Weiter keine Lösung in Sicht: Irakische Regierungsbildung ins Stocken geraten

Schiiten halten weiter an Nominierung von Jaafari fest Wieder Tote und Verletzt bei neuerlichen Anschlägen

Im Ringen um die Bildung einer Regierung im Irak zeichnet sich weiter keine Lösung ab. Die konservativ-religiösen Schiiten, die im Parlament die stärkste Fraktion stellen, weigerten sich am Dienstag, einen neuen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Sie hielten an der Nominierung von Amtsinhaber Jaafari fest.

Der Chef der zur "Vereinigten Irakischen Allianz" gehörenden Dawa- Partei wird von Sunniten, Kurden und säkularen Schiiten abgelehnt. Bei neuen Anschlägen wurden unterdessen wieder zahlreiche Menschen getötet oder verletzt.

Wichtige Vertreter des schiitischen Bündnisses "Vereinigte Irakische Allianz" stünden nach wie vor fest hinter Jaafari, erklärte der Politiker Bassem Sharif, der am Dienstag an einem Treffen von Führern der Allianz teilnahm. Falls die anderen Volks- und Konfessionsgruppen den Kandidaten der Mehrheit nicht akzeptierten, würden die Schiiten möglicherweise im Gegenzug sunnitische und kurdische Bewerber für andere hohe Staatsfunktionen blockieren. Stärkste Gruppe innerhalb der Allianz ist der pro-iranische "Oberste Rat für die Islamische Revolution im Irak".

Schiiten, Sunniten und Kurden ist es fast vier Monate nach der Parlamentswahl vom 15. Dezember nicht gelungen, sich auf eine gemeinsame Regierung zu einigen. Die amtierende Regierungskoalition besteht aus schiitischen Arabern und Kurden, eine Beteiligung der sunnitischen Araber an der Macht gilt für eine Befriedung des Landes jedoch als unerlässlich. Die Aufständischen rekrutieren sich vorwiegend aus den Reihen der sunnitisch-arabischen Minderheit, die unter dem gestürzten Baath-Regime und vorher das Land beherrschte. (apa)