olympischen Staffelrennens. Und weiter: "Es waren jetzt einige bekannte Gesichter dabei, die ich noch von Pragelato kenne."

Noch immer kein Abschlussbericht
Bei den Winterspielen in Turin hatten Carabinieri in Absprache mit dem Internationalen Olympischen Comite wegen der Anwesenheit des mit Doping in Zusammenhang gebrachten Walter Mayer Razzien in den Quartieren der ÖSV-Biathleten und Langläufer durchgeführt. Verschiedene Dinge wurden damals beschlagnahmt, doch zehn Monate später liegt auch dem IOC immer noch kein Abschlussbericht vor. "Die Italiener haben nichts gefunden, weil es nichts gibt", erklärte dazu Mayers Anwalt Herwig Hasslacher.

Wie ÖSV-Cheftrainer Franz Gattermann gegenüber der APA bestätigte, ist neben Tauber auch Michail Botwinow auf die Polizeistation in St. Pierre im Aostatal gebracht worden. Botwinow hielt sich zum Zeitpunkt der Razzia während der Olympischen Spiele nicht in Italien auf.

ÖSV-Teamauto durchsucht
Die Polizisten interessierten sich aber für das Team-Auto. Nach Worten von ÖSV-Cheftrainer Franz Gattermann wurde es durchsucht, mitgenommen hätten die Carabinieri bei der "drei Minuten dauernden Routinekontrolle" aber nichts. Umso länger dauerten für den erst nach den Winterspielen engagierten Coach die Übersetzung des Durchsuchungsauftrages und die folgende Abfassung eines Protokolls auf der Polizeistation in Cogne.

ÖSV: "Unnötige Aktion"
Der ÖSV sprach in einer Aussendung von einer "völlig unvertretbaren und unnötigen Aktion der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegen Österreich" und hat seine Rechtsvertreter beauftragt, "gegen diese im Sport unvertretbare Aktion alle möglichen Schritte zu unternehmen." Von den seinerzeit erhobenen Behauptungen sei laut ÖSV nicht viel übrig geblieben. So sei auch die Aussage, fünf Liter Blut seien gefunden worden, mittlerweile mit Bedauern zurückgezogen worden.

(apa/red)