Weißrussland ordnet Transitstopp für Gas nach Europa an: Streit mit Moskau dauert an

Wegen Drosselung der russischen Lieferungen Österreich nicht betroffen. Gas fließt über Ukraine

Weißrussland ordnet Transitstopp für Gas nach Europa an: Streit mit Moskau dauert an © Bild: Reuters/Cristel

Weißrussland hat den Transit russischen Erdgases in den Westen unterbrochen, sagte Präsident Alexander Lukaschenko vor Journalisten. Er reagierte damit auf die Ankündigung des russischen Monopolisten Gazprom, Lieferungen an Weißrussland um 30 Prozent zurückzufahren, nachdem diese bereits am Vortag wegen eines Konflikts um angeblich unbezahlte Rechnungen um 15 Prozent gedrosselt worden waren. Die beiden Nachbarstaaten steuerten auf einen "Gas-Krieg" zu, sagte Lukaschenko.

Russland pocht auf die Begleichung von Schulden für Gaslieferungen an den Nachbarn über 192 Mio. Dollar (155 Mio. Euro). Im Gegenzug wirft Lukaschenko Russland beziehungsweise dem russischen Energieriesen Gazprom vor, für den Gastransit noch 260 Mio. Dollar schuldig zu sein. Gespräche zur Lösung des Zwists sind am Wochenende gescheitert.

Wird sich nicht auf Versorgung auswirken
Die EU teilte mit, Russland habe vor Unterbrechungen der vor allem für Deutschland und Polen bestimmten Lieferungen gewarnt. Zugleich versuchte sie aber, Sorgen zu dämpfen, es könne zu Engpässen wie im Jänner 2009 kommen, als ein ähnlicher Streit zwischen Russland und der Ukraine eskaliert war. Eine Sprecherin erklärte in Brüssel, sie gehe davon aus, dass sich der Konflikt zwischen den Regierungen in Moskau und Minsk nicht auf die Versorgung Europas auswirken werde. Durch den Transitstopp seien maximal 6,5 Prozent der Lieferungen aus Russland nach Europa betroffen. Ihr lägen zudem keine Informationen vor, dass die Gaslieferungen nach Europa über Weißrussland tatsächlich unterbrochen worden seien.

Insgesamt liefert Russland ein Viertel des in Europa benötigten Gases. Neben Weißrussland ist Polen ein weiteres Transitland, in dem eine der beiden Hauptrouten für die Weiterleitung von Öl und Gas verläuft.

Nachfrage im Sommer geringer
Gazprom hat versichert, dass sich die Auswirkungen für Europa in Grenzen halten würden. Das Gas könne auch über andere Wege weitergeleitet werden. Zudem sei die Nachfrage im Sommer geringer und die Industrie habe wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise einen geringeren Bedarf. Auch hat Europa erhebliche Reserven, wie die Gaskrise im Jänner 2009 gezeigt hat.

Die Beziehungen zwischen Russland und Weißrussland haben zuletzt erheblich gelitten. Erst wurde die geplante Zollunion zwischen den Nachbarstaaten Russland, Weißrussland und Kasachstan verschoben und dann nahm Weißrussland auch noch den entmachteten Präsidenten Kirgistans, Kurmanbek Bakijew, auf.

In der Vergangenheit war es in Folge von Preisstreits immer wieder zur Reduzierung von Öllieferungen von Russland nach Weißrussland gekommen. Ähnliche Streits mit der Ukraine verliefen jedoch stets folgenreicher. Der Westen hat Russland in der Vergangenheit häufiger vorgeworfen, seine Macht in der Energiebranche zu missbrauchen, um kleinere Nachbarn einzuschüchtern. (apa/red)

Kommentare

Gaslieferungen Politischer Machtkampf wird auf dem Rücken von Bürgern ausgetragen (wie immer). Es kann wohl nicht so schwer sein, 2 Rechnungen gegeneinander aufzuwiegen und zu begleichen. Aber das ist ja nicht das wirkliche Problem. Und andere Länder wie österriech erkennen wieder einmal, an welch dünnem Faden unsere Gasabhängigkeit hängt. Die österreichische Sicherheit hat neben der politischen und militärischen auch die wirtschaftliche Komponente. Worin besteht nun die Sicherung Österreichs bei solchen Abhängigkeiten ?

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