Weiter Bangen um Geiseln in Afghanistan: Militäraktion zur Befreiung aber dementiert

Südkorea bemüht sich um eine friedliche Einigung Entführte trotz Ablauf des Ultimatums am Leben

Weiter Bangen um Geiseln in Afghanistan: Militäraktion zur Befreiung aber dementiert

Im Geiseldrama um die 21 in Afghanistan verschleppten Südkoreaner haben sich die radikal-islamischen Taliban erstmals zu direkten Verhandlungen mit Südkorea bereiterklärt. Es sei ein Treffen südkoreanischer Diplomaten mit den Taliban geplant, sagte der Gouverneur der Provinz Ghazni, Marajudin Pathan, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Taliban-Sprecher Qari Yousuf Ahmadi zufolge nominierte der Rat der Taliban-Führer eine Delegation. Südkorea bestätigte die Angaben zunächst nicht. Das Land will die USA um Hilfe bei der Beendigung der Krise bitten. Seoul und Washington schlossen jedoch einen Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln aus.

Über die Bedingungen und den Ort des Treffens werde noch beraten, sagte Pathan. Das Treffen werde auf Wunsch der Südkoreaner organisiert, nachdem Verhandlungen der Islamisten mit afghanischen Unterhändlern ergebnislos verlaufen waren. Die Taliban bestehen auf einen Gefangenenaustausch: Sie fordern die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft und wollen dafür südkoreanische Geiseln freilassen. Kabul hat jedoch einen Austausch ausgeschlossen. Die Taliban hatten nach Ablauf des vorerst letzten in einer ganzen Reihe von Ultimaten gedroht, weitere Geiseln zu töten. In den vergangenen Tagen hatten sie bereits zwei Männer aus der Gruppe ermordet.

Die USA hatten im März die Freilassung der italienischen Geisel Daniele Mastrogiacomo im Austausch für fünf inhaftierte Taliban scharf verurteilt, weil sie befürchteten, dies werde weitere Entführungen nach sich ziehen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte daraufhin erklärt, es werde nie wieder einen derartigen Gefangenenaustausch geben. "Die Verhandlungen sind gescheitert, weil die Amerikaner es Kabul nicht erlaubt haben, Gefangene freizulassen", sagte Ahmadi am Donnerstag.

Südkorea fordert hingegen "Flexibilität" bei den Verhandlungen zur Lösung der Krise; acht südkoreanische Abgeordnete reisten nach Washington, um dort um Unterstützung für einen Gefangenenaustausch zu werben. Sie wollten in den USA um Kooperation ersuchen, sagte Chang Young-dal von der regierenden Uri-Partei. Er rechnete unter anderem mit einer Zusammenkunft mit dem Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten, Nicholas Burns.

Beide Länder schlössen einen Militäreinsatz zur Geiselbefreiung aus, sagte Südkoreas Außenminister Song Min-soon nach einem Treffen mit US-Vizeaußenminister John Negroponte am Rande des ASEAN-Forums in Manila. Der Staatssekretär im US-Außenamt, Christopher Hill, erklärte: "Wir haben nicht über einen Militäreinsatz gesprochen."

Die Taliban haben für den Fall einer Gewaltlösung die Ermordung der 21 Geiseln angedroht. Nach Angaben der Geiselnehmer sind die Südostasiaten am Leben. Die meisten Gefangenen seien aber erkrankt, zwei Frauen lebensgefährlich. Eine Gruppe afghanischer Ärzte kündigten eine Reise nach Ghazni an, um die Geiseln zu behandeln. Die Taliban hätten ihnen den Zugang zu den Koreanern aber bisher nicht gestattet. Der Leichnam des zweiten von den Taliban erschossenen Südkoreaners traf unterdessen am Donnerstag in der Heimat ein.

In Afghanistan ist auch ein Deutscher nach wie vor in der Gewalt von Kidnappern. Um seine Freilassung bemüht sich ein Krisenstab. Im Fall des Deutschen verlangen die Entführer den Abzug der 3.000 Bundeswehrsoldaten vom Hindukusch. Kanzleramtschef Thomas de Maiziere hat dazu aufgerufen, bei den Bemühungen um eine Lösung Ruhe zu bewahren. "Je mehr wir über die Geiselnahme reden, desto mehr betreiben wir das Geschäft der Geiselnehmer", sagte er gegenüber der "Passauer Neuen Presse". Gleichzeitig bekräftigte er, dass die deutsche Regierung nicht erpressbar sei. "Daran hat sich nichts geändert."

(apa)