Weil sie Öl-Mafia-Geschäfte aufdeckte: Journalistin in Ungarn fast zu Tode geprügelt

Iren Karman gefesselt am Donauufer gefunden

Weil sie Öl-Mafia-Geschäfte aufdeckte: Journalistin in Ungarn fast zu Tode geprügelt

Die ungarische Journalistin Iren Karman ist von unbekannten Tätern brutal zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden. Ein Angler fand die gefesselte Frau am Ufer der Donau - berichten die Medien. Iren Karman liegt in einem Budapester Spital und kann angesichts ihres Gesundheitszustandes nicht verhört werden.

Die Journalistin hatte sich mit den "schwarzen Geschäften der Ölmafia " befasst. Der Wagen der Journalistin war im November 2006 aufgebrochen worden, wobei eine Tasche entwendet wurde. Diese enthielt Dokumente, Prozessakten, die die Grundlage ihres Buches "Gegen die Mafia" bildeten.

Iren Karman befasste sich mit der Aufarbeitung der "Altlasten" einer raffinierten Ölmafia, wobei in dem Zusammenhang immer wieder eine angebliche Kooperation zwischen Öl-Baronen und hohen Polizeioffizieren angedeutet wurde. Dabei gehen die dunklen Geschäfte der Ölmafia zurück in das Jahr 1993, als Betrüger importierten Diesel als Heizöl deklarierten, das billiger verzollt wurde und nicht der Umsatzsteuer unterlag.

Die Importeure sollen so mit einem Tankzug Öl einen Reingewinn von rund 100 Millionen Forint (400 000 Euro) erzielt haben. Wie es hieß, soll ein Teil des Gewinns für die Bestechung von Beamten geflossen sein, ohne deren Zutun die Geschäfte nicht reibungslos funktioniert hätten. Die Steuerhinterziehung mit dem falsch deklarierten Treibstoff soll dem ungarischen Staat damals Verluste in Milliarden-Höhe eingetragen haben.

Iren Karman hatte in der letzten Zeit mehrere Erklärungen im TV und Internet abgegeben, die "gewissen Leuten" nicht gefallen haben könnten, heißt es in den Medien. Dabei soll der Überfall auf die Journalistin eine Warnung sein, die zuvor bereits mehrfach Todesdrohungen erhalten habe. Der Ungarische Journalistenverband protestierte gegen die Tat und erinnerte daran, dass der Verband jüngst mit Karman über die Ausstrahlung ihres Dokumentarfilmes über die Ölmafia mit dem Titel "Geölte Verhältnisse" verhandelt habe.

Miklos Haraszti, Medienbeauftratger der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), verurteile das Verbrechen und forderte in Wien ein entschlossenes Auftreten der ungarischen Polizei im Sinne der Klärung der Tat.
(APA/red)